Würde

Würde

Für viele Menschen ist Würde ein Konjunktiv,

eine Möglichkeitsform:

 

Ich würde ja,

wenn ich hätte, könnte, dürfte oder wüsste.

 

Wenn wir zu diesen Menschen gehören,

leben wir ein konjunktivistisches Leben.

Das ist weit unter unserer Würde.

 

Gleichzeitig gehören wir zu den Menschen,

die unentwegt auf der Suche sind

nach Sicherheit, Gewissheit und Führung.

 

Wir opfern unsere Freiheit

und suchen unentwegt nach dem roten Faden.

Wir wollen gar nicht die freie Wahl der Möglichkeiten.

Auch das ist weit unter unserer Würde.

 

So sind wir wohl:

einmal wollen wir Möglichkeiten

und einmal nicht.

 

Ich würde ja…

wenn die Bedingungen besser wären,

wenn ich hätte, könnte, dürfte oder wüsste

und wenn Du Dich verändern würdest.

 

Würde ist einzigartige Selbstbestimmung,

unveränderbar, unantastbar, unverlierbar.

Sie ist durch Gottesebenbildlichkeit garantiert,

alle Menschen sind gleich,

alle selbstbestimmt.

Soweit die Theorie.

 

Und warum gelingt es in der Praxis nicht?

Wahrscheinlich, weil wir Menschen sind.

Und nicht nur der andere ist ein menschlicher Mensch,

wir selbst sind es auch.

 

Unsere Selbstbestimmung ermöglicht uns

weit unter unserer Würde zu leben.

 

Wie kommt das?

Vielleicht so:

wir verwechseln Selbstbestimmung

mit Seinsbestimmung.

 

Die unveränderbare, unantastbare, unverlierbare

Würde des Menschen

ist seine Seinsbestimmung.

 

Der rote Faden,

ich sehne mich nach ihm,

würde ihn gern ergreifen, hätte ihn gern.

Dann ergreife ich ihn, habe ihn und lasse ihn wieder los.

 

Bis ich endlich begreife:

DAS ist unter meiner Würde.

Ich BIN gar nicht selbstbestimmt

im Ergreifen und Loslassen

meines roten Fadens.

 

Es gibt im Leben menschlicher Existenz

eine einzige Freiheit garantiert nicht:

die Vernichtung der Würde – der eigenen und der anderer.

 

Die Würde

ist der rote Faden, der mich hält.

Da habe ich keine Wahl.

 

Die Würde,

die die Liebe ist,

hält mich, ob ich will oder nicht.

Unveränderbar, unantastbar, unverlierbar.

 

Ganz selbstbestimmt habe ich die Freiheit

mein Leben mit der Anstrengung zu vergeuden,

mein Gehaltensein

zu leugnen, zu verdrängen, zu negieren.

(Damit gliche ich einem,

der die Sonne leugnet).

 

Aber ich habe nicht die freie Wahl,

den roten Faden der Liebe der mich hält,

zu durchtrennen.

 

DAS ist Würde:

zu wissen, dass die Liebe,

die kommt und geht,

wann und wo SIE will,

so einiges kann und anderes nicht.

Aber eines kann sie garantiert nicht:

Sie kann nicht nicht lieben.

 

DAS ist Würde:

Ich weiß, dass ich mich nicht nicht lieben kann.

Und Menschen, Tiere und Pflanzen

 nicht nicht lieben kann.

 

Ich bin allerdings frei und selbstbestimmt,

meinem Verstand

mit Schuld, Urteil, Angst und Trennung

den Vorrang einzuräumen.

Aber das ist unter meiner Würde.

 

Würde ist KEIN Konjunktiv.

Sie ist die Liebe, die trägt,

immer und unter allen Umständen trägt.

 

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