Zärtlichkeit

Zärtlichkeit

Manchmal frage ich mich, welche Werte mir eigentlich wichtig sind.

Freiheit, Glück, Güte, Fürsorge Freude?

Dann habe ich manchmal das Gefühl, diese Werte seien austauschbar,

bedingen einander, schwingen miteinander.

Freiheit macht glücklich.

Glück macht gütig.

Güte macht fürsorglich.

Fürsorglich macht froh.

 

Oder umgekehrt?

Willkürlich austauschbar?

 

Was aber ist mir wirklich, wirklich wichtig?

Und da merke ich:

Keines dieser schönen Gefühle berührt mich wirklich

in ganzer existentieller Tiefe.

Wie kommt das?

 

Ich erkenne:

Diese Werte, die mir so schöne Gefühle machen,

sind ja nur ein Teil der Wahrheit meines Lebens.

 

In mir gibt es außerdem:

Angst, Schuld, Scham, Wut, Urteil, Trennung, Konsum, Sucht, Kummer.

 

Alle diese Werte, die ich in mir trage, sind mir derart wichtig,

dass ich viel Kraft und Energie aufwende,

um sie loszuwerden, zu leugnen, zu verdrängen

oder auszuagieren.

 

Das Ausagieren erscheint oft am naheliegendsten:

Immer wenn ich mich zurückgewiesen fühle,

unverstanden fühle, ungerecht behandelt fühle, angegriffen fühle,

entsteht in mir – fast automatisch – eine Reaktion:

zurück schießen, recht haben, verurteilen, rächen.

 

Irgendwie kollidiert das mit all den schönen Werten in mir.

 

Ich bin glücklich und traurig,

mitfühlend und gefühllos,

gütig und wütend,

herrlich und erbärmlich.

 

Und es scheint nur diesen einen Weg zu geben:

Ich nehme mich mit allem was in mir ist an,

so, wie ich bin.

 

Ganz praktisch könnte das so aussehen:

Immer dann, wenn ich mich zurückgewiesen oder angegriffen fühle,

halte ich kurz inne, fühle das Gefühl und atme tief ein.

 

Ich fühle das Gefühl, nehme es wahr, gebe den Widerstand auf,

lasse es da sein und heiße es willkommen,

ohne es auszuagieren.

 

Willkommen heißen?

Soll ich mir die unschönen Gefühle etwa wünschen?

Nein, das brauche ich nicht.

Sie kommen ganz von alleine.

Aber ich bekämpfe sie nicht mehr.

Ich halte inne.

Beginne damit, mich mit ihnen zu versöhnen.

 

Und da geschieht das Wunder:

Beim Innehalten und Anschauen

werden die unschönen Gefühle kleiner.

Verwandeln sich.

Und werden zum Segen.

 

Wenn ich auf dem Weg bin,

mich mit allem was in mir ist zu versöhnen,

bin ich auf dem Weg,

mein bester Freund zu werden.

Das ist die Voraussetzung dafür, anderen ein Freund zu werden.

 

Ein klein wenig Achtsamkeit – hin und wieder – genügt bereits.

Mal bin ich herrlich und mal erbärmlich.

So bin ich halt.

Immer herrlich ist vollkommen daneben.

Und ein bisschen erleuchtet genügt vollkommen.

 

Mir ist grad ein bisschen wärmer um mein offenes Herz,

mit allen Werten und Gefühlen,

mit meinem Kummer und meiner Freude,

mit meiner Angst und meinem Vertrauen,

meiner Lieblosigkeit und meiner Güte.

 

Wohl dem, der jetzt in meine Nähe kommt

Und auch so sein darf, wie er/sie ist.

 

Meine kleinen Neurosen

sind jetzt lauter kleine, neue Rosen.

Die verschenk ich jetzt

zusammen mit meinem Kummer und meiner Freude

und meiner Zärtlichkeit

an mich und an Dich.

  

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: