Über-Zeugung

Überzeugung

 

Von vielen Dingen bin ich überzeugt,

(da bin ich ganz sicher):

Bayern hat den Supercup gegen Chelsea gewonnen.

In letzter Sekunde.

Sie hatten mal wieder Glück.

 

Es ist der 1. September.

Herbstanfang auf der nördlichen Halbkugel.

Frühlingsanfang auf der südlichen Halbkugel.

 

Es wird ein schöner Sonntag,

davon bin ich überzeugt.

 

Noch 121 Tage bis zum Jahresende.

Was wird noch alles geschehen?

Geburten, Beerdigungen, Hochzeiten.

Weihnachten wird wieder stattfinden,

davon bin ich überzeugt.

 

1. September.

Weltfriedenstag, seit 1966.

1. September 1939, Beginn des 2. Weltkrieges

durch Angriff der Wehrmacht auf Polen.

70 Millionen Tote weltweit.

 

1. September 2013

Zur Zeit 388 Kriege weltweit,

davon 38 hoch gewaltsame.

 

Amerika wird Syrien angreifen.

Die Nachrichten sagen mir, wovon ich überzeugt sein soll.

Immer schon.

Meistens glaube ich es.

 

Krieg ist eine Tragödie der menschlichen Natur.

Kriege sind unvermeidlich. Davon bin ich überzeugt.

 

Da werden Überzeugungen für Wahrheiten gehalten.

Es hat immer mit Rechthaben zu tun.

 

Krieg ist das gigantische Ins-Unrecht-Setzen eines anderen.

 

Beide Parteien sagen, dass sie helfen wollen,

verteidigen, beschützen,

Freiheit und Gerechtigkeit herstellen.

Davon bin ich nicht wirklich überzeugt.

 

Das sind doch auch Menschen, die Beschützer.

Menschen mit Überzeugungen. Und eigenen Interessen.

 

Bei Krieg geht es immer irgendwie um Mangel.

Es geht um die Verteilung von

Nahrung, Geld, Öl und anderen Rohstoffen.

Das Leben würde nicht funktionieren,

wenn alle gleich viel hätten.

Das ist ein naiver Traum,

davon bin ich überzeugt.

Kriege sind unvermeidlich.

Einer will immer gewinnen

und das geht nur, wenn der andere verliert.

 

Solange ich glaube, dass die da drüben wieder Krieg machen

und davon überzeugt bin, nichts damit zu tun zu haben,

habe ich sehr viel damit zu tun.

 

Und solange ich glaube, dass einer der beiden Kriegsgegner

im Recht ist Krieg zu machen,

bin ich einer der beiden Kriegsgegner

und mache mit meiner Überzeugung Krieg.

 

Wie aber komme ich raus aus dem Dilemma???

Ich könnte Verantwortung übernehmen,

für mein Leben und die Welt:

Ich könnte erkennen,

dass ich über-zeugt bin.

Zu viele Überzeugungen

sind in meinen Verstand hinein gezeugt worden.

Jetzt bin ich über-zeugt.

Jetzt findet Krieg in meinem Kopf statt.

 

Die meisten meiner Überzeugungen benutze ich

um zu gewinnen.

So, dass andere verlieren.

Ich will Recht haben mit meinen Überzeugungen

und andere ins Unrecht setzen.

Ich benutze meine Überzeugungen, um anzugreifen.

So, wie alle dort drüben.

So, wie alle in meiner Umgebung.

So, wie alle.

 

Nein, Krieg ist nicht unvermeidlich.

Ich kann Verantwortung übernehmen.

Aus meinem Verstand muss heute kein Angriff kommen.

Ich muss heute nicht unbedingt Recht haben müssen.

 

Ein wenig ängstlich, aber sanft und zugeneigt,

 beginne ich zu lieben,

dass DU Recht haben könntest.  

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