Archive | November 2014

Hinhaltung

Hinhaltung

 

Was eigentlich hat Advent mit Liebe zu tun?

Womöglich mehr, als wir erhoffen.

 

Advent heißt Erwartung und Ankunft.

Und die Liebe möchte erwartet werden.

Und ankommen dürfen.

 

Die Liebesbeziehung

ist der wunderschönste Ort,

um sich auf einen spirituellen Weg zu begeben

und in ihr die Ankunft der Liebe zu erwarten.

(deswegen gibt es immer wieder Menschen,

die das Glück in der Liebesbeziehung suchen).

 

Gleichzeitig ist die Liebesbeziehung

der sicherste Ort, an dem es garantiert

die größtmöglichen emotionalen Schmerzen gibt.

(deswegen gibt es immer wieder Menschen,

die resigniert das Glück im Single-Dasein suchen).

 

Manche Paare

haben miteinander so viele Konflikte,

dass sie sich gegenseitig zum Wahnsinn treiben.

 

Manche Paare glauben,

dass man sich nur genug vorwerfen muss,

um Klarheit zu bekommen.

 

Um den Vorwurf zu verbildlichen,

könnten wir ihn uns vorstellen,

wie einen kleinen Ball.

Um diesen Ball vorzuwerfen,

müssen wir ihn in die Faust nehmen und schleudern.

Alles aber,

was wir in die Faust nehmen und schleudern,

hat mit Gewalt zu tun. Und mit Verletzung.

 

Stattdessen

könnten wir es mit einer Vorhaltung probieren.

Wir legen den Ball/Vorwurf

(Du hörst mir nicht zu)

auf die offene, ausgestreckte Hand.

Dann weiß der Partner,

dass es sich bei dieser Vorhaltung

um eine Selbstoffenbarung/Projektion handelt

(Ich höre Dir nicht zu).

 

Das Problem:

Beim Vorwurf verurteile ich den Partner.

Bei der Vorhaltung verurteile ich mich selbst.

 

Was bleibt?

Es bleibt die Erkenntnis,

dass wir Vorwürfe und Vorhaltungen

letztlich allein dafür einsetzen,

dass wir glücklich gemacht werden.

Und immer dann,

wenn wir glücklich gemacht werden wollen,

erwarten wir vom Partner,

dass der eine Lücke füllt,

die andere hinterlassen haben.

Dann tyrannisieren wir diesen Partner

mit unserer Sehnsucht nach Geliebtwerden.

 

Es gibt allerdings

nur eine einzige Funktion

und nur einen einzigen Grund

für eine Liebesbeziehung:

Glücklich zu machen !

(und nicht gemacht zu werden).

 

Bleibt dies:

Du öffnest die Faust.

Dann kullert der Ball

von der ausgestreckten Hand.

Diese nach oben offene, ausgestreckte Hand,

will weder etwas darreichen,

noch etwas bekommen.

 

Sie ist nach oben geöffnet.

Von oben, aus dem Herzen, kommen

Freude, Frieden und Liebe.

Das ist eine Aufhaltung.

 

Freude, Frieden und Liebe,

die Du unausrottbar und unverlierbar

in Deinem Herzen trägst,

fallen in Deine offene Hand.

 

In dieser Aufhaltung geschieht Advent.

 

Immer dann, wenn Du nichts bekommen

und nichts geben willst

und Dich im adventlichen Zustand

der Aufhaltung befindest,

strahlt die von Deinem Herzen gefüllte Hand

zurück in Dein Herz.

 

Und dann wird aus Deiner Aufhaltung

ganz automatisch

eine herzliche Hin–Haltung.

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Erfüllt

Erfüllt

 

Nehmen wir an,

wir hätten nur noch dieses Jahr zu leben.

Das wären 39 Tage.

 

Da würde ich gern noch etwas Besonderes

erleben, erschaffen, erkennen.

Etwas Besonderes hinterlassen.

Etwas Großes bewirken.

Etwas in Ordnung bringen.

 

Auf jeden Fall aber 39 Tage lang

heiter, gelassen, glücklich und zufrieden sein.

 

Nein, das würde mir nicht genügen.

Ich würde gern in meinen letzten Tagen

ganz tief und umfassend erfüllt sein.

 

Wie geht das?

Was würde ich tun oder lassen?

 

Vielleicht sollte es mit Meer, Schnee, neuen Schuhen,

Ferrari, Champagner oder Pralinen zu tun haben ?

 

Vielleicht erfülle ich mir die Sehnsucht nach

Tanzen, Spielen, Feiern oder barfuß im Regen lachen ?

