Archive | Oktober 2012

Die drei Stufen zur Freiheit

 1. Sich alles erlauben

 

Du darfst alles denken und fühlen, tun und lassen.

Alles.

So, als wärest Du allein:

Furzen, Rülpsen und Popeln.

Selbstmitleidig vor dem Spiegel die Falten zählen.

Träge die Pflichten vernachlässigen.

Perfektionismus erstreben und bekämpfen.

Verletzt-, Zurückgewiesen- und Beleidigtsein.

Entscheidungen aufschieben.

Single bleiben.

Heimatfilme und astrologische Beratungen anschauen.

Tanzen, Lachen und Weinen und alleine glücklich sein.

Flunkern, Lügen und Täuschen.

In abgrundtiefen Rachegelüsten Schwerter schmieden.

Schimpfwörter für den Chef erfinden.

Betteln, Jammern, Fordern und Vorwürfe hinaus schreien.

Den gesamten Weltschmerz hinaus kotzen.

 

All diese und andere Single-Sehnsüchte in Vollkommenheit auszutoben,

ist die Voraussetzung für das Hinübergleiten zur nächsten Stufe.

 

2. Alles mit jemandem teilen

 

Du darfst alles was Du denkst und fühlst, tust und lässt,

mit jemandem teilen.

Alles.

Dann bist Du authentisch und frei.

Ganz bei Dir.

Und beschenkst den anderen mit dem,

der Du in Wahrheit bist.

Wenn das nicht geht, such Dir jemandem, mit dem es geht.

 

All diese Single- und Beziehungssehnsüchte

in Vollkommenheit sein zu dürfen,

ist die Voraussetzung für das Hinübergleiten zur dritten Stufe.

 

3. Jemandem alles erlauben

 

Du darfst alles was Dein Partner denkt und fühlt, tut und lässt

in vollkommen loslassender Hingabe

und im Gewähren vollkommener Freiheit

in Euer gemeinsames Sein integrieren.

 

Und wirst erkennen

– nachdem Du Dir selbst alles erlaubt

und alles geteilt hast –

dass die größtmögliche Freiheit des Menschen

im Gewähren von Freiheit

und in liebevoller, wechselseitiger Abhängigkeit besteht.

Dann werdet Ihr in schwebender Leichtigkeit

euch Luft und Raum zum köstlichen Atmen ermöglichen

und zwischen Geben und Empfangen

nicht mehr unterscheiden können.

 

Aus der ersehnten Freiheit wovon ist endlich

die wahrheitsspendende Freiheit wozu geworden.

 

So werdet Ihr gleichzeitig sein und gleichwertig.

Eure unantastbaren Einzigartigkeiten

dürfen aneinander zur Ruhe kommen,

weil sie sich weder trennen noch vermischen müssen.

 

Verantwortlichkeit und Selbstfürsorge

hauchen einander Frieden, Segen und Leben zu.

Der ewige Himmel ist in die endliche Zeit gekommen.

Und die Macht der Freiheit dehnt sich hinaus in die Welt.

 

Was Dich abhält?

Wahrscheinlich die Angst vor der Freiheit.

Und die falsche Einbildung,

Du hättest Glücklichmachen und  Glücklichsein

nicht verdient.

 

 

Was Dich wirklich frei macht?

Vielleicht diese eine Wahrheit der drei Stufen:

Du erlaubst Dir ALLES.

Dann teilst Du es.

Und dann erlaubst Du ALLES.

Und dann gibst Du Dich

– ohne jegliche Selbstaufopferung –

ganz hin.

 

Du hast das Glücklichsein verdient.

Es kommt durch Gewähren von Freiheit

und das macht frei.

 

Auf geht`s

 

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Vertraut machen

Es gehört wohl zu den schönsten Stellen der Weltliteratur,

das Kapitel in dem Büchlein „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupery,

als der Fuchs zum Kleinen Prinzen sagt:

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich,

was du dir vertraut gemacht hast“.

Wenn du mich zähmst, werden wir einzigartig sein füreinander.

Der Klang deines Schrittes wird sich von allen anderen unterscheiden

und „mich wie Musik aus meinem Bau locken“.

Wie denn „zähmen“ geht, wollte der Kleine Prinz wissen.

Du musst geduldig sein. Und nichts sagen.

Und jeden Tag ein bisschen näher kommen.

 

Vertraut machen und verantwortlich sein

ist nach Saint-Exupery ganz offensichtlich ein aktives Tun,

nichts Selbstverständliches, nichts Geschenktes, nichts Vorbestimmtes.

