Archive | Juni 2013

Zuckerhut

Zuckerhut

Ein neuer Superstar am brasilianischen Fußballhimmel:

Neymar – der mit dem Ball tanzt.

Vom Straßenfußballer aus den Slums – zum Weltstar.

Jahresgehalt: ca. 10,2 Millionen Euro.

 

Das wird ein Fest am Zuckerhut: WM 2014.

Mit Blick zum Zuckerhut.

 

WM 2014 – das heißt: 10 Milliarden Euro Ausgaben.

200 Tausend Menschen demonstrieren.

Die Fußballer solidarisieren sich

mit den Demonstranten.

Die Verantwortlichen sind höflich zurückhaltend.

Sind aber für Meinungsfreiheit der Demonstranten.

 

2 Millionen Menschen von 6 Millionen Einwohnern in Rio

leben in Slums.

 

In Deutschland leben 50% aller Kinder

in finanziell unsicheren Verhältnissen.

Ca. 2 Millionen Kinder sind von Armut betroffen.

 

Ca. 30 Milliarden Euro braucht Deutschland jedes Jahr

für Militär und Verteidigung.

 

Und ich?

Ich bin auf dem spirituellen Weg.

Hab gerade die Heizung ein wenig hoch gedreht.

Sonst wird es beim Meditieren zu kalt.

Gleich gehe ich Brötchen holen.

Dann überlege ich,

ob ich mir neue Sommerreifen leisten kann

(irgendwie langt das Geld meistens nicht).

CDU und SPD wollen für PKW

die Schadstoffgrenze senken.

Was wird dann werden mit meinem Auto???

Mal überlegen, wen ich am 22. September

bei der Bundestagswahl wählen werde…

 

Morgen schau ich mir das Spiel

Brasilien gegen Spanien an.

Der mit dem Ball tanzt.

Eine Augenweide.

Am Zuckerhut.

Der hat sich auch solidarisiert

mit den Demonstranten

 

 

Nachher will ich einen kleinen Ausflug machen,

mit dem Auto,

irgendwo schön Kuchen essen.

 

Auch ich habe ein Recht

auf meinen Zuckerhut.  

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Paradies

Paradies

 

Kaum deutet sich der Sommer an,

träumt der Mensch vom Urlaub.

Von seinem ganz eigenen, kleinen Paradies:

mein Strandkorb, meine Liege, meine Parzelle, meine Kolonie,

meine Bungalowanlage, mein Städtchen, meine Insel,

mein kleines Urlaubsparadies.

 

Warum aber eigentlich, fragt sich der Erschöpfte,

der sich so sehr nach dem Aussteigen sehnt,

beginnt dieses sehnsuchtsvolle, Freiheit versprechende

 Wort Para-dies

mit den gleichen vier Buchstaben wie

Para-dox

Para-sit

Para-noia

???

 

Das Paradies ist beschrieben als der umzäunte Garten,

in dem der Baum der Erkenntnis steht.

Erkenntnis, die zur Vertreibung führt…

 

Ein wenig erscheint es so,

als gliche der auf den Jahresurlaub fixierte

seinen beiden Brüdern,

dem Lottospieler (Chance = 1 zu 140 Mill.)

und dem, der die Rente ersehnt

(Herztod am 3. Tag nach Renteneintritt):

auch der Urlaub fällt manchmal ins Wasser.

Para – dies.

 

Vielleicht hängt es damit zusammen,

dass der Mensch unter Paradies den Ort versteht,

an dem er aller Pflichten ledig ist.

Er verwechselt dann Freizeit mit Freiheit.

Obwohl doch jeder, der schon einmal im Urlaub war weiß,

wie mühselig verpflichtend

die Gestaltung der Freizeit sein kann.

 

So mancher Sklave, Workaholic, Rentner,

Arbeitslose oder vom Gericht Verurteilte

wäre froh gewesen,

man hätte ihm NICHT die Freizeit geschenkt,

sondern die FREIHEIT.

 

FREIZEIT ist die Zeit der Sammlung und Regeneration,

derer der Mensch täglich mehrfach bedarf.

 

 

FREIHEIT aber

ist die Zeit der Konzentration auf das Wesentliche.

Wenn der Mensch nicht nur tut, was er will,

sondern auch will, was er tut.

 

Freiheit ist die wundervolle Tätigkeit,

eine Möglichkeit zu realisieren,

eine Lebensaufgabe zu erfüllen,

eine einzigartige Bestimmung zu leben.

 

Der freie Mensch

sucht nicht Freiheit wovon,

sondern Freiheit wozu.

