Archive | Oktober 2014

Fluch der Erkenntnis

Fluch der Erkenntnis

 

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen

suchte der Mensch Vergewisserung

für das Woher, Wozu und Wohin.

Also schrieb er Schöpfungsberichte.

 

Da nahm Adam, der Mensch,

die Frucht vom Baum der Erkenntnis

aus der Hand des Weibes

und wusste fortan,

dass das Weib die Schuldige ist.

 

„Und Adam (der Mensch), erkannte sein Weib“.

 

Für viele Leser dieses Schöpfungsberichtes

ist diese Formulierung der Beginn

einer wunderschönen, dauerhaften Liebesbeziehung.

In Wirklichkeit beginnt hier,

mit dieser Erkenntnis,

mit dem Denken des Verstandes

und dem Aufbersten von saugenden Abgründen

die tödliche Abwärtsspirale,

das Tor zur Hölle.

 

Denn Adam, der Mensch,

nunmehr ausgestattet mit der Fähigkeit

zur Unterscheidung von Gut und Böse

fragt sich zitternd:

Ist Eva die richtige Wahl

oder muss ich weiter suchen?

Werde ich eine Aufgabe finden,

mit der ich eine Familie ernähren kann?

Werde ich meine Söhne so erziehen,

dass der eine nicht den anderen erschlägt?

Werde auch ich nachts aufstehen müssen,

um die Milch zu wärmen,

u.v.a.m.

 

Da wurde Adam gewahr,

dass er die gnadenlose Bodenlosigkeit

solch aufkeimender Fragen nicht würde ertragen können

und beschloss voller Selbstmitleid

den Acker zu pflügen,

um das Paradies zu joggen,

ein paar Bier zu trinken

und sich nach anderen Weibern umzuschauen.

 

Jedoch nichts von alledem half.

Adam erkannte:

Ich werde all diese Ängste nicht los.

In nichts gibt es endgültige Sicherheit,

weder in Beziehung,

noch in Bestimmung oder Berufung,

weder bei Erkenntnis, noch bei Überzeugung,

weder bei Gut und Böse,

noch bei Woher, Wozu, Wohin,

vor allem nicht bei Leben und Tod.

 

Adam, der Mensch, beschloss,

sich nicht vom nagenden Zweifel fressen zu lassen

und sich nicht von der Angst

in den schwarzen Schlund der Hölle ziehen zu lassen.

 

Adam gab auf.

 

Er ließ sich nieder

und ließ die Angst zu.

Adam wollte sich nicht mehr tyrannisieren lassen

von Erinnerungen und Befürchtungen

und dem Fluch seiner Erkenntnisse.

 

Da spürte Adam die Angst als Gefühl.

 

Und während Adam, der Mensch,

seine Angst erlebte,

indem er achtsam in sich hineinspürte

ohne sich zu wehren

und ohne die Angst zu bekämpfen,

geschah ihm das Wunder

der Gleichzeitigkeit

von Zulassen und Loslassen.

 

In dieser Gleichzeitigkeit

von Zulassen und Loslassen

erlöste sich der Fluch der Erkenntnis

und öffnete das Tor zum Himmel:

die Öffnung des Herzens

von Adam, dem Menschen.

 

Da erfühlte Adam, der Mensch, sein Weib,

mit allen Sinnen

und berührte ihre Seele.

 

Und siehe, es war gut.

Und ist gut.

Aus der zugelassenen und nicht mehr bekämpften Angst,

ward die Hoffnung der Gegenwart.

 

Und da erlebt und erfährt Adam, der Mensch,

dass das Paradies nicht verloren ist

sondern, dass das Paradies immer und überall da ist,

wo Menschen einander berühren.  

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Scheitern

Scheitern

 

Der Mensch muss sich Ziele setzen,

wenn das Leben gelingen soll.

Er muss wissen, wie Sinn verwirklicht werden kann.

Muss verstehen,

wie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gelingt

und wie Glück und Liebe gelebt wird.

 

Dabei muss er eine Balance finden

von Freundschaft und Selbstfreundschaft,

muss sich verstehen als ein Teil der Vielheit

von 350 Milliarden Kilogramm Menschen

und der unteilbaren Einzigartigkeit

unter den eigenen zwei Quadratmetern Haut.

 

Innerhalb des Rahmens von Erstrebenswertem,

darf der Mensch aber nicht die wichtigen Ziele

vernachlässigen:

Bewegen und gesund ernähren.

Körpergewicht halten oder reduzieren.

Fröhlich Überstunden machen.

Blumen mitbringen und Kuchen backen.

Freundlich sein, treu und zuverlässig.

Ehrlich sein bei der Steuererklärung.

Aufopferungsvoll lieben.

Und immer dankbar sein.

 

Wenn der Mensch all diese Dinge

als hilfreich, sinnstiftend und not-wendig erkennt,

gelangt er automatisch zur richtigen Reihenfolge

der Schritte 8, 6, 1 oder 7.

