Welt retten

Welt retten

 

Ich muss noch schnell die Welt retten.

Ja, wie das denn?

Wo doch alles immer schlimmer wird!

 

Vielleicht hat Erich Fromm recht:

wir müssten vom Haben zum Sein gelangen.

Also:

Ich habe ein Dach über dem Kopf,

genug zu essen, einen warmen Mantel.

Also bin ich ein Behauster, Gesättigter, Gewärmter

 

Und wir könnten ein wenig mehr St. Martin sein,

etwas mehr Sein als Haben.

Ein wenig mehr teilen.

 

Aber irgendwie wirkt das wie Moraldruck

gegen das schlechte Gewissen.

 

Vielleicht können wir von St. Martin lernen,

was er nicht war, hatte oder tat:

St. Martin wollte nicht die Welt retten.

Er hat sich nicht den Kopf zerbrochen,

ob er nach dem Teilen des Mantels frieren wird.

Oder ob der Obdachlose

mit dem halben Mantel immer noch friert.

St. Martin hat auch nicht sein Sein

durch sein Haben, Teilen und Tun definiert

(Ich bin ein sozialer Mantelteiler).

Er hat sich auch nicht den Kopf zerbrochen,

wie er glücklich sein und machen kann.

 

St. Martin kam angeritten,

hat seinen Mantel geteilt

und ist weiter geritten.

 

Das ist Akzeptanz in Vollendung.

Es ist, wie es ist.

 

Mit einiger Sicherheit

ist mehr Sein sinnvoller als mehr Haben.

Aber eher so:

Ich bin nicht

Behauster, Gesättigter und Gewärmter.

Und ich bin nicht

Kind, Elternteil, Partner, Freund oder Berufstätiger.

 

Wenn das so wäre,

verlöre ich meine Identität und mein Sein,

wenn ich eines davon nicht mehr hätte.

Wenn ich die Eltern, das Kind, den Partner,

den Freund oder den Beruf

verliere oder verlassen werde,

bin ich nicht ein Verlorener oder Verlassener.

 

Was ich allerdings immer sein kann ist der,

der seine Zufriedenheit

aus Akzeptanz bezieht

und damit Verantwortung

für sein Wohlbefinden wahrnimmt,

indem er sich als Verursacher seines Befindens versteht.

 

Bleibt wohl dies:

Ich will alles so haben, als hätte ich es nicht.

Denn:

Ich bin vollständig so, wie ich bin.

Auch ohne Eltern, Kind, Partner, Freund und Beruf.

 

Wir können nicht Haben oder Sein,

wenn wir nicht bereit sind,

all das auch nicht zu haben oder zu sein.

 

Eher sogar dies:

Wir werden sogar all das verlieren,

was wir nicht bereit sind nicht zu haben

oder zu teilen.

 

Vielleicht ist dies liebende Akzeptanz:

Wenn wir ALLES teilen,

Zärtlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebe, Haben und Sein,

könnte es geschehen,

dass wir zufrieden und glücklich sind.

Wahrscheinlich sogar mehr,

als wenn wir es ganz und gar für uns

hätten oder wären.

 

Und wenn das wahr ist

(und einiges spricht dafür),

könnte es geschehen,

dass uns mit dem halben Mantel

genau so warm ist, wie mit dem ganzen.

Weil Teilen beide wärmt.

 

Vielleicht ist dies die Akzeptanz,

die mich und andere glücklich macht:

Ich komme angeritten, teile und reite weiter.

 

Und in dem Moment, in dem ich aufhöre,

mit dieser Akzeptanz von Haben und Sein

die Welt retten und erlösen zu wollen,

kann das Wunder geschehen,

dass damit die Welt gerettet und erlöst wird.

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