Mein bester Freund

Philosophen und Naturwissenschaftler sind sich einig:

Unsere Welt und unser Leben

besteht aus Gegensätzen:

Tag-Nacht, Kalt-Heiß, Schwarz-Weiß, Arm-Reich,

Angst-Liebe, Stark-Schwach, Festhalten-Loslassen, Ja-Nein.

Keiner der Pole ist gut oder schlecht,

sie bedingen einander, sind untrennbare Einheit.

Das ergibt die Vielfalt der unendlichen Möglichkeiten.

So weit, so gut. Aber:

Mein innerer Schweinehund,

(den ich bis heute immer Psychohygienicus genannt habe,

weil ja die Pflege der Seele mindestens genau so wichtig ist,

wie die Pflege des Körpers),

hat ja auch immer einen Gegensatz-Partner.

Der eine sagt „Ja“, der andere „Nein“.

Der eine sagt „Halt fest“, der andere „Lass los“.

Der eine „Sei stark“, der andere „Sei schwach“.

Und erstaunlicherweise haben fast immer beide recht ! :

An der grünen Ampel kann es ganz gut sein,

stehen zu bleiben (wenn die Feuerwehr angerast kommt)

und an der roten Ampel kann es ganz gut sein,

weiter zu fahren (wenn Du bei der Feuerwehr bist).

Es kann ganz gut sein,

in Deinem Beruf zu bleiben, in Deinem Wohnort,

bei Deinem Partner, sagt der eine „Schweinehund“-Freund.

Und es kann ganz gut sein, etwas Neues zu wagen,

sagt der andere.

So fühlte ich mich immer irgendwie ein wenig 

hin und her gerissen zwischen meinen beiden Freunden.

Bis es mir endlich wie ein Feuer

aus dem Dachstuhl leuchtete:

Ich habe ja noch einen dritten „Schweinehund“-Freund

(wie ich inzwischen weiß, der einzig-wahre).

Und der sagt immer:

Sei still.

Tue nichts.

Hab Vertrauen in das Leben.

Werde Dir bewusst.

Höre in Dein Herz hinein.

Sei still und tue nichts.

Zugegeben, an der Ampel ein Prozess von Sekunden.

Bei anderen Gelegenheiten kann es gut sein,

sich genügend Zeit zu nehmen, für das Stillesein.

Dieses Nichtstun und Stillesein

ist weder Aussitzen, noch Abwarten, noch Ignoranz.

Stillesein und Nichtstun

kann das Schönste und Aktivste sein,

was Dir geschenkt wird.

Ein Stille-Sein.

Es könnte sein, dass Dir in dieses Stille-Sein hinein

geschenkt wird,

dass Du erstmal ganz da bist

(Beruf, Wohnort, Partner),

bevor Du gehst oder bleibst.

Dass Du erstmal ganz loslässt, bevor Du Dich einlässt.

Oder Dich ganz einlässt, bevor Du loslässt.

Dass Du erstmal ganz liebst,

bevor Du gehst oder bleibst

(und dann schaust, was geschieht)

oder erstmal ganz gehst,

bevor Du wiederkommst oder wegbleibst

(und dann schaust, was geschieht).

Du musst nicht immer erst schwach sein,

um stark sein zu können (manchmal hilft`s).

Auch nicht umgekehrt (manchmal hilft auch das).

Aber erstmal Stille-Sein hilft meistens.

Ich liebe sie, meine beiden Psychohygienicusse.

Aber der, der sagt „Sei still“,

mein allerbester Freund,

  der bin ich am liebsten.   

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