Archive | Januar 2015

Je suis l`amour

Je suis l`amour

 

Heute Morgen habe ich mich gefragt,

welche wohl meine fünf stärksten Gefühle