Eigentlich glücklich

Eigentlich glücklich

 

Wie geht eigentlich glücklich?

Also so erkennbar, für mich und andere?

Seit Jahrzehnten haben sie mich gelehrt,

das Wort „eigentlich“ zu vermeiden,

bis ich es endlich internalisiert (gefressen) hatte.

Eigentlich…

Also ich sammle mal, wie eigentlich glücklich geht.

Und ahne schon:

Diese Liste wird so unsystematisch lückenhaft,

dass ich sagen können werde:

eigentlich vollkommen komplett, mit all ihren Lücken.

Was ich also alles habe, kann und bin:

Ich habe ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt,

einen Baum gepflanzt und brauche keine Rolex.

Eigentlich habe ich harmonische Beziehungen,

fühle mich sogar gebraucht.

Hin und wieder gelingt es mir,

auf mein Rechthaben zu verzichten.

Manchmal versöhne ich mich nach dem Streiten.

Eigentlich kann ich sogar vergeben.

So habe ich eigentlich wenig Feinde.

Kann sogar lieben und geliebt werden,

pflege Freundschaft und Selbstfreundschaft.

Eigentlich bin ich sogar ein Lebenskünstler.

Und ich habe eigentlich viel Freude in mir,

lache gern und bringe andere zum Lachen.

Eigentlich habe ich große Lust

niemanden zum Weinen zu bringen.

Manchmal kann ich anderen Menschen deren Leben

ein wenig schöner, leichter und heiterer machen.

Also eigentlich liebe ich

das Schöne, Wahre und Gute.

Und bin eigentlich so etwas wie ein freier Mensch.

Ich kann manchmal loslassen.

Bin hin und wieder unabhängig

von anderen Meinungen,

klebe eigentlich nicht an meinem Besitz.

Manchmal kann ich sogar bei Widrigkeiten

und Widersprüchen recht gelassen sein.

Eigentlich liebe ich sogar meine Gegensätze,

vor allem bei dem Anspruch zwischen

Wunsch und Wirklichkeit.

Die Akzeptanz meiner Widersprüche

versöhnt mich eigentlich sogar

für die nächste Krise.

Ich liebe Tag und Nacht,

Sommer und Winter,

Melancholie und Ausgelassenheit.

Eigentlich liebe ich sogar die ganze Welt,

so, wie sie ist.

Dann bin ich eigentlich sogar dankbar.

Und dann lebe ich im Augenblick,

eigentlich so irgendwie aus meiner Mitte,

bin manchmal achtsam mit kleinen Dingen.

Ich kann eigentlich sogar

ganz gut unterscheiden

zwischen Tod und Leben und Überleben.

Ich weiß sogar meine Bestimmung.

Die einzige Bestimmung ist eigentlich die,

glücklich zu sein und glücklich zu machen.

Ich weiß nämlich, dass ich eigentlich

unschuldig bin.

Ich fühle mich geschützt, getragen und geborgen.

Lustvoll pflege und genieße ich meinen Körper

als Tempel eines wachen Geistes,

eines warmen Herzens

und eines gierigen Sammlers.

Ich genieße meine sieben Sinne

(eigentlich lieber nacheinander)

und erfülle manchmal

eigentlich auch recht gern

meine Aufgaben und Pflichten.

Und ich wohne eigentlich gern bei mir,

lebe gern mit mir,

spüre mich gern in mir

und in Dir.

Und eigentlich muss fast niemand bei mir

die Schuhe sauber machen,

bevor er bei mir rein darf.

Augenzwinkernd genieße ich es,

nach der Wahrheit zu suchen,

obwohl ich eigentlich weiß,

dass sie mich erfüllt und umgibt.

Also eigentlich ruhe ich in Frieden,

jetzt schon.

So oder ähnlich ist wohl der ewige Himmel.

So oder ähnlich hab ich all das ja schon fast immer.

Und er ist mir nicht auf den Kopf gefallen, der Himmel.

Und das Glück hat mich nicht zerrissen.

Wahres Glück ist eigentlich dies:

Das ich all das nicht gleichzeitig erleben muss.

Zuviel würde mir Magen und Herz verderben.

Jemand füttert mich häppchenweise.

Wenn ich zu schnell kaue,

bilde ich mir ein, ich sei noch hungrig.

Dieser Hunger aber zeigt mir eigentlich:

Ich hab genug zu verschenken.

Und zwar nicht häppchenweise.

Dem, dem ich fast alles gebe,

der hat dann genug zum Teilen.

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