 

Der wirklich freie Mensch sucht

(auch im Urlaub) das,

was er zu tun hat,

weil er das von Herzen will,

was er zu tun hat.

 

Solch ein Mensch

kehrt erholt, bereichert und erfüllt vom Urlaub zurück.

Oder fährt gar nicht erst fort,

weil ihn das, was er zuhause oder irgendwo tut,

erholt, bereichert und erfüllt.

 

Der achtsame, einfühlsame Urlauber

wird in seinem Urlaubsparadies

einen Kellner finden,

der sich im Paradies befindet,

weil seine Lebensaufgabe und Erfüllung

darin bestehen, den Urlauber zu bedienen.

 

Dieses Vorbild

wird den Urlauber anstecken

und ihn ins Paradies versetzen.

Und niemand wird ihn daraus vertreiben.

 

Opferstories

Opferstories

 

Dummerweise lief das Radio.

Ich wollte doch nur den Wetterbericht hören.

Stattdessen Nachrichten,

überall Not und Elend.

Unzählige Opfer:

Türkische Polizei stürmt den Gezi-Park – hunderte Verletzte.

Weiterhin Krieg in Syrien.

Nordkorea besteht auf atomarer Rüstung.

Die Toten Hosen spielen beim Hessentag.

Jupp Heynckes hört auf.

Ein Tief über dem Atlantik.

 

Ich denke nach über all das Leid

und die vielen Opfer.

Verletzte Demonstranten

und gekränkte Fußballfans.

Wie soll das weitergehen – ohne Jupp ?

 

Und wer sieht mein Leid ???

Keiner holt Brötchen.

Der Kontostand ist bedrohlich.

Ich muss noch Rasen mähen.

Lauter Pflichten und Termine.

Kummer und Sorgen.

 

I C H  bin das Ofer !!!

 

Da – auf einmal –

irgendetwas löst meine Verkrümmung.

Mein stierer Blick auf den leeren Tisch vor mir

öffnet sich:

Meine Komplizin bringt duftenden Kaffee.

Vor mir das Foto meines Enkels mit seinen Eltern.

Meine Hummel summt vor dem Fenster.

Der alte Schoko-Nikolaus im Regal

schielt um die Ecke und lächelt mich an.

 

Ich muss innerlich lächeln.

Dann kommen 17 Muskeln in Bewegung

und zaubern ein Lächeln auf mein Gesicht.

Da muss ich lachen

(das sind dann bereits 80 Muskeln).

Jeder dieser Muskeln sendet ein Signal

an meine Seele:

 

Ich bin kein Opfer.

Und niemand interessiert sich wirklich

für meine Opferstories.

Ich kann denken und fühlen.

Hab manchmal ein klein wenig Kummer und Sorgen

(wenig im Vergleich zu vielen anderen).

Und ich kann lachen und lächeln.

 

Und andere anstecken mit Lachen und Lächeln.

(die mögen das lieber als meine Opferstories).

 

Wenn ich nachdenke über das Leid in der Welt,

entsteht Mitgefühl.

Daraus wächst manchmal Empörung.

Und erste Ideen, etwas dagegen zu tun.

 

Wenn ich mich auf eigenen Kummer besinne,

genieße ich für eine Weile mein Selbstmitleid.

Dann schließe ich die Opferstoriekiste

und entwickle erste Entknotungen und Lösungen.

 

Und immer wieder,

wenn ich in Selbstfürsorge und Fürsorge

17 – 80 Muskeln in Gang bringe,

spüre ich die Lebenslust

meiner Komplizin, meines Enkels,

meiner Hummel und meines Schoko-Nikolauses.

Und meine,

die ich sowieso immer bei mir habe.

 

Dann lache ich mein Lächeln in die Welt.

Zusammen mit all dem, was das Leben

lebenswert macht:

Die Schönheit, die Wahrheit, das Gute,

das Miteinander, die Güte, die Liebe.

 

Niemand interessiert sich für meine Opferstories.

Ich will, dass das Leben für mich und andere

ein wenig schöner und leichter wird.

 

Und so lache ich mein Lächeln in die Welt.  

Glücksterror

Glücksterror

Schon wieder so ein Regentag…

Der arme Spargel.

Die armen Menschen in den Hochwassergebieten.

Meine arme feuchte Seele.

 

Dabei weiß ich genau, was mich glücklich machen würde:

Leichtigkeit, Bequemlichkeit, Lieblichkeit

in strahlendem Sonnenschein

für immer.

 

Und dann?

Bin ich irgendwann verbrannt.

