WM-Finale

WM-Finale

 

Ich

und 30 Millionen andere, nicht berufene Bundestrainer

wüssten genau,

was der eine, berufene Bundestrainer

heute Abend tun müsste,

damit „wir“ Weltmeister werden.

 

Und nach dem Spiel

werden wir ziemlich genau wissen,

was der eine, berufene Bundestrainer

richtig oder falsch gemacht hat.

 

Obwohl wir schon jetzt ziemlich genau wissen,

was der eine, berufene Bundestrainer richtig gemacht hat.

Er war uns – in vielerlei Hinsicht – ein gutes Vorbild,

weil er – im Gegensatz zu uns nicht berufenen Bundestrainern

 

–          nicht immer Recht haben wollte

–          nicht immer alles besser wissen wollte

–          sich und anderen Fehler erlaubt und ermöglicht hat

 

Der berufene Trainer der deutschen Nationalmannschaft

hat Führungskompetenz bewiesen.

Er hat eine Atmosphäre geschaffen,

in der 23 Spieler

zu einem Team zusammen wachsen konnten.

 

Kein Verlierer

wurde belächelt, verhöhnt oder gedemütigt.

 

In keiner Phase des Turniers ging es darum,

dass Glück und Leben von Sieg und Erfolg abhängt.

 

Mit diesem berufenen Bundestrainer

ist Fußball wieder Spiel und Sport.

 

An einer Stelle

kommt diese Führungskompetenz

des berufenen Bundestrainers an eine Grenze:

er und die 23 Spieler

werden heute Abend gewinnen wollen,

das gehört bei so einem Turnier dazu.

 

Aber es ist diese Atmosphäre

des nicht unter allen Umständen gewinnen Müssens,

die diese Mannschaft erfolgreich sein lässt.

 

Dieser berufene Bundestrainer

würde in einem anderen Kontext

vielleicht dies lehren:

 

es ist ein wunderbares Geschenk Zweiter zu sein.

Nur der Erfolg, der kein Erfolg sein muss,

kann ein Erfolg werden.

Nur der Erfolg, den ich loslasse,

will gerne zu mir kommen.

 

Und noch eins,

das diesen berufenen Bundestrainer so erfolgreich macht:

er sucht nicht vorrangig seinen Erfolg.

Er schafft Räume,

in denen andere erfolgreich sein können.

 

Vor allem damit

ist uns dieser Bundestrainer ein gutes Vorbild:

er bezieht seinen Selbstwert daraus,

dass andere sich in seiner Gegenwart als wertvoll empfinden.

 

Und dass sie sich als Sieger fühlen, wenn sie Zweiter werden.

 

DAS will ich von diesem Bundestrainer

unabhängig vom Ausgang des WM-Finales,

für alle meine Beziehungen lernen:

 

Ich beziehe meinen Wert

aus WIN/WIN – Situationen.

 

Ich beziehe meinen Wert daraus

andere erfolgreich zu machen.

 

Ich beziehe meinen Wert daraus,

gerne auch Zweiter zu sein.

 

Ich beziehe meinen Wert daraus,

die Leistungen anderer zu würdigen.

 

Selbstverständlich:

es wird heute Abend

im Finale der Weltmeisterschaft darum gehen,

ein Tor mehr zu schießen.

Einiges dabei wird mit Glück zu tun haben.

 

Aber dies eine brauche ich mir nicht zu wünschen:

einige der deutschen Spieler

werden zumindest innerlich

einen Diener machen

vor dem sogenannten „Gegner“,

egal ob der „Sieger“ ist oder „Verlierer“.

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