Archive | August 2012

Nur heute

Was wäre,

wenn die Sonne nur heute scheinen würde ?

Was würde ich tun oder lassen ?

Ich könnte an all die schönen Erfahrungen,

Erlebnisse und Erkenntnisse denken

und dankbar zurück blicken.

Ich könnte an die schweren Stunden denken:

Es ist gut ausgegangen.

Es ist weiter gegangen.

Es hätte schlimmer kommen können.

Wenn die Sonne nur heute scheinen würde,

würde ich ein Seminar planen

für nächste Woche

oder für 2060.

Ich würde mir vornehmen

mehr Sport zu machen,

meinen Rasen zu mähen,

eine Fortbildung zu buchen

und meine Freunde zu besuchen.

Wenn ich grad in einer Kletterwand hängen würde,

könnte ich im Groll nach unten schauen

und mit Angst nach oben.

Dann würden Groll und Angst

mein Leben bestimmen.

Stattdessen könnte ich mich freuen.

Freuen, dass ich lebe

und dass die Kletterseile mich halten.

Allein mit dieser Freude

würde ich wahrscheinlich

eine Wilderdbeere entdecken,

direkt vor mir, in der Felsspalte.

Es wäre vielleicht die einzige Erdbeere,

die ich je gegessen habe,

an dem Tag,

an dem die Sonne nur heute scheint.

Ich kann sie genau spüren in diesem Augenblick,

die Wilderdbeere,

wie sie sanft und samten

meine Zunge streichelt und entzückt.

In diesem heiligen Augenblick

würde ich mir nicht den Kopf zerbrechen,

ob ich schon einmal eine Wilderdbeere gegessen habe

oder ob ich noch eine zweite finde.

Diese Wilderdbeere würde mir Kraft zum Klettern geben.

Und mich ganz direkt

mit meinem Herzen verbinden

und mit aller Freude dieser Welt.

Und genau das tut sie jetzt gerade.

Mich in diesem Augenblick meines Lebens

mit der Erdbeere in der Felsspalte zu verbinden,

ist eine wunderbare Möglichkeit,

mich mit der grundlegenden Freude in mir

zu verbinden.

Was wäre,

wenn die Sonne nur heute scheinen würde ?

Ich würde uns einen Kaffee kochen.

Vielleicht finde ich dabei eine Wilderdbeere.

Die pflücke ich Dir.

Und dann schaue ich Dir zu,

wie Du sie in den Mund steckst.

Dann streichelt und entzückt die Wilderdbeere

sanft und samten mein Herz.

Wenn die Sonne nur heute scheinen würde,

würde sie die helle und warme Gewissheit

in mein Herz strahlen,

dass sie auch morgen scheint.

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Es geht vorbei

 Hast Du schon einmal erlebt,

dass irgendetwas nicht vorbei gegangen ist ?

Erstaunlich, oder ?

Es geht vorbei !

Alles geht vorbei.

Manchmal möchtest Du, dass es nicht vorbei geht.

Manchmal möchtest Du, dass es schnell vorbei geht.

Egal wie – es geht vorbei.

Die Dinge sind, wie sie sind.

Es ist, wie es ist.

Meist hat es damit zu tun, wie Du etwas bewertest,

welche Haltung Du zu etwas einnimmst,

wie Du etwas bezeichnest oder benennst.

Vielleicht gehörst Du auch zu den Menschen,

die neulich noch über den verregneten Sommer

gestöhnt haben

und die jetzt über die Hitze stöhnen.

Das eine ist vorbei gegangen.

Das andere geht auch vorbei, wetten ?

Erinnerst Du Dich an den Schmerz von

Trennung, Verlust, Verurteilung, Angst und Tod ?

Du dachtest, dass das nie vorbei geht,

aber es geht vorbei.

Nach dem Schmerz kam etwas großartig Neues,

das es ohne den Schmerz nicht gegeben hätte.

Kannst Du das angemessen würdigen ?

Oder verlierst Du es noch oft aus dem Blick ?

Oder steckst Du noch mitten drin

in Trennung, Verlust, Verurteilung, Angst und Tod ?

Das geht vorbei.

Kannst Du schon sehen, was es auch noch gibt ?

Oder was es stattdessen gibt ?

Und auch das geht vorbei.

Es ist, wie es ist.

Gefällt Dir das ?

Das geht vorbei.

Gefällt es Dir nicht ?

Das geht auch vorbei.

Wirst Du gerade ganz unruhig beim Lesen ?

Das geht vorbei.

