von Sinnen

Von Sinnen

 

Pressemeldung gestern:

eine kleine wissenschaftliche Sensation:

einer berühmten Duftforscherin ist es

im chemischen Labor gelungen,

den Duft des ersten Weltkriegs herzustellen.

Es ist eine Mischung aus Schwarzpulver, Erde, Blut,

Schweiß, Tränen und Verwesung.

 

Ja, ist diese Frau denn von allen guten Sinnen verlassen???

Für mich gäbe es nur einen Grund,

mich in diesen Duft einzufühlen:

Alles dafür zu tun,

dass es einen solchen Duft nie mehr geben darf.

 

Oh doch, es gibt noch einen zweiten Grund,

mich auf dieses Ansinnen zu besinnen:

Ich will Verantwortung übernehmen

für die Wahrnehmung meiner sieben Sinne.

 

Heute Morgen öffne ich mich dafür,

womit und auf welche Art meine sieben Sinne

am schönsten und am sinnvollsten befriedigt werden.

 

Und wodurch und auf welche Art meine sieben Sinne

am wenigsten schön angesprochen werden,

Unwohlsein, Ekel oder Ablehnung auslösen.

 

Erstaunlicherweise können solche Erfahrungen

ambivalent sein, weil sie von meinem Verstand

bewertet und eingeordnet werden.

 

So kann mich Flugzeuglärm z.B.

einerseits vom Urlaub träumen lassen

und andererseits zum Wahn-Sinn treiben.

Die Schönheit der Farbe des Goldes

kann einerseits mein Herz in seiner Mitte berühren

und andererseits meine Gier erwecken.

Ein guter alter Käse

kann einerseits duftend meinen Brechreiz bewirken

und geschmacklich samtig meinen Gaumen kitzeln.

 

Wenn ich mich auf alle Dinge meiner Sinne besinne

kann ich selbst entscheiden, ob ich verliere oder gewinne.

 

Die verantwortliche Wahrnehmung meiner Sinne

entscheidet in hohem Maß über Glück und Lebensqualität.

Es gehört zu den wesentlichen Dingen des Lebens zu wissen,

welcher Klang mich heilt

und welches Geräusch mich stört.

Welcher Duft mich betört

und welcher Gestank mich vertreibt.

Welche Schönheit meine Seele berührt

und welcher Anblick mich frösteln lässt.

Welcher Genuss mich mehr als nur sättigt

und welcher Geschmack mich ekeln lässt.

Welches Streicheln mich erschaudern lässt

und welche Berührung mich zur Abgrenzung zwingt.

Welche meiner Intuitionen zuverlässig entscheiden

und welcher Schweinehund meinem Egoismus frönt.

Welche Rückbindung mich zur Mitte bringt

und welche Religion reiner Machtbefriedigung dient.

 

Ich darf Verantwortung wahrnehmen

für die ausgewählte Wahrnehmung meiner Sinne

zu meinem Glück und dem Glück anderer.

 

Glück kommt auch

von verantwortlicher Wahr-Nehmung meiner sieben Sinne.

 

Ich könnte warten,

bis einer meiner Sinne getroffen wird vom Zufall.

Mit etwas Glück ist es ein Zu-Fall.

 

Aber ich kann mich auch für Glück entscheiden,

z.B. durch Bewusstwerdung meiner sieben Sinne.

Und verantwortliche Auswahl.

 

Manchmal genügt die Wahrnehmung eines Sinnes

in hundertprozentiger Hingabe.

Manchmal ist es der Wechsel der Bewusstwerdung

von einem Sinn zum anderen.

Manchmal ist es wie ein Glücksrausch,

von jedem der sieben Sinne

ein klein wenig gleichzeitig erfahren zu dürfen.

 

Kann sein,

dass es gut ist zu warten,

bis Du Zeit hast für solch wertvolle Erfahrungen.

Vielleicht aber ist es besser,

nicht zu warten, bis Du Zeit hast.

 

Kann geschehen, dass Du Deinen Geliebten

ganz neu entdeckst,

weil sein Meckern nach Ziegenkäse schmeckt,

seine Trägheit nach Bergstiefeln riecht,

sein Schnarchen wie die Kleine Nachtmusik klingt,

seine Falten Lachgrübchen entfalten

und sein Frösteln Dich zum Leben erweckt.

 

Kann sein, dass es bei allem besser wäre,

nicht zu warten.

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