Paradies

Paradies

 

Kaum deutet sich der Sommer an,

träumt der Mensch vom Urlaub.

Von seinem ganz eigenen, kleinen Paradies:

mein Strandkorb, meine Liege, meine Parzelle, meine Kolonie,

meine Bungalowanlage, mein Städtchen, meine Insel,

mein kleines Urlaubsparadies.

 

Warum aber eigentlich, fragt sich der Erschöpfte,

der sich so sehr nach dem Aussteigen sehnt,

beginnt dieses sehnsuchtsvolle, Freiheit versprechende

 Wort Para-dies

mit den gleichen vier Buchstaben wie

Para-dox

Para-sit

Para-noia

???

 

Das Paradies ist beschrieben als der umzäunte Garten,

in dem der Baum der Erkenntnis steht.

Erkenntnis, die zur Vertreibung führt…

 

Ein wenig erscheint es so,

als gliche der auf den Jahresurlaub fixierte

seinen beiden Brüdern,

dem Lottospieler (Chance = 1 zu 140 Mill.)

und dem, der die Rente ersehnt

(Herztod am 3. Tag nach Renteneintritt):

auch der Urlaub fällt manchmal ins Wasser.

Para – dies.

 

Vielleicht hängt es damit zusammen,

dass der Mensch unter Paradies den Ort versteht,

an dem er aller Pflichten ledig ist.

Er verwechselt dann Freizeit mit Freiheit.

Obwohl doch jeder, der schon einmal im Urlaub war weiß,

wie mühselig verpflichtend

die Gestaltung der Freizeit sein kann.

 

So mancher Sklave, Workaholic, Rentner,

Arbeitslose oder vom Gericht Verurteilte

wäre froh gewesen,

man hätte ihm NICHT die Freizeit geschenkt,

sondern die FREIHEIT.

 

FREIZEIT ist die Zeit der Sammlung und Regeneration,

derer der Mensch täglich mehrfach bedarf.

 

 

FREIHEIT aber

ist die Zeit der Konzentration auf das Wesentliche.

Wenn der Mensch nicht nur tut, was er will,

sondern auch will, was er tut.

 

Freiheit ist die wundervolle Tätigkeit,

eine Möglichkeit zu realisieren,

eine Lebensaufgabe zu erfüllen,

eine einzigartige Bestimmung zu leben.

 

Der freie Mensch

sucht nicht Freiheit wovon,

sondern Freiheit wozu.

 

Der wirklich freie Mensch sucht

(auch im Urlaub) das,

was er zu tun hat,

weil er das von Herzen will,

was er zu tun hat.

 

Solch ein Mensch

kehrt erholt, bereichert und erfüllt vom Urlaub zurück.

Oder fährt gar nicht erst fort,

weil ihn das, was er zuhause oder irgendwo tut,

erholt, bereichert und erfüllt.

 

Der achtsame, einfühlsame Urlauber

wird in seinem Urlaubsparadies

einen Kellner finden,

der sich im Paradies befindet,

weil seine Lebensaufgabe und Erfüllung

darin bestehen, den Urlauber zu bedienen.

 

Dieses Vorbild

wird den Urlauber anstecken

und ihn ins Paradies versetzen.

Und niemand wird ihn daraus vertreiben.

 

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