Ostern

Ostern

 

So stelle ich mir Dein und mein bisheriges Leben vor:

ein weißes Blatt Papier,

mit unzähligen kleinen schwarzen Flecken.

 

Unzählige kleine schwarze Flecken für all die

Fehler, Urteile, Trennungen, Ängste, Versagen,

Schuldzuweisungen, Zurückweisungen

und schlechten Angewohnheiten.

 

Manchmal denken wir,

dass diese schwarzen Flecken aus der Vergangenheit,

unsere Gegenwart und unsere Zukunft

bestimmen, beeinflussen und behindern.

Das macht ganz unschöne Gefühle.

Und dann versuchen wir,

nicht an die schwarzen Flecken zu denken,

versuchen uns abzulenken oder davonzulaufen.

Oder wir tun irgendetwas,

das uns ein schönes Gefühl macht.

Aber das hält meist nicht lange,

dann erinnern wir uns wieder an die schwarzen Flecken.

 

Manchmal ist unser kluger Kopf

ganz besonders trickreich und denkt:

Moment mal:

Da war doch noch was mit Ostern,

mit Versöhnung und Vergebung,

da sind sie doch dann alle weg, die schwarzen Flecken.

Das könnte man die Oster-Illusion nennen.

Und Desillusionierung tut weh.

Wieder ein unschönes Gefühl.

 

Wir denken also manchmal,

Leugnen, Ablenken und Weglaufen wäre klug.

Aber, wir müssen ja nicht alles glauben, was wir denken.

Und müssen uns von uns selbst nicht alles gefallen lassen.

 

Und auf einmal fällt uns auf:

viele Menschen (und Gott sowieso)

waren und sind sehr gütig

mit all unseren schwarzen Flecken.

 

Ist das nicht Grund genug, dass wir selbst,

endlich gütig mit uns selber sind?

 

DAS könnte die Osterbotschaft sein:

Ich darf jetzt endlich

auch mit mir selbst gütig sein.

 

All meine vielen schwarzen Flecken

waren und sind meine wichtigsten Lehrer

(womöglich sogar meine größten Geschenke).

 

 

Alle meine schwarzen Flecken

(und nur wenn ich hinschaue, kann ich es sehen),

sind vom Osterlicht der Verwandlung angestrahlt.

Sie strahlen sogar heller,

als das ganze weiße Blatt Papier

meines grundsätzlichen Gutseins.

 

ALLES auf dieser Welt,

der nahe Nächste und der ferne Nächste,

die gesamte Schöpfung und ich,

wir sind alle weiße Blätter Papier

des grundsätzlichen Gutseins,

mit hell strahlenden Flecken darauf.

 

Strahlende Flecken,

die uns haben gütig werden lassen.

 

Immer dann,

wenn ich mir meine schwarzen Flecken anschaue,

ganz ohne Selbstvorwurf, Selbstverurteilung und Schuldgefühl,

fangen sie an zu strahlen.

Dann ergreift mich

geheimnisvoll und überwältigend,

eine Güte und eine Sanftheit,

mit denen ich mir die schwarzen Flecken anderer anschaue.

 

Und dann geschieht,

dass andere ihre schwarzen Flecken mit Liebe anschauen

und zum Strahlen bringen.

 

Nein, wir müssen das Versöhntsein der ganzen Schöpfung

(an das uns Ostern erinnert), nicht verstehen.

 

Aber wenn wir hin und wieder

ein wenig innehalten und hinschauen

auf die eigenen schwarzen Flecken und die des anderen,

können wir erleben,

dass all diese Flecken verwandelt sind

und heller strahlen,

als die unschuldig weißen Blätter

unseres grundsätzlichen Gutseins.

 

Und da ist Ostern.

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