Leidenschaftlich wohl tun

Menschen, die sich nicht leidenschaftlich

an einen Menschen, eine Aufgabe

oder einen Augenblick hingeben können,

sind oft Menschen, die sich leidenschaftlich

nach etwas sehnen, das ihnen fehlt.

Das könnte bedeuten,

dass Menschen, die sich nicht ganz hingeben können,

nicht ganz bei sich sind,

bzw. dass Menschen, die ganz bei sich sind,

sich ganz hingeben können.

Es kann aber auch bedeuten,

dass ganze Hingabe nur dann gelingt,

wenn der Mensch nicht vorrangig

ganz bei sich sein will.

Vielleicht ist es so:

Wenn der Mensch sich für eine Zeit lang loslässt,

(inklusive aller Sehnsüchte, Forderungen, Ziele,

Wünsche und Hoffnungen)

kann er sich

dem Summen der Hummel,

dem Glanz des Tautropfens,

dem Duft der Blume,

dem Lächeln des Kindes,

dem Akt der Liebe,

dem Sinn der Aufgabe,

mit solcher Leidenschaft hingeben,

dass er die liebevolle Gegenwart der Ewigkeit schmeckt,

die er in sich trägt.

Die Leidenschaft lässt sich – wie die Lust und die Liebe –

nicht rufen und einfangen.

Sie kommt, wie es ihr selber gefällt.

Wenn Mensch sie einfordert, vergeht sie ihm.

Aber wir können ihr fruchtbaren Boden bereiten

indem wir glauben, dass wir sie in uns tragen.

Und dass sie sich ausdehnen will,

um den Menschen oder die Aufgabe

die uns anvertraut sind,

noch ein wenig schöner zu machen.

In der Gewissheit,

dass wir an Kindern, Partnern,

Kunstwerken, Aufgaben und Grashalmen

nicht ziehen müssen, damit sie wachsen

und schöner werden.

Manchmal genügt es bereits,

keinen Schatten zu werfen.

Bereits allein dadurch

können wir die besten Möglichkeiten

aus dem anderen herauslieben.

Leidenschaft schafft Leiden

indem sie begehrt oder vermieden wird.

Wenn wir aber die Selbstbezogenheit hingeben

(die, die den Schatten wirft),

ermöglichen wir Räume für Leidenschaft.

Leidenschaft, die Liebe ist

und deren tiefster Zweck vielleicht allein dieser ist:

 wohl zu tun.

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