Wahres Selbst

Wahres Selbst

 

Menschen, die mit Kindern arbeiten und leben,

kennen zwei Wörter aus Kindermündern besonders gut:

„Haben will“ und „Alleine“.

 

Einfühlsame Eltern und ErzieherInnen

schaffen Kindern diesen Raum,

in dem diese ihre Bedürfnisse befriedigen können,

um ihr Ich zu finden und ihren Selbstwert zu entdecken.

 

Warum aber sind einfühlsame Begleiter so gerne bereit,

das Habenwollen und das Alleineschaffen

so liebevoll und so geduldig zu ermöglichen?

 

Zwei gute Gründe:

 

1. Es gibt eine pädagogische und entwicklungspsychologische

Notwendigkeit zur verantwortungsvollen Begleitung

bei diesem wichtigen Entwicklungsschritt.

 

2. Eltern und ErzieherInnen wollen Kindern ermöglichen,

wonach sie selbst sich sehnen:

Besitz und Autonomie.

 

Der zweite Grund verführt ein wenig dazu,

sich mit Kindern auf eine Stufe zu stellen.

Die strahlenden Kinderaugen,

wenn ein Kind etwas bekommen hat nach dem es sich sehnte

und es ganz alleine geschafft hat suggerieren,

dass Glück und Zufriedenheit

durch Besitz und Autonomie erreicht werden können.

 

Beides gilt allerdings in erster Linie für das kindliche Selbst.

 

Erwachsene Menschen spüren in der Mitte ihres Herzens

und wissen aus unzähligen Erfahrungen und Erlebnissen:

Um in einen Zustand

tief erfüllender Zufriedenheit zu kommen

und ihr wahres Selbst zum Ausdruck zu bringen,

müssen sie ihr kindliches Selbst aufgeben,

das an Besitz und Autonomie gekoppelt ist.

 

Verbundenheit mit unserem wahren Selbst,

das jedem Menschen inne wohnt,

bedeutet das liebevolle Loslassen all dessen,

das wir in selbstbefriedigender Absicht erworben haben:

Überzeugungen, Meinungen, Dogmen, Urteile und Ängste,

Wohnungen, Autos, Bankkonten, Öltanks und Tiefkühltruhen.

 

 

Und es geht dabei nicht um seelische und materille Verarmung,

es geht um die grundsätzliche Haltung des

„Haben, als hätten wir nicht“.

 

Wenn uns das gelingt,

zur Mitte unseres Herzens durchzudringen

und unser wahres Selbst zu entdecken,

finden wir eine tiefe Zufriedenheit,

die unabhängig ist von unerfüllten Bedürfnissen

und zukünftigen Befürchtungen.

 

Es ist die Versöhnung mit dem Hier und Jetzt.

 

In dem Moment,

in dem es uns gelingt,

uns ganz diesem einen Augenblick hinzugeben,

für einen Augenblick alles Besitzdenken

und alle Selbstverwirklichungsbestrebungen loszulassen,

geschieht das Wunder:

Wir empfinden Freude für die Beziehungen, in denen wir leben.

Wir empfinden Freude für den Ort, an dem wir uns befinden.

Wir empfinden Freude für die Arbeit, die wir tun dürfen.

Wir empfinden Freude beim Teilen unseres Besitzes

und unseres Lebens.

 

Wenn wir das Habenwollen und das Alleineschaffen

losgelassen haben,

beginnen wir, andere Menschen in den Blick zu nehmen.

 

Von sich selbst abzusehen

(nachdem wir als Kind unser Selbst gefunden haben)

und für andere Menschen da zu sein heißt,

sein wahres Selbst gefunden zu haben.

 

Ganz offensichtlich hat das wahre Selbst damit zu tun,

das wir das Empfangene verschenken.

 

Menschen, die ihr wahres Selbst leben,

sind Liebende.

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