Oder wirst Du ganz ruhig ?

Das geht auch vorbei.

Möchtest Du gern mehr Geld, Glück, Liebe, Lebenszeit ?

Das geht vorbei.

Kannst Du es auch genießen,

wie schön der Mond leuchtet,

in diesen klaren Sommernächten ?

Und….?

Du hast es schon geahnt:

es geht vorbei.

Vermutlich ist es mit dem Mond

wie mit Deinem Beschützt-, Geführt- und Getragensein:

es zu spüren, zu erleben, zu erfahren,

geht vorbei.

Und ist doch immer da.

Und wenn Du etwas bewahren oder verändern möchtest

sei gewiss: es geht vorbei.

Was tun ?

Du kannst es ja lieben, wie es ist,

wissend, dass auch das vorbei geht.

Denn es ist, wie es ist.

Ist das nicht wunderbar tröstlich ?!

Geborgenheit

Immer wieder kommt die Zeit

Mit der Sehnsucht nach Geborgenheit

Ich schaue nach in allen Ecken

Wo mag sie sich im Haus verstecken

Ich such in Fotoalben, Briefekisten, Tagebücherseiten

Und suhle mich in seligen Benommenheiten

Noch nehm ichs selbstbeherrscht, gelassen und gefasst

Vergangene Geborgenheit ist stark verblasst

Vom Abendwein die Angst des Alltags dumpf getröstet

Allmorgendlichen Fitnesskaffee frisch geröstet

So will ich feuchte Einsamkeit mit trockner Zunge lecken

Gewohnheitsmäßige Geborgenheit lässt schaler schmecken

Gern opfer ich viel für ein festes Gehalt

Und find im Bett Schutz wenn das Grauen sich ballt

Ich stehe auf sumpfigem Boden zum Absprung bereit

Versicherte Geborgenheit zerstört Persönlichkeit

Die Lebenshilfe will nur über Druck ins Leben lenken

Verdrehte Religion will Glück erst nach der Zeit verschenken

Für die Garantie meiner Rente bleibt ja noch Zeit

Vertröstete Geborgenheit verhindert Verantwortlichkeit

Was aber wenn Versicherung und Vertröstung daneben liegt

Was wenn es Geborgenheit nur im Geben gibt

Ich sehe einen Menschen und lächle ihn an

Den Partner den Kollegen und den Nachbarn nebenan

Da spür ich Verbundenheit und Zusammenhalten

Als würden da sanfte Mächte des Tragens mich halten

Da will etwas Heiliges mich unbemerkt tröstend versorgen

Wenn ich fürspreche fürhöre und fürsorge

Bin ich geborgen

Sonntagsgedanken

Ich hab heut mal in alten Sonntagsgedanken geschmökert

und darin viele interessante Sprüche gefunden,

die ich irgendwann mal so formuliert habe.

Ich würde mich freuen, wenn Du (Sie) mir schreibst,

welcher Dir am besten gefällt.

Deine Einzigartigkeit ist unantastbar

Die Liebe versteckt sich so lange,

bis Du sie nicht mehr suchst

Heute darfst Du damit beginnen,

mit dem Genügenmüssen aufzuhören

Das unendlich Schöne an der Ewigkeit

ist ihre Gegenwärtigkeit

Deine Lebensaufgabe ist zu tun, was Du tust

und zu lieben, wen Du liebst

Sehnsucht verurteilt und Dankbarkeit vergibt

Wenn wir uns berühren,

müssen wir uns nicht mehr beeindrucken

Das Wesentliche wird durch Dein Innehalten erliebt

Wenn wir einander brauchen,

dann lassen wir einander los,

damit wir uns verbinden können

Wie Nahrung aus der Erntezeit

kommt Güte aus der Achtsamkeit

Wenn Du Dich von Gott in Deine Mitte tragen lässt,

bist Du Dein Zuhause

Du darfst ruhig stolpern,

es geht immer vorwärts

Herbstabschiedsblätter machen Platz

für Frühlingsblütenknospen

Alles ist gut für den,

der nicht alles positiv sieht

Manchmal musst Du den Verstand verlieren

um Dein Herz öffnen zu können

Die Herrlichkeit des Lebens

erleuchtet die Einverstandenen

Wenn Du Gott suchst,

dann spiele mit einem Kind

Du bist wie der Mond,

mal weniger und mal mehr leuchtend,

aber immer rund und schön

Frieden ist, wenn Gott sein Allerliebstes

in Deinen Zweifel liebt

Erfüllung ist die Realisierung

Deiner Bestimmung