sonntags

sonntags

 

Immer wieder sonntags…

kommt manchmal eine so merkwürdige Leere…

 

Was könnte ich tun,

denken, fühlen, lesen, schreiben, unternehmen ???

 

Erst wollte ich unbedingt raus aus dem Hamsterrad.

Dann sitze ich da vor dem Hamsterrad

und bin ganz unzufrieden.

Also suche ich mir ein neues Hamsterrad

für den Sonntag.

Oder freue mich auf Montag.

 

Ooooh, morgen, Montag, noch ein Feiertag…

 

Da fällt mein Blick auf die Pfingstrosen,

die auf dem Boden in einer Glasvase stehen.

Welch ein Anblick.

Welch ein Duft.

Ich knie mich hin zu ihnen.

Nehme eine Blüte zärtlich in meine Hand,

wie den Kopf einer kleinen Katze

und spüre schnuppernd

die Weichheit ihrer Blätter.

 

Da geschieht das Geheimnis,

das ich nicht erklären kann:

 

Die befürchtete Leere dieses Augenblicks,

ist prallvoll mit Leben,

meinem Leben und dem der Pfingstrose..

 

Das Leben der Pfingstrose

und mein Leben

verbinden sich.

DAS ist mein Leben.

Prallvoll mit Leben.

 

Keine Gedanken und Gefühle.

Keine Erinnerungen, Hoffnungen, Befürchtungen.

Keine Sehnsucht nach Lieben und Geliebtwerden.

 

Einfach nur das prallvolle Leben

mit dem, was jetzt gerade ist,

die Pfingstrose und ich.

 

Keine Ansprüche.

An niemanden.

Auch nicht an mich.

Nicht einmal der, leer sein zu wollen.

Oder pralle Fülle haben zu wollen.

 

Einfach nur sein.

Das Leben schmecken.

Mit allen Sinnen.

Oder einem.

Einer genügt, um pralle Fülle zu erleben.

 

Verbunden mit der Pfingstrose.

Für diesen Augenblick verbunden

mit der ganzen Schöpfung.

 

Dieser eine Augenblick praller Fülle.

Ohne ihn festhalten zu wollen.

Vielleicht hat der nächste Augenblick

auch die ganze Fülle prallvollen Lebens.

 

Fast automatisch greift meine Hand zum Kaffee.

Aber angeregt durch die Erfahrung

mit der Pfingstrose,

halte ich kurz inne

und erlebe Duft und Geschmack des Kaffees

und in ihm die prallvolle Fülle

prallvollen Lebens.

Erlebe, wie der prallvolle Augenblick

sanft hinüber gleitet

zum nächsten prallvollen Augenblick.

 

Erfüllt von dankbarer Leidenschaft dafür

nichts zu wollen

und alles zu sein.

 

Das Geheimnis:

In diesem Augenblick,

in dem ich nichts will,

geschieht die Gnade dieses Geschenks:

Mitgefühl, Dienst, Verpflichtung

und Gestaltung der Schöpfung

mit ihren Menschen, Tieren und Pfingstrosen.

 

In meiner Hingabe an die Pfingstrose

ist in meinem Nichtstun alles getan.

 

In meiner Hingabe an die Leere des Nichtstuns,

die ich nicht mehr überwinden will,

geschieht die pralle Fülle meines prallvollen Lebens.

 

Und mit der Würdigung des prallvollen Lebens

meiner Pfingstrose

geschieht die Würdigung meines prallvollen Lebens

und der ganzen Schöpfung.

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