Dann wird er

 

versuchen, all das als wichtig Erkannte

zu praktizieren und zu realisieren

um sich

 

6 A.

immer weiter zu entwickeln,

in Allem immer besser werden zu wollen

und um immer mehr Menschen zu finden,

denen er es recht machen kann

 

um dann

 

 

6 B.

nicht mehr nur müssen zu sollen

sondern auch wollen zu müssen.

 

Dann wird der Mensch eines Tages

 

zufrieden die Augen schließen,

weil er endlich das hinreichend richtige System

für seine persönliche Lebenshilfe gefunden hat.

 

Und

 

beschließen,

nun auch im Sarg

die richtige Richtung einzuschlagen.

 

1A.

 

Da erwacht der Mensch aus seiner Illusion.

Er erkennt die Ohnmacht Gottes am Kreuz.

Und erblickt die sanfte Güte

von Abrahams Schoß.

Da sitzen sie alle,

die Mühseligen und Beladenen,

die Untreuen, die Halbherzigen und die Ausgebrannten,

die Süchtigen, die Armen und die Kranken,

die Huren, die Freier, die Gierigen und die Frommen,

die Überforderten, Hilflosen und Ohnmächtigen,

die Besserwisser und Rechthaber,

die Lügner, Betrüger, Fresser und Säufer.

 

Sie alle breiten die Arme aus

in der ewig-gegenwärtiger Ruhe des Friedens

und nehmen den Menschen auf,

ganz so, wie er ist.

 

Da umhüllt und erfüllt den Menschen

das Glück und der Sinn des Scheiterns

 

und er erkennt, dass

 

1 B.

sogar die Zielstrebigen

mit dem perfekten Lebenshilfeplan

eingeladen sind.

 

Herbst

Herbst

Neulich in einer Kita habe ich ein Kind beobachtet,

das versucht hat,

die herunter gefallenen Herbstblätter wieder anzukleben.

Irgendwie hat das meiner Gefühlslage entsprochen.

Es tut so weh, Abschied zu nehmen.

Manche Menschen bringen die beste Freundin

bis zum Parkplatz vor dem Bahnhof.

Andere bis zum Haupteingang.

Wieder andere helfen der Freundin

einen guten Platz im Abteil zu finden.

Dann gibt es noch die Menschen, die weinend winken,

bis der Zug am Horizont verschwunden ist.

Sie sagen mir immer,

Abschiede würden Türen öffnen.

Aber es gibt diese Tage, da mag ich keine Türen.

Jedes Mal, wenn ich vor einer Türe stehe,

muss ich einen Raum verlassen

oder jemand lässt mich alleine zurück:

Partner verlassen meinen Beziehungsraum,

Kinder verlassen die Wohnung,

Dienstgeber wollen es ohne mich versuchen,

Vermieter zerstören meine Heimat.

Wenn ich das gemütliche Wohnzimmer verlasse,

erwartet mich im Bad ein Spiegelbild mit neuen Falten.

Es ist Herbst.

Meine Blätter fallen.

Keiner klebt sie mir wieder an.

Bald verlasse ich endgültig den Raum des Lebens.

Da bleibe ich lieber stehen, vor der Tür,

um bittere Tränen zu weinen.

Sie sagen mir immer,

meine gefallenen Blätter würden fruchtbaren Kompost bilden.

Aber in der Wirklichkeit

kommen immer mehr dieser fürsorglichen Nachbarn,

um mit ihrem Kompost meinen verwilderten Garten zu düngen.

Da bleibe ich lieber vor der Tür stehen,

um meine eigenen bitteren Tränen zu weinen.

Und manchmal,

wenn ich so da stehe, vor der Tür

und meinen Tränen freien Lauf lasse,

verfängt sich eine dieser Tränen

in einer dieser Falten neben meinem Mund

und ich nehme sie mit der Zunge auf.

Und da geschieht dann manchmal das Wunder:

Diese Träne ist so zuckersüß,

wie das süßeste Dessert nach einer wundervollen Mahlzeit.

Und da verstehe ich:

Die Bitterkeit meiner Tränen

kommt von meinen Gedanken über meine Tränen.

Von meiner Angst,

Von meinen Bewertungen und Verurteilungen.

Von meinem Besitzanspruch.

Davon, dass ich Menschen und Situationen

manipulieren will,

weil ich Vergangenes oder Bewährtes bewahren möchte,

die Wirklichkeit der Gegenwart bekämpfe

oder die Angst vor Veränderung nicht ertrage.

Ich ahne:

Die Wirklichkeit IST nicht bitter.

Meine Tränen SIND nicht bitter.

Es sind meine Gedanken

über die Wirklichkeit und meine Tränen.

Ich werde nicht mehr versuchen

abgefallene Blätter wieder anzukleben.

Ich werde lernen, den Duft des Komposts zu genießen,

aus dem das gute Neue wachsen will.

