Zeichen setzen

Zeichen setzen

 

Ich würd`so gern ein Zeichen setzen.

Oder mehrere.

Für Putin oder Obama,

für Josef Blatter von der FIFA,

für Neymar, den brasilianischen Superstar.

 

Manche von den Sportskameraden

auf dem eckigen Grün

verdienen 1000,-€ in der Sekunde.

 

All denen, für die ich so gern ein Zeichen setzen würde,

denen geht es doch nur um Geld, Macht und Ruhm.

 

Dafür verlieren andere

alles, was sie haben.

Sogar das Leben.

 

Es wird wirklich Zeit,

Zeichen zu setzen.

Ich hätte da ein paar gute Ideen.

 

Meine Verachtung für die Reichen

und mein Mitgefühl für die Armen,

lässt mich ganz kreativ Pläne schmieden,

um Zeichen zu setzen.

 

Aber welches Zeichen nehme ich nur?

Anführungszeichen?

Ausrufezeichen?

Fragezeichen?

Doppelpunkt?

 

Die Fliege,

die schon seit zehn Minuten

meinen Kopf umkreist

und sich immer wieder auf meinem Gesicht

niederlässt um da herum zu krabbeln,

sie nervt unerträglich.

 

Ich könnte sie töten.

Habe gerade eine wichtige Aufgabe zu erledigen.

Wir sollen uns die Schöpfung

untertan machen.

Soll sie doch zurück in ihre Slums,

sonst töte ich sie.

 

Halt! Stop! Nein! So geht das nicht!

Ich bin doch ein guter Mensch.

Ich appelliere an mein Mitgefühl:

Die arme Fliege.

Was braucht sie wohl?

Hat sie Hunger?

Sucht sie Berührung, Aufmerksamkeit, Liebe?

 

Ach, Quatsch.

Sie ist ja wohl ein Geschöpf niederen Ranges.

Und ich muss mich auf meine wichtige Aufgabe

 

Und so verharre ich lieber

in meinem selbstverliebten, wohlhabenden,

gierig machtgeilen Rassismus.

Inklusive Mitgefühl.

 

Da wird mir klar:

 

Armut, Krankheit, Hilflosigkeit und Angst

geht mir genauso auf die Nerven,

wie Reichtum, Gier, Macht und Ruhm.

 

Alles zusammen jeweils Anteile

von Putin, Obama, Blatter, Neymar und mir.

 

Und ich will nicht mehr,

dass Licht und Schatten

unentwegt in mir miteinander kämpfen.

Beide gehören zu mir.

 

Das habe ich heute Morgen

von meiner Fliege gelernt:

 

Ich darf hilflos sein mit Dingen,

die ich nicht ertrage.

 

UND Mitgefühl haben.

 

Jetzt muss ich lächeln

beim Kitzeln meiner Fliege.

Ich gebe ihr, was sie braucht.

Dann gehe ich wieder an meine Aufgabe.

 

Ich setze ein Zeichen.

Einen Bindestrich.

Wir sind verbunden.

Es ist ein Verbindestrich.

Ich verbinde das Bedürfnis der Fliege mit meinem.

 

Und da spüre ich die Not der Reichen. Meine Not:

Ich kann die Not der Armen und der Reichen

manchmal nicht mehr spüren.

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