Gemeint sind nicht – ganz automatisch – die Eltern, die Verwandten,

die Kinder (weder die leiblichen, noch die anvertrauten),

die Nachbarn oder die Kolleginnen. Auch nicht die Ehepartner.

 

„Ich kann den Klang Deines Schrittes von tausenden unterscheiden.

Die goldenen Weizenfelder

werden mich an Dein weizenblondes Haar erinnern

und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen.“

 

Was aber mag das wohl bedeuten,

geduldig sein, nichts sagen und jeden Tag ein bisschen näher kommen?

Vielleicht dies:

Ich will nicht darauf warten, gezähmt zu werden,

um für jemanden einzigartig zu sein.

Stattdessen vielleicht dies:

Ich will dich nicht bedrängen. Und nichts fordern.

Ich will dir liebevoll zuhören, um dich wirklich zu verstehen.

Ich will Dir ein bisschen näher kommen –

indem ich mein Herz öffne.

 

Herz öffnen?

Ich will nicht meinen Müll bei Dir abladen,

denn dann bin ich nicht mehr bei Dir.

Und ich bin nicht schuldig,

denn besser konnte ich es nicht.

 

Aber wenn die Stunde kommt,

in der wir mit offenen Herzen füreinander da sind,

will ich mich so mitteilen,

dass ich alles mit Dir teile,

meine Sehnsüchte, meine Verletzungen, meine Ängste,

und den Frieden, der mich umhüllt,

wenn mein Herz sich dehnen will, hin zu Dir,

beim Klang Deines Schrittes, der Musik Deines Haares

und der Süße Deines Teilens.

 

Und dann bin ich zeitlebens verantwortlich.

Auch über den Abschied hinaus.

Vielleicht musste oder muss ich eines Tages gehen.

Vielleicht Du.

Vielleicht gehen wir auf eigenen, getrennten Wegen weiter.

Vielleicht ist der Abschied endgültig.

 

Ganz gewiss wird aus dem gefallenen Herbstlaub Dünger.

Ganz gewiss wächst an gleicher Stelle aus gestärktem Ast

ein neues Blatt.

Ganz gewiss wird – ohne unser Drängen – wieder Frühling.

 

Und ich erwarte nicht, dass Du zeitlebens verantwortlich bleibst.

Ich werde es sein.

Ich werde alten Groll von Güte heilen lassen,

werde mich dankbar an Dein Lachen erinnern,

an die Wärme unserer gemeinsam geöffneten Herzen

an die unendliche Sanftheit,

mit der der Himmel unter unsere Haut gekuschelt ist.

 

Ich werde zeitlebens verantwortlich bleiben,

vor allem dadurch, dass ich Dich loslasse.

Entweder für unsere getrennten Wege.

Oder den endgültigen Abschied vom zeitlichen Leben.

 

Und weil ich in diesem Moment

mit dem Loslassen beginne,

erfüllt mich das Geduldigsein, das Nichtssagenwollen, das Näherkommen

und die Ahnung, dass es Liebe ist.

Du Partner, Du Kind, Du Mutter, Du Vater, Du Freund.

Und Du, mein himmlischer Freund und Partner und Komplize.

Reife und Stärke

Reife und Stärke

Erziehung könnte doch bedeuten, Menschen so zu begleiten,

dass sie selbstverantwortlich und gemeinschaftsfähig werden.

Menschen, die Dinge beurteilen

und einen eigenen Standpunkt vertreten können

So, dass man sie irgendwann als reif und stark bezeichnen könnte.

 

Und wenn wir ein klein wenig Glück hatten,

sind wir selbst auch so erzogen und sozialisiert worden

und können nun Urteilskraft, Reife und Stärke weitergeben.

 

Als reife und starke Erwachsene

haben wir einigermaßen hinreichende Sicherheit darin,

Dinge als wahr und unwahr, richtig und falsch oder gut und böse

einordnen zu können.

Wir verdanken dies unserer

kulturellen, politischen, moralischen und religiösen

Erziehung und Sozialisation.

 

Und je klarer unser Urteil,

desto größer unsere Reife und Stärke.

 

Aber – ist das denn die Wahrheit?

 

Was, wenn

 

Adam und Eva doch nicht aus dem Paradies vertrieben wurden?

Blut doch nicht dicker ist als Wasser?

Das 30-jährige Reich doch länger dauert als vermutet?

Die 70 Jungfrauen, auf die sich die Selbstmordattentäter freuen,

doch alle älter sind als 95?

Erzieherinnen sich doch nicht alles gefallen lassen müssen?

Müßiggang doch nicht aller Laster Anfang ist?

Mensch doch nicht fühlen muss, wenn er nicht hören will?

Schuld doch ein rein weltlicher Begriff ist?

Das Hemd doch nicht näher ist als der Rock?

Prägungen doch nicht zu Zwanghaftigkeiten führen müssen?

Freiheit doch nicht vom Rechthaben kommt?

Hölle doch die Erfindung von Menschen ist, die Angst haben?

Die Welt doch nicht in Katastrophen untergeht?

Die zehntausend Dinge doch ganz anders sind?

Der Mensch doch nicht unbedingt reif und stark sein muss?

 

Was, wenn

 

es doch ganz schön glücklich machen würde heraus zu finden,

was alles eventuell nicht wahr sein könnte

und eine kleine süße Sehnsucht dafür zu entwickeln,

was vielleicht doch ein wenig wahr sein könnte.

 

 

Dann würden wir vielleicht ent-decken,

dass es die Hölle nur selbstgeschaffen gibt.

Und dass das Paradies keine nachzeitliche Dimension hat

sondern eine gegenwärtige.

 

Es bräuchte nur ein ganz klein wenig Bereitschaft.

Dann ist das Paradies jetzt da.

Da, wo wir jetzt gerade sind,

bei dem, was wir jetzt gerade tun oder lassen.

 

Dann gibt es kein Bedauern mehr

über das nicht mehr Urteilen müssen

sondern einen tiefen Seufzer der Dankbarkeit.

Der würde uns reif und stark machen.

 

Weil die Ewigkeit in unserer Jetzt-Zeit angekommen ist.

Weil aus dem Augenblick für die Ewigkeit

ein ewigkeitlicher Augenblick geworden ist.

 

Sie ruft gerade, dass der Toast kalt wird.

 

Warmer Toast ist ewigkeitlich-himmlisch.   

Freie Wahl

Freie Wahl

Wusstest Du schon, dass Du die freie Wahl hast,

Entscheidungen zu treffen ?

 

Und wenn das tatsächlich stimmt,

dann darfst Du auch davon ausgehen,

dass Du Dein Leben selbst verantwortest.

Dein Fühlen und Denken,

alles, was Du erlebst und erfährst.

 

Das ist gleichzeitig anstrengende Verantwortung

und entlastende Freiheit.

 

Und Du musst niemandem mehr Vorwürfe machen,

weder Deinem Partner, noch Deiner Kollegin,

noch Deiner Höheren Macht.

 

Wenn Du Dich recht erinnerst

an die Zeit vor Deiner Geburt:

Gott (Deine Höhere Macht, die Liebe, das Leben, o.ä.)

hat Dich makellos erschaffen,

schuldlos, heilig und wundervoll.

 

Und Dich hier auf die Welt kommen lassen.

Zugegeben, das ist ungerecht,

es hätte auch Äthiopien, Syrien oder Amerika sein können.

Aber so ist es jetzt.

Bleibt eigentlich nur Dankbarkeit:

In dieser Gegend, zu dieser Zeit, schuldlos und heilig.

 

Leider begann dann nach Deiner Geburt das Drama:

Schläge, Zurückweisungen, Verurteilungen.

Viele tausende Male

hast Du Dich nicht verstanden und nicht geliebt gefühlt.

Und all das auf Deiner Festplatte gespeichert.

 

All diese kleinen und großen seelischen Schmerzen

haben Dich vorsichtig werden lassen

und beeinflussen alle Deine Entscheidungen.

 

Und hier die gute Nachricht:

Du kannst das hier und jetzt sofort beenden !!!

Du kannst so sagen, denken, fühlen und sein:

Ab jetzt bestimmen nicht mehr die schlechten Erfahrungen

meine Entscheidungen, sie sind nicht die Wahrheit.

Ab jetzt lasse ich meine Entscheidungen

von der Wahrheit bestimmen:

Ich bin makellos, unschuldig und heilig.

Fehler machen Dich nicht schuldig,

die kannst Du korrigieren oder sagen,

dass Du es in dem Moment nicht besser konntest.

 

Kann doch sein,

dass wir unsere eingebildeten Selbstbeschuldigungen

nur dafür brauchen,

um Gott Vorwürfe machen zu können

oder seine Existenz in Frage zu stellen.

 

Wenn wir unsere Selbstverurteilungen endlich weglassen,

haben wir uns aus der selbstgeschaffenen Hölle befreit.

In freier Wahl.

 

Das Leben hat uns makellos gewollt, geschaffen und erhalten.

Das glauben, ist Erlösung.

 

Das Leben hat ein uraltes, neues Programm

auf Deiner Festplatte installiert.

 

Du hast die freie Wahl, darauf zuzugreifen.

 

Bleibt nur Dankbarkeit.