 

Jemand, der mit Gewalt Veränderungsprozesse bewirken

und vermeintliches Glück erzwingen und festhalten will,

verbreitet Angst und Schrecken (Terror)

für sich und andere.

 

Wer verzweifelt das Schmelzen des Schneeballs

in seinen Händen verhindern will,

muss sich in die Kühltruhe setzen.

Und wird dort sein Leben lassen.

 

Hitze und Kälte

in Ausschließlichkeit und Dauerhaftigkeit

gibt es nur zusammen mit Sterben und Tod.

 

Glück

in Ausschließlichkeit und Dauerhaftigkeit zu suchen

ist der sicherste Weg zum Unglück.

 

Oh ja,

wir dürfen sie genießen,

die wunderschönen Sonnentage.

Und klug ist der,

der auch während schöner Zeiten immer wieder inne hält

um die Regentage nicht nur zu integrieren

in sein ganzheitliches Leben,

sondern sogar herbei zu sehnen

um sich immer wieder zu besinnen auf das,

was seinem Leben Sinn gibt,

die Zusammenhänge,

die anvertrauten Menschen,

die zu erfüllenden Aufgaben.

 

Solch ein Mensch

liebt sich selbst wie er Pflanzen liebt,

die Sonne und Regen brauchen.

Er wird Sonne und Regen sein für den,

der ihm anvertraut ist.

 

Ich will heute damit aufhören,

Dich und mich

mit meiner Sehnsucht nach Glück zu terrorisieren.

Ich sehe und höre Dich,

spüre, dass Du da bist.

Und bin für Dich da.

Ich erzähle Dir von meiner Sonne und meinem Regen.

Und höre Dir zu.

 

Und wenn der Schmerz da ist

von meinem Kummer und meiner Sorge,

dann wende ich mich Dir zu,

Deinem Kummer und Deiner Sorge.

Und heile an Deinem Heilwerden.

 

Und sollte heute tatsächlich noch der Himmel aufreißen

und die Sonne durchbrechen,

nehme ich mir vor, nichts festhalten zu wollen

außer dem:

Ein klein wenig Achtsamkeit

für diesen einen unglaublich wunderschönen Augenblick:

dieser betörende, himmlische Duft,

wenn die warme Sonne sanft den feuchten Boden streichelt.   

Friede und Freude

Friede und Freude

 

Gern reiche ich fürsorglich den Brötchenkorb beim Frühstück

aber nicht ohne vorab das schönste auf meinen Teller zu legen.

Gern erzähle ich etwas von mir beim Frühstück,

aber nicht ohne vorab darauf zu achten, dass die anderen

sich auch geöffnet haben oder aufrichtig sein werden.

Gern strahle ich Friede und Freude aus,

aber nicht ohne mich vorab zu vergewissern,

dass die Mitesser genug davon mitgebracht haben.

 

Ja, ja, ich weiß schon: Geben ist seliger als nehmen,

hab ich doch bereits erlebt.

Aber auch ich lebe in einer Welt,

in der der Empfänger reicher wird

durch den Verlust des Gebers.

Ich scheine beim Geben und Nehmen darauf programmiert,

immer einen Deal machen zu wollen,

ich rechne in Gewinn und Verlust.

Dadurch bekomme ich beim Nehmen Nichts

und gebe beim Geben Nichts.

 

Wie aber geht wahrhaft Empfangen

und wahrhaft schenken?

 

Ich denke an die Menschen, denen ich meine Gaben,

meine aufrichtige Offenheit, meinen Frieden und meine Freude

vorenthalten habe.

 

Und da geschieht das Wunder:

In demselben Augenblick

verschenke ich Friede und Freude,

verschenke ich MICH.

 

Wahres Schenken ist Schöpfung,

es dehnt sich aus, wird immer mehr.

 

Friede und Freude sind Himmelsgaben,

die sich dadurch vermehren,

dass ich sie empfange,

indem ich ihrer gewahr werde

und mich verschenke

(ohne mich dabei zu verlieren).

 

Dadurch, dass ich Friede und Freude verschenke,

empfange ich sie.

So kann endlich zu mir kommen,

was sowieso meins ist.

 

Wenn ich beim Frühstück zulasse,

dass mein Geplapper

mit meiner Gier, meinem Besserwissen und meinen Ängsten,

einmal zur Ruhe kommen darf,

spüre ich genau, wer was braucht.

Dann wird mein Anreichen ein Anreichern,

Reichtum für mich und den anderen.

 

Wenn ich denke, fühle, sage und tue:

Friede und Freude gebe ich Dir,

dann sind beide ganz da,

für mich und den anderen.

 

Was will ich denn mehr?