Begeisterung

Begeisterung

Ich wär so gern ein Lachs,

der zusammen mit Freunden

heiter den klaren Bach – gegen den Strom – hinauf springt,

vorbei an den lauernden Bärentatzen,

hin zu den seichten Gewässern,

um dort wohlig entspannnt

meinen Laich abzulegen,

damit sich meine Bestimmung erfülle.

Stattdessen dümpelt mein Laichen

zwischen grauer Monotonie und migränischem Erfolgsdruck

mit perfektionistischer Verzweiflung:

ein grauer Tag zwischen Sommer und Winter,

ein graues Haar zwischen Fülle und Leere,

ein graues Gefühl zwischen Nähe und Distanz.

Dabei

zerrissen zwischen Trägheit und Verpflichtung,

zerfressen von drohender Vergänglichkeit,

zermürbt von lähmender Einsamkeit.

Manchmal schwimmt er mir weg, der Lachs.

Dann erwache ich mit der Angst

vor verloren gegangener Begeisterung

 mit erfüllender Leidenschaft.

Im Halbschlaf träume ich von der Befriedigung

der großen, tiefen Sehnsucht.

Und gerate in den Strudel von „Brot und Spiele“,

den mir Politiker, Lebensberater

und meine eigenen Grautöne

so gerne nahe legen:

Das Smart-Phone, das Urlaubs-Glück, die Bauch-Flugzeuge,

die Rotwein-Dämmerung, die Spiele-Tempel,

die Anti-Aging-Wellness, die Hobby-Keller, die TV-Couch,

die Shopping-Freuden und die Sekten-Gurus.

Das alles sei mir doch gegönnt,

um etwas Farbe in das trübe Grau zu bringen.

Und doch erinnert mich all das immer wieder daran,

dass punktuelle Begeisterung

einen grauen Beigeschmack behält,

nach Steigerung giert

und mich nicht in der Tiefe berührt.

Eigentlich möchte ich viel lieber dauerhaft

in meiner Mitte sein,

im friedlichen Einklang mit Zeit und Welt,

mich wohlfühlen können mit mir und anderen,

mich berühren lassen zwischen Nähe und Distanz.

Nein, ich will nicht der Esel sein, der lernen muss

nach der Karotte zu schnappen

und der Peitsche auszuweichen.

Ich will viel lieber der Hefeteig sein,

der sich von der Schüssel gehalten weiß,

um in ihr aufzugehen und zu wachsen.

Und stelle fest:

Es geschieht.

Ich kann es nicht machen.

Wenn ich es geschehen lasse,

dann ist es “well done“.

Ich will der Lachs sein.

Unterwegs.

Mich einlassen auf das, was mir begegnet.

Mit Freunden. Und Freuden.

Aufwärts. Gegen den Strom.

Der Sonne entgegen.

Berührt vom Sprung des Freundes neben mir.

Wenn jede Gräte sich in wohliger Mühe räkelt.

Mitten im gemeinsamen Sprung

berührt von der Gewissheit,

dass unser gemeinsames Laichen geschieht,

so oder so.

Und auf einmal

bin ich von allen guten Geistern

begeistert.

Und wieder in meiner Mitte.

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