Das Unbekannte

Das Unbekannte

 

Weltbewegende Nachrichten:

Der neue Papst ist gewählt.

Die Bayern werden Deutscher Meister.

Der Terrorist hat eine Bombe gezündet.

Ich trinke Kaffee und schreibe.

 

Was haben Franziskus, die Bayern,

der Terrorist und ich gemeinsam?

Wir wissen, wie das Leben gelingt,

nämlich so:

Wir wollen gewinnen.

Wir stehen für unsere Überzeugungen.

Wir wissen, was sich bewährt hat.

Wir wollen Macht und Kontrolle.

Wir wollen, dass es so ist, wie wir es wollen.

 

Nur dann fühlen wir uns gut.

Die einfachste und sicherste und billigste Art

uns sicher und gut zu fühlen ist die,

es besser zu wissen und besser zu machen.

Deswegen müssen wir uns manchmal über andere stellen.

Wir brauchen Urteile, weil wir damit Ur-Wahrheiten teilen wollen.

 

So weit so gut.

Vielleicht dachtest Du bis hier hin, dass es genau so gut ist,

es geht nicht ohne Gewinnen, Durchsetzen und Kontrolle.

Vielleicht dachtest Du aber auch,

das sei polemisch, ironisch oder zynisch.

 

Nein, beides nicht, allerdings dies:

Wir sind eben so, weil wir Menschen sind.

Wir WOLLEN

Gewinnen, Rechthaben, Durchsetzen und Kontrolle.

Und wenn Du das eingestehst

(was nicht so leicht ist),

dann bist Du heiliger und erleuchteter,

als alle Heiligen und Erleuchteten zusammen.

 

Denn (nur) dann betrittst Du

den Raum der Möglichkeiten,

in dem das Unbekannte möglich sein darf.

Das Unbekannte, das ganz neue Türen öffnet.

Der Raum der Möglichkeiten,

in dem Dir das Neue, das Fremde, das Unbekannte,

das ganz andere – keine Angst mehr macht.

 

Dann bekommst Du im Denken und Fühlen die Weite die einsieht,

dass wir alle immer das „Richtige“ und das „Falsche“

gleichzeitig tun oder lassen.

 

Ist damit Willkür erlaubt?

Im Gegenteil.

Wenn Du Dich so sehr dem Unbekannten öffnest,

dass Gewinnen, Rechthaben und Kontrolle

zwar noch immer wirklich,

aber nicht mehr immer nötig sind,

wirst Du Dich an die Liebe verschenken.

Und wenn Du Dich für zwei Minuten am Tag

ganz in Liebe verschenkst,

bist Du vollkommen erleuchtet.

Du weißt es ja:

Ein bisschen erleuchtet genügt vollkommen.

 

Gott lebt auch im Unbekannten.

Und wenn wir das Unbekannte mit ihm lieben,

werden wir es sanft und zart umarmen

wie ein neugeborenes Kind.

 

Dann wissen wir, was Leben ist.

Und wie es gelingt:

Es ist nicht der Schnee,

der die ersten Frühlingsknospen erfrieren lässt.

Leben ist der Schnee,

der die ersten Frühlingsknospen umhüllt, wärmt und beschützt.

Schau einfühlend und achtsam hin:

So ist der Raum des unbekannten Möglichen,

in dem Du Deinen Heimweg fühlen kannst:

Wärmender Schnee.

 

Bis Du ganz zuhause bist.

Dann sagst Du:

Schau nur – Schnee.

 

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