Urlaubsruhe

Urlaubsruhe

 

Vorab:

Wir sollten uns von niemandem

den Urlaub madig machen lassen.

Wahrscheinlich haben wir ihn wirklich verdient.

Wir haben Pflichten erfüllt,

Vereinbarungen eingehalten,

manchmal alles gegeben.

Der Ofen hat geraucht,

das Eisen geglüht.

Verdienter Urlaub heißt:

es ist besser, dass das Eisen glüht, als der Schmied.

 

Und dennoch:

Vielleicht lohnt es sich auch im Urlaub,

ein paar Minuten über ihn selbst nachzudenken:

In Deutschland gibt es ungefähr 29 Tage Urlaub,

plus 10 Feiertage, plus 52 Wochenenden,

plus Fortbildung, Bildungsurlaub, Sonderurlaub,

Das ergibt ca. 200 Arbeitstage.

 

Urlaub kommt von Erlauben.

Dem Arbeitnehmer wird für eine bestimmte Zeit erlaubt,

von seinem Arbeitsplatz fernzubleiben.

 

Solches geschah in Deutschland erstmalig im Jahre 1903:

Der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter beschloss,

dass jeder Arbeiter nach einjähriger Betriebszugehörigkeit

für drei Tage im Jahr zu befreien sei.

 

In anderen Ländern heißt diese moderne Errungenschaft

des Fernbleibens Vacation oder Vacances,

das heißt Freiheit, Verfügbarkeit, Leerheit.

Oder auch Holidays, die heiligen Tage.

 

Viele Arbeitnehmer sprechen bei ihrem Beruf

von einer äußeren Berufung durch den Arbeitgeber,

der sie wegen ihrer Neigungen und Fähigkeiten

angestellt hat.

Andere von einer inneren Berufung

durch eine innere Stimme oder höhere Macht.

Manche von beidem.

Solche Arbeitnehmer unterscheiden auch

bei der Bewertung der Erlaubnis für das Fernbleiben

von inneren Berufungen.

 

Manche Menschen die sich innerlich berufen fühlen,

wollen von dieser Berufung nicht befreit werden.

Viele andere Arbeitnehmer bestehen zu Recht

auf die Erholung von einer Tätigkeit,

die sie hauptsächlich zum Erwerb

ihres Lebensunterhalts ausüben.

Solche Arbeitnehmer leben oftmals ihre

innere Berufung in ihrer Freizeit.

 

Manchen Arbeitnehmern ist sehr wohl bewusst,

dass sie zur Erholung verpflichtet sind,

um ihre Arbeitskraft sehr bald wieder

in den Dienst des Arbeitgebers stellen zu können.

Sie sprechen dann ungern von Heiligen Tagen (Holidays).

 

Manche dieser Fakten klingen wie tragische Dilemmata.

Was tun?

Zunächst könnten wir achtsam darauf achten,

dass die Planung, Durchführung und Nachbereitung

der Urlaubs- und Erholungstage

nicht zu viel Kraft, Energie und Zeit verschwenden.

 

Es wäre gut heraus zu finden,

wie wir tatsächlich zur Ruhe kommen.

Es könnte sein,

dass das Zur-Ruhe-Finden

so ungewohnt und anstrengend ist,

dass wir nicht zur Ruhe finden.

Zumal wir in solchen Zeiten

uns selbst begegnen könnten.

 

Gerade zur Vermeidung der Begegnung mit sich selbst,

suchen Menschen,

in Zeiten von Ruhe und Erholung,

möglichst viele Begegnungen mit anderen.

 

Womöglich hilft ein klein wenig diese Idee:

Wir geben uns die Erlaubnis (Urlaub)

in Zeiten von Freiheit, Verfügbarkeit und Leere (Vacances)

heilige Tage (holidays) zu erleben.

 

Wir wagen mit Geduld, Gelassenheit und Zuversicht

eine Begegnung mit uns selbst.

Wohl wissend,

dass diese Zumutung eine Zu-Mutung werden kann.

Nach einer Zeit der Mühe,

werden wir Ruhe finden.

Womöglich wird dieses In-Uns-Ruhen

zum weichsten Polster unserer  Erholung.

 

Und womöglich werden wir entdecken,

dass wir dieses Polster mitnehmen können

zu unseren Arbeitsplätzen

der inneren und äußeren Berufungen.

Um dort in Frieden zu ruhen.

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