Es ist die süße Melancholie des Herbstes.

Wenn wir die Süße unserer Tränen schmecken,

sind wir auf dem Weg zu unserer inneren Mitte,

auf dem Weg zur Fülle des Hier und Jetzt.

Wir müssen die Tür nicht eintreten

und nicht in Lähmung vor ihr verharren.

Wenn wir unsere süßen Tränen loslassen spüren wir,

dass die innigste Form des Liebens das Loslassen ist.

Wir dürfen uns öffnen für den Herbst

mit seinen süßen Tränen.

Und wenn wir die vielen kleinen Abschiede

akzeptieren und liebevoll üben,

werden sich sanft schwebend Türen öffnen,

zu Räumen voller zauberhafter Schätze und Geschenke.

Und wenn wir all diese Geschenke auspacken,

wird auch der letzte süße Abschied

zu einem Neubeginn,

bei dem wir uns dann endgültig getragen wissen.

Himmlische Liebe

Himmlische Liebe

Der Mensch,

der die himmlische Liebe

weder für rein romantisch, noch unrealistisch religiös,

noch übertrieben kitschig hält,

sehnt sich nach ihr,

sucht in ihr anhaltend vollkommenes Glück

und glückselige Erfüllung.

Und fragt sich,

warum die Liebe so oft

mit so viel Leid verbunden sein muss.

Da kann es vielleicht helfen,

die Liebe zunächst

nach ihren Arten zu unterscheiden,

bevor man diese wieder zusammenführt.

Es gibt mindestens drei Arten,

die sich auch immer wieder vermischen:

Agape, Philia und Eros.

Agape

ist die wohlwollende Liebe.

Sie kann sich fürsorglich dienend

und selbstlos hingebend verschenken

an Nächste und Fernste, Gott und die Welt.

Philia

ist die freundschaftliche Liebe.

Sie ist geprägt

von gegenseitigem Verstehen und Anerkennen

und von gegenseitigem Empfangen und Gewähren

von Freiheit in tiefer Verbundenheit.

Eros

ist die sinnliche Paarliebe.

Sie ist erfüllt von leidenschaftlichem Begehren

und von der Gleichzeitigkeit von

Lieben und Geliebtwerdenwollen.

Das Leiden in Paarbeziehungen

erscheint immer dann,

wenn das Geliebtwerdenwollen größer ist

als das Lieben.

Der Mensch,

der sich auf Selbstfreundschaft und Selbstliebe besinnt,

wird sich ohne Einfordern von Geliebtwerden

als vollkommen erleben

und sein Lieben und sein Glück teilen wollen.

Der Mensch,

der sich ohne den anderen als unvollständig erlebt,

wird vom Partner sein Glück erwarten und einfordern

und dabei immer enttäuscht werden.

Dieser Mensch wird sich aufopfern,

um das Geliebtwerden von seinem Partner zu erzwingen

und dabei sich selbst verlieren.

Für dieses Aufopfern

wird er den Partner verantwortlich machen,

ihn schuldig sprechen, verurteilen und ihn hassen.

Dann wird er verlassen werden oder sich trennen

und sein Geliebtwerdenwollen

bei einem anderen suchen.

SO ist die Paarbeziehung eine Illusion von Liebe.

In ihr ist das Schenken immer verbunden

mit der Forderung, etwas zurück zu bekommen.

Ganz besonders bei der sinnlichen „Liebe“.

Wenn es Leiden macht, ist es nicht Liebe.

Liebe macht kein Leiden.

So oder ähnlich müsste der Mensch denken und fühlen

bevor er sich verliebt oder auf Beziehung einlässt:

Ich liebe mich und bin mein bester Freund.

Und ich brauche Deine Liebe nicht,

um vollständig zu werden.

Aber ich brauche DICH

um Dich lieben zu dürfen.

Und wenn es Dir auch so geht,

lass uns miteinander einander lieben.

In diesem Augenblick hebt sich der Unterschied

zwischen Agape, Philia und Eros auf

und der Sinn der Beziehung wird im Zusammenhang

dieser drei Arten der Liebe erlebt.

Sinn und Zweck

einer erfüllten Paarbeziehung kann der sein,

dass der Mensch, der Glück und Liebe

in sich gefunden hat,

diese mit einem anderen,

der Glück und Liebe in sich gefunden hat, teilen will.

Diese beiden werden wollen,

dass ihr gemeinsames Glück und ihre Liebe

sich in die Welt hinaus dehnen,

um dort Freude, Frieden und Wahrheit zu verbreiten

und andere Menschen glücklich zu machen.

Nichts anderes

lässt den Himmel auf Erden

in Freude, Frieden und Wahrheit mehr strahlen,

als wenn zwei, die sich selbst lieben,

ihre gemeinsame Liebe füreinander,

im Zusammenspiel von Agape, Philia und Eros,

an andere verschenken.