 

Vielleicht gönne ich mir endlich Ruhe

beim Spazieren, Meditieren, Fernsehen,

oder Lesen vor dem Mittagsschlaf ?

 

Vielleicht nehme ich mir mehr Zeit für

Partner, Kinder, Eltern oder Freunde ?

 

Ich glaube, ich würde in diesen 39 Tagen

ein paar Mal jemanden glücklich machen wollen

durch Mitfühlen, Verstehen, Helfen oder Trösten

(ohne Egoismus, Rechthaberei und Unachtsamkeit).

 

Auf jeden Fall würde ich gut darauf achten,

dass ich in diesen 39 Tagen

niemanden zum Weinen bringe.

 

Und ich wüsste ziemlich genau,

was ich sein lassen und nicht mehr tun würde:

zur Arbeit gehen, Steuern erklären,

Verträge und Versicherungen abschließen,

Faltencremes kaufen, Sommerreifen lagern,

Tapeten wechseln, Keller entmisten,

Putzen und Aufräumen.

 

So oder irgendwie anders

wäre ich vielleicht

heiter, gelassen, glücklich und zufrieden.

 

Aber ich will doch in meinen letzten 39 Tagen

ganz tief und umfassend erfüllt sein…

 

Was ist mit dem ganzen Druck von

Hinterlassen, Bewirken, Erschaffen, Erleben, Erkennen

und in Ordnung bringen ???

 

Da fällt mein Blick zur Garderobe,

dorthin, wo meine Jacke hängt.

Mein Herz beginnt, etwas schneller zu klopfen.

 

Ich will meine Arbeit beenden,

dann den Tisch aufräumen.

Dann nehme ich eine Packung Pralinen

und mein Telefon.

Und Brot für die Pferde.

Ich schaue dankbar zurück

auf all das Schwere und all das Schöne.

Am Telefon will ich jemandem

ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Dann gehe ich mit einem guten Buch

zum Mittagsschlaf,

freue mich auf ein gutes Gespräch

und den Tatort.

 

Das fühlt sich

heiter, gelassen, glücklich und zufrieden an.

 

Wie eine gute Idee

für den ersten von 39 Tagen.

 

Und wenn ich da so hinein spüre

in mein heiter-gelassenes Glücklich- und Zufriedensein,

bin ich ganz erfüllt vom Erfülltsein.

 

Und will nicht mehr als das

erschaffen, erleben und erkennen,

hinterlassen, bewirken und in Ordnung bringen

als das,

was ich jetzt gerade erschaffe, erlebe und erkenne,

hinterlasse, bewirke und in Ordnung bringe.

 

Und spüre in Frieden,

wie Erfülltsein mich erfüllt.

Für weitere 3900 Tage ungefähr.

Oder diesen einen.

Augenhöhe

Augenhöhe

 

Lebkuchen gibt es ja auch schon seit August.

Ach lass sie doch…

Advent, Weihnachten, Tod und Auferstehung

gibt es ja auch jeden Tag.

Na dann – können wir auch schon mal über

Schneeflocken sprechen:

 

Schneeflocke kommt vom Himmel.

Schwebt ihren Weg.

Fällt hinein in die Gemeinschaft mit anderen.

Erleuchtet in Stille die Welt.

Stirbt in Frieden

und stillt in verwandelter Seinsweise den Durst anderer.

 

Schneeflocke schwebt mit dem Himmel

aus dem Himmel,

in vollkommender Akzeptanz dessen, was ist.

 

Schneeflocke tut nichts,

will nichts, fordert nichts,

will nichts bewirken.

Schwebt in Gegenwärtigkeit

und landet in Augenhöhe.

 

Schneeflocke

fragt weder nach Herkunft noch nach Ankunft,

auch nicht nach Art und Weise

von Start, Flug und Landung.

 

Schneeflocke sucht weder Zufriedenheit noch Frieden.

Weil sie in Zufriedenheit und Frieden schwebt.

 

Sie schwebt in der Gewissheit,

dass sie nicht tiefer fallen kann,

als in Augenhöhe.

 

Du kannst bei Schneeflocke

Deinen Namen einsetzen.

Oder den von irgendjemand oder irgendetwas.

 

Du und jemand oder etwas,

Ihr kommt vom Himmel,

schwebt Euren Weg

gleitet in Gemeinschaft

und lebt und sterbt in der Augenhöhe,

die den Durst anderer stillt.

 

Und statt bei Schneeflocke

Deinen Namen einzusetzen,

könntest Du auch die Verbundenheit mit ihr spüren.

Dann spürst Du Deine Verbundenheit

mit allem und jedem.

Und dann ist jedes Urteil,

jedes Wollen und Bewirken,

jedes Rechthaben und Besserwissen

aufgehoben und aufgelöst.

Weil Du auf Augenhöhe bist.

 

Im sanft getragenen Schweben

gibt es nichts zu tun.

Nicht, weil es Dir egal wäre

oder Du zu träge wärest,

sondern weil im getragenen Schweben

alles getan ist.

 

Du, Dein Partner, Deine Kinder, Deine Eltern,

Deine Freunde, Bekannte und Kollegen,

Ihr schwebt in Augenhöhe,

in liebevoll-schneeflockiger Akzeptanz.

 

Wenn Du

in dieser schwebenden Gegenwärtigkeit lebst,

verbunden mit der großen, atmenden Stille,

lösen sich Unfrieden und Unzufriedenheit auf

und verwandeln sich in den Frieden

der Augenhöhe.

 

Dieser Frieden der Augenhöhe

gilt auch für jeden Regentropfen,

jede Wolke und jeden Wind,

jeden Gedanken und jedes Gefühl,

jede Pflanze, jedes Tier und jeden Menschen,

der Dir als nächster begegnet.

 

Im aufgelösten und versöhnten Widerstand

spürst Du mit Deinem Frieden

den Frieden des anderen.

Und darin die Freude,

die von der Liebe kommt.

 

Und in ihr das sanft getragene Schweben

mit dem, dessen Frieden höher ist

als Vernunft und Verstand

und der mit Dir auf Augenhöhe

in die Gemeinschaft gleitet,

während er Dich gleichzeitig trägt,

durch Dich die Stille leuchten lässt,

Deinen Durst stillt

und mit ihm den anderer,

sodass allein die Gegenwärtigkeit bleibt,

mit der Du in den nächsten Augenblick schwebst.

Welt retten

Welt retten

 

Ich muss noch schnell die Welt retten.

Ja, wie das denn?

Wo doch alles immer schlimmer wird!

 

Vielleicht hat Erich Fromm recht:

wir müssten vom Haben zum Sein gelangen.

Also:

Ich habe ein Dach über dem Kopf,

genug zu essen, einen warmen Mantel.

Also bin ich ein Behauster, Gesättigter, Gewärmter

 

Und wir könnten ein wenig mehr St. Martin sein,

etwas mehr Sein als Haben.

Ein wenig mehr teilen.

 

Aber irgendwie wirkt das wie Moraldruck

gegen das schlechte Gewissen.

 

Vielleicht können wir von St. Martin lernen,

was er nicht war, hatte oder tat:

St. Martin wollte nicht die Welt retten.

Er hat sich nicht den Kopf zerbrochen,

ob er nach dem Teilen des Mantels frieren wird.

Oder ob der Obdachlose

mit dem halben Mantel immer noch friert.

St. Martin hat auch nicht sein Sein

durch sein Haben, Teilen und Tun definiert

(Ich bin ein sozialer Mantelteiler).

Er hat sich auch nicht den Kopf zerbrochen,

wie er glücklich sein und machen kann.

 

St. Martin kam angeritten,

hat seinen Mantel geteilt

und ist weiter geritten.

 

Das ist Akzeptanz in Vollendung.

Es ist, wie es ist.

 

Mit einiger Sicherheit

ist mehr Sein sinnvoller als mehr Haben.

Aber eher so:

Ich bin nicht

Behauster, Gesättigter und Gewärmter.

Und ich bin nicht

Kind, Elternteil, Partner, Freund oder Berufstätiger.

 

Wenn das so wäre,

verlöre ich meine Identität und mein Sein,

wenn ich eines davon nicht mehr hätte.

Wenn ich die Eltern, das Kind, den Partner,

den Freund oder den Beruf

verliere oder verlassen werde,

bin ich nicht ein Verlorener oder Verlassener.

 

Was ich allerdings immer sein kann ist der,

der seine Zufriedenheit

aus Akzeptanz bezieht

und damit Verantwortung

für sein Wohlbefinden wahrnimmt,

indem er sich als Verursacher seines Befindens versteht.

 

Bleibt wohl dies:

Ich will alles so haben, als hätte ich es nicht.

Denn:

Ich bin vollständig so, wie ich bin.

Auch ohne Eltern, Kind, Partner, Freund und Beruf.

 

Wir können nicht Haben oder Sein,

wenn wir nicht bereit sind,

all das auch nicht zu haben oder zu sein.

 

Eher sogar dies:

Wir werden sogar all das verlieren,

was wir nicht bereit sind nicht zu haben

oder zu teilen.

 

Vielleicht ist dies liebende Akzeptanz:

Wenn wir ALLES teilen,

Zärtlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebe, Haben und Sein,

könnte es geschehen,

dass wir zufrieden und glücklich sind.

Wahrscheinlich sogar mehr,

als wenn wir es ganz und gar für uns

hätten oder wären.

 

Und wenn das wahr ist

(und einiges spricht dafür),

könnte es geschehen,

dass uns mit dem halben Mantel

genau so warm ist, wie mit dem ganzen.

Weil Teilen beide wärmt.

 

Vielleicht ist dies die Akzeptanz,

die mich und andere glücklich macht:

Ich komme angeritten, teile und reite weiter.

 

Und in dem Moment, in dem ich aufhöre,

mit dieser Akzeptanz von Haben und Sein

die Welt retten und erlösen zu wollen,

kann das Wunder geschehen,

dass damit die Welt gerettet und erlöst wird.

Einzigartig

Einzigartig

 

Das hat bestimmt schon einmal jemand zu Dir gesagt:

„Du bist einzigartig“.

Und es tut gut, das zu hören,

ein schönes Kompliment.

 

Aber das ist nicht einfach nur ein Kompliment.

Es ist die objektive Wahrheit:

Es gibt Deinen Fingerabdruck nur einmal

unter sieben Milliarden Menschen.

Du bist einzigartig.

 

Hast Du das in seiner ganzen Tragweite schon

realisiert, verstanden, erfahren und erlebt?

Du bist einmalig einzigartig.

 

Wenn Du Dich einen Augenblick lang

auf diese objektive Wahrheit besinnst,

wird Dir vermutlich

ein kleiner Schauer der Erleuchtung

den Rücken hinunter rieseln.

 

Du liest diesen Text.

Und es gibt nur diese eine Person,

in dieser einen Situation, an diesem Ort,

in diesem einmaligen Augenblick, die diesen Text liest.

 

Niemand sonst

im gesamten Universum

sitzt in diesem Augenblick

auf diesem Stuhl, in diesem Haus

und versteht diesen Text so, wie Du.

Damit bist Du einzigartig.

 

Diese Erkenntnis könnte Dich berühren und bewegen.

Es könnte Verantwortung oder Dankbarkeit daraus erwachsen.

Oder Verantwortung UND Dankbarkeit.

 

Die Einzigartigkeit

Deiner Verantwortung und Dankbarkeit

für Deine Einzigartigkeit, könnte

Verantwortung und Dankbarkeit

in die Welt hinaus strahlen.

 

Die Dankbarkeit

für Deine Einzigartigkeit könnte bewirken,

dass Du im Frieden ruhst

und diesen Frieden in die Welt trägst.

 

Die Verantwortung für Deine Einzigartigkeit

könnte bewirken,

dass Du den nächsten Augenblick,

die nächste Situation, die nächste Begegnung

so gestaltest, dass Du

Verantwortung und Dankbarkeit

in die Welt hinaus strahlst.

 

Es wird einzigartig sein.

und egal, was Du tust oder lässt,

es wird die Welt bewegen, das ganze Universum.

 

Und ob Du die Gestaltung

Deiner einzigartigen

Verantwortung und Dankbarkeit

als Druck empfindest oder als Freiheit,

das entscheidest allein Du, einzigartig.

 

Du musst das nicht glauben oder verstehen:

Deine Einzigartigkeit

ist so einmalig, unverwechselbar, vollkommen einzigartig,

dass Du keine mühsame Verantwortung tragen musst,

weder für Dich, noch für andere.

 

So, wie Du jetzt gerade da bist,

strahlt Deine Einzigartigkeit in die Welt

und bewegt und berührt das ganze Universum.

Das musst Du nicht glauben oder verstehen.

Das ist so.

 

Warum ist das so?

Du bist mit Deiner Einzigartigkeit

so geschaffen worden,

dass Du die Liebe,

die das ganze Universum zusammenhält,

in jedem Augenblick,

in jeder Situation und an jedem Ort,

immer bei Dir hast.

Da kannst Du nichts machen.

Du kannst es nicht verhindern.

Egal, was Du tust oder lässt.

 

Nein, das ist nicht die romantische Liebe.

Es ist die Liebe, die trennt und verbindet,

unabhängig von Deinem Tun oder lassen.

 

Ja, das ist fremdbestimmt.

Die Liebe strahlt Deine Einzigartigkeit hinaus

und erleuchtet die Welt.

 

Da kann es leicht geschehen,

dass Dir ein kleiner Schauer der Erleuchtung

den Rücken hinunter rieselt.