Darf`s ein bisschen mehr sein ?

Darf`s ein bisschen mehr sein ?

fragt die Marktfrau am Obststand

und berührt zielsicher meine und ihre tiefsten Sehnsüchte.

Vordergründig habe ich dann etwas mehr als zwei Pfund Äpfel

und sie hat dann etwas mehr als zwei Euro siebzig.

(Ganz nebenbei: sie hat mit ihrer Frage nicht die Qualität gemeint).

 

Tiefergründig hat sie mein Herz zum schnelleren Klopfen

und all das zum Klingen gebracht, von dem ich gern mehr hätte:

ein bisschen mehr Geld,

ein bisschen mehr Zeit,

ein bisschen mehr Urlaub,

ein bisschen mehr Anerkennung,

ein bisschen mehr Gelassenheit,

ein bisschen mehr Frieden,

ein bisschen mehr Freude,

ein bisschen mehr Liebe,

usw, usw.

Und immer bleibt dieses schale Gefühl der Frustration

von allem Schönen zu wenig zu haben.

 

Wie kommt das nur,

dass mir Quantität so oft wichtiger ist, als Qualität?

Vielleicht, weil ich nicht glauben möchte,

das etwas weniger manchmal tatsächlich etwas mehr ist.

 

Wenn ich aber – nur für diesen Augenblick –

ein bisschen mehr innehalte

und ein bisschen mehr gewahr werde

(beim lesen und beim schreiben)

stelle ich fest:

Ich habe gerade alles, was ich brauche.

Und in dieses GeWahrwerden hinein

wächst ein Mitgefühl.

Ein Mitgefühl für mich, andere, Dinge und Situationen.

 

Und ich muss nichts tun,

um ein bisschen mehr Mitgefühl zu haben.

Die Welle muss auch nicht versuchen durch mehr Achtsamkeit

zu Wasser zu werden. Sie ist es.

 

Die Mutter, die ihr Kind weinen hört,

muss sich auch nicht den Kopf zerbrechen, was zu tun ist.

Sie nimmt das Kind in den Arm,

schenkt ihm ihre Zärtlichkeit und Fürsorge

und lässt ihre Liebe

in den Körper des Kindes hineinströmen.

 

Das will ich von einer Mutter lernen:

Liebevolles Zuhören.

Liebevolles Verstehen.

Liebevolles Tun.

 

Dann dehnt sich auch mein Herz aus,

wird immer weicher und immer größer.

Und schließt auch die Obstfrau, den Marktstand

und den Apfel mit ein.

 

Da spüre ich die samtene Haut des Apfels,

sehe den Samen, der seinen Baum wachsen ließ,

fühle auf der Zunge die Rinde seines Baumes,

verbinde mich mit dem Bauern, der ihn gepflückt hat,

höre zart und sanft die Vitamine knistern,

erlebe, wie der köstliche Saft meinen Lebensdurst löscht,

erfahre die Heilung meiner Sehnsüchte

und bin als Geschöpf mit der Schöpfung verbunden.

 

Und da geschieht das Wunder:

Das Glück des Mitgefühls

für mich, die anderen, die Dinge und die Situationen,

erfüllt mich mit Dankbarkeit

für das, was ich habe und bin.

Und es ist von allem genug:

Geld, Zeit, Urlaub, Freude, Frieden, Liebe.

Und ich bin jetzt ganz für Dich da.

 

Darf`s ein bisschen mehr sein ?

Ja, gern.

Muss aber nicht.  

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