Kindsein

Kindsein

 

Worin eigentlich unterscheiden wir Erwachsenen uns von Kindern?

Verstand? Vernunft? Verhalten?

Verantwortung? Verlässlichkeit? Vaterlandsliebe?

 

Wir Erwachsenen denken manchmal, wir müssten unserem Leben

mit Verstand, Vernunft und Verhalten Bedeutung verleihen.

Dann jagen wir unserer Bedeutsamkeit hinterher,

indem wir Macht, Besitz, Intelligenz und Tugend anhäufen,

um unsere Bedeutsamkeit uns selbst und anderen zu beweisen.

 

Bis wir einem Kind begegnen.

 

Und feststellen, dass dieses Kind ganz ohne

Verstand, Vernunft, Verhalten, Verantwortung, Verlässlichkeit

und Vaterlandsliebe zählt und von Bedeutung ist.

Natürlicherweise von Bedeutung ist.

Allein mit seinem Da-Sein sagt und fragt:

Da bin ich. Bist Du auch da?

Das Kind stellt diese Frage. Und IST diese Frage:

Bist Du jetzt auch ganz da?

 

Und da dieses Frage-Sein des Kindes

nichts zu tun hat mit Verstand, Vernunft und Verhalten,

bleibt (nur) noch ER-LEBEN.

Wortlos – ohne Vernunft und Verstand – spricht das Kind:

Ich sage nichts und tue nichts.

Und ganz ohne Bedeutsamkeit erlangen zu wollen,

bin ich einfach ganz da.

Und schenke mich Deinem Er-leben.

 

Und da geschieht,

dass unser erwachsenes Herz

sich zu seiner innigsten Mitte hin öffnet und spricht:

Ich danke Dir für das Privileg und Dein Geschenk

Dich erleben zu dürfen.

Und ich schenke Dir mich. Ganz mich.

Für Dein Er-leben.

Und damit ist alles gesagt und getan.

 

In dieser Begegnung ohne Verstand und Vernunft,

in der das Streben nach Bedeutsamkeit bedeutungslos ist,

geschieht das Wunder einer wahren Begegnung:

Ich bin da und Du bist da.

Dein Leben zählt und mein Leben zählt.

In solch einer Begegnung,

in der nichts zu sagen und zu tun ist,

ist alles gesagt und getan.

 

Du-bist-da und Ich-bin-da

ist nicht der Zustand, der sich himmlisch anfühlt

(in einer wahren Begegnung geht es nicht um gute Gefühle),

es ist der Himmel selbst.

 

Wenn Jesus in Markus 10 sagt

„Lasst die Kinder zu mir und hindert sie nicht,

denn ihnen gehört der Himmel“,

ist damit kein Versprechen für die Zukunft gemeint.

Es ist Feststellung und Appell:

Seid Himmel, indem Ihr Anteil nehmt am Kindsein,

dem von Kindern und Eurem eigenen.

Und wenn Ihr das Kind Kind sein lasst,

werdet Ihr mit dem Kind Kind sein dürfen

und die Welt mit Kinderaugen sehen.

Und Himmel sein.

 

Und der gegenseitig geschenkte Segen des Da-Seins

in dem Mütter Kinder entbinden,

ist der gleichzeitige Beitrag von Müttern

an alle Menschen dieser Welt,

die in der Wahrnehmung ihrer natürlichen Bedeutung

ihr Kindsein von sich entbinden.

 

Jedes Kind, dem ich begegne erinnert mich daran,

dass mein Kindsein und sein Kindsein

den Frieden in die Welt bringt,

der höher und tiefer ist als alle Vernunft.   

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: