Pusteblume

 Es ist Sonntagmorgen,

ich liege im Garten inmitten hunderter Pusteblumen.

Der Löwenzahn ist wohl eine der schönsten Blumen

auf der Welt.

Tief treibt er seine Pfahlwurzel in den

fruchtbaren Mutterboden.

Aus dem samt-weichen Kelch sprießen erst die

leuchtend-gelben Blätter

und später hunderte kleine Gleitschirmflieger,

die sich in universaler Ordnung

zu einer kugelrunden Pusteblume gruppieren,

um dann nach je eigener Bestimmung

 vom Frühlingswind in die Welt getragen zu werden.

Sinnierend frage ich mich,

ob ich ein Bruder der Pusteblume bin:

Die köstliche Nahrung von Mutter Erde

bringt meine Blüten zum Leuchten

und ihr Geist trägt meine Bestimmung in die Welt.

Da kommt mein Atem in mein Gewahrsein.

Es atmet mich. Ich lebe.

Es wird ganz ruhig in mir.

Alles ist gut.

Da war ich wohl eher wieder ein Geschwister all derer,

die unbedingt gebraucht werden wollen.

Im Bunde all der Sozialen und all der Männer,

die unbedingt ihren Samen

in der Welt verteilen möchten.

All derer, die ihren Selbstwert

aus gutem Tun beziehen.

All derer, die auf die Frage des Taxifahrers,

wohin es denn gehen solle, antworten:

Egal, ich werde überall gebraucht.

Mein Atem kommt und geht.

Gefühle und Gedanken kommen und gehen.

Ich spüre wohltuende Achtsamkeit.

Eine Achtsamkeit, die kein Ziel hat

und nichts bewirken will,

weder für mich, noch für andere.

Einfach nur so.

Wie ein Zeuge meiner selbst

beobachte ich

mein Begehren, meinen Zorn, meine Trägheit,

mein Innehalten,

meinen Frieden, meine Liebe, meine Lebenslust.

Es muss nichts dabei heraus kommen bei alledem.

Ich bin ein Geschwister der Pusteblume.

Sie fragt nicht nach dem Woher, dem Wozu

und dem Wohin.

Fragt nicht nach Ziel und Sinn.

Sie steht einfach da.

Treibt ihre Wurzeln nicht in den Boden,

bringt ihre Blüten nicht zum Leuchten,

verteilt ihren Samen nicht

und achtet nicht einmal auf Achtsamkeit.

Sie steht einfach da.

Mutter Erde stärkt sie,

lässt sie erstrahlen

und fruchtbar sein.

Sie muss das noch nicht einmal glauben.

Es geschieht.

Wie mein Atmen – ohne mein Zutun – geschieht.

So geschieht mein Versorgtsein,

mein Lachen, Leuchten und Strahlen.

Vielleicht steckt es andere an.

Aber die atmen ihren Atem

und leuchten ihr Leuchten.

Und stecken mich vielleicht an.

Meine Schwester die Pusteblume,

kitzelt Nase und Seele mit einem Gleitschirmflieger

und lächelt mir zu. 

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