Nichts

Nichts

Ganz schön viel, was ich so alles habe:

Familie, Beruf, Hobby, Geld, Fernseher, Telefon, Bücher.

Dazu noch:

Körper, Verstand, Gefühl und Glauben.

Erstaunlich ist allerdings:

Ich beziehe meine Identität aus dem, was ich habe.

Irgendwie verbinde ich

„wer ich bin“ immer mit „was ich habe“.

Obwohl mir doch eigentlich klar ist,

dass alles was ich habe,

etwas von mir will,

von mir fordert,

mich hat,

mich fest im Griff hat,

mein Sein bestimmt.

Pflichten wollen erledigt werden,

Körper, Haushalt und Verstand wollen gepflegt werden,

Auto, Telefon und Fernseher wollen bedient werden,

Menschen wollen Zeit, Kraft und Zuneigung.

Wer bin ich eigentlich ohne all das, was ich habe?

Manchmal, wenn mir alles zu viel wird,

laufe ich weg, verstecke mich,

lenke mich ab oder pflege meine Süchte.

Und wenn mir das auch zu viel wird,

schließe ich die Augen.

Da ist dann nichts.

Und falls ich nicht eingeschlafen oder gestorben bin,

erfahre und erlebe ich in diesem „nichts“

das große „Nichts“,

die große Leere.

Ich höre mein Herz schlagen

und meinen Atem fließen.

Da muss ich nichts tun:

Mein Herz pocht

und mein Atem fließt.

Es pocht und atmet mich.

Im Herzschlag und im Atem

erfahre ich die unendliche Energie des Nichts,

in dem niemand, nicht einmal ich selbst,

etwas fordert oder haben will.

Nicht einmal das,

dass ich etwas oder jemand zu sein hätte.

Die Leere dieses Nichts,

ist die erfüllteste Fülle alles Habens und Seins.

Aus dieser erfülltesten Fülle der Leere

geschehen all die „kleinen“ Dinge

wie Arbeit oder Liebe

wie von selbst.

Es arbeitet und liebt aus mir.

Da geht es nicht mehr darum

etwas zu haben, zu sein oder zu tun.

Und es geht nicht mehr darum

etwas nicht zu haben, nicht zu sein oder nicht zu tun.

Im Nichts-Tun ist alles getan.

Und auf einmal

öffnet sich der Raum grenzenloser Freiheit:

Ob es viel ist oder wenig,

alles oder nichts,

das, was getan oder gelassen werden kann,

das ist jetzt nicht mehr gleichgültig.

Aber es ist jetzt, sofort und gleich gültig:

Es ist gleich gültig,

ob es viel ist oder wenig,

alles oder nichts.

Im Nichts-Tun

(der erfülltesten aller Leeren,

in der es nicht darum geht,

etwas zu tun oder nicht zu tun,

zu haben oder nicht zu haben,

zu sein oder nicht zu sein)

ist alles getan.

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