Weihnachtsdüfte

Weihnachtsdüfte

 

Was haben wir denn da angerichtet, sprach der Herr,

als er die Menschen sah, die er geschaffen hatte.

Wir wollten doch ebenbürtige Partner,

Menschen, die so sind wie wir.

Uns war doch klar,

dass auch unser eigener Sinn nur aus Beziehung zu beziehen ist.

Und nun? Was haben wir da?

Wir haben

Kriegstreiber, Religionsfanatiker, Hungerverursacher,

Totschläger, Einsamkeitsstifter und Seelenmörder.

 

Was tun?

Wir könnten ihnen noch einmal zeigen,

wer wir wirklich sind, wir und sie:

liebenswerte, liebevolle, unschuldige Kinder.

Ein guter Plan:

Wir wollen es noch einmal Weihnacht werden lassen.

 

Da beschloss Gott,

seine Allmacht einzutauschen

gegen die hilflose Unschuld eines Kindes.

 

Und da machten sich auf

auch Josef aus Nazareth,

die Hirten vom Felde,

die Könige und Präsidenten aus fernen Ländern

und Christian aus Dreieich

um zu sehen, was geschehen ist.

 

Und es geschah,

dass ich mich besann, auf meine erste Stunde

und auf meine kommende letzte.

Was habe ich alles erlebt?

Was werde ich vermissen?

Haus, Auto, Besitz,

Musik, Kunst, Bildung, Beruf,

Berge, Meere, Sonnenuntergänge,

Zärtlichkeit, Lust, Schönheit und Heiterkeit.

 

Einiges davon habe ich allein erlebt,

anderes in Beziehung.

 

Eines aber,

das für immer in mein Herz gebrannt ist,

als Erfahrung glückseliger Nähe,

ist der Duft

einer kindlichen Wange

nach dem Erwachen.

 

Dieser warme und weiche Duft

ist nicht zu vergleichen

mit all dem, das ich vielleicht vermissen werde.

Er ist nicht mit dem Verstand zu verstehen

und er hat nicht das Geringste mit Vernunft zu tun.

 

Vielleicht aber hat er mit Weihnachten zu tun.

 

Es ist der Duft des Erwachens, der Unschuld, der Freude,

der Nähe, der Gemeinschaft, der Zusammengehörigkeit, der Liebe.

 

Es ist die Gnade des Geheimnisses,

das nicht verstanden werden will.

 

Es ist wie Weihnachten,

wenn Geben und Empfangen so sehr verschmelzen,

dass sie nicht mehr getrennt werden können.

Das ist mit dem Verstand nicht zu verstehen

und hat mit Vernunft nicht das Geringste zu tun.

 

Wer nach der Bedeutung von Weihnachten

und dem Duft kindlicher Wangen sucht,

zerstört das Geheimnis von beiden.

 

Und so, wie wir das Geheimnis der Weihnacht zulassen,

um das Geheimnis himmlischer Herzenswärme zu erfahren,

dürfen wir das Geheimnis duftender Wangen erleben

um das Geheimnis der Weihnacht zu erfahren.

 

Weihnachten ist die Einladung zum Schnuppern.

Im Duft von Tannen, Kerzen, Braten und Lebkuchen

und dem Duft der Wange eines Geliebten,

öffnet sich die Erfahrung,

dass jeder Mensch auf dieser Welt,

der morgens erwacht,

nach Unschuld, Herzenswärme und Liebe duftet.

Das gilt auch für

Kriegstreiber, Religionsfanatiker, Hungerverursacher,

Totschläger, Einsamkeitsstifter und Seelenmörder.

 

Für meine erste Stunde erfüllt mich Dankbarkeit

für duftende Wangen.

Und für die Zeit nach meiner letzten Stunde

wünsche ich mir diese Grabsteininschrift:

 

Er liebte himmlische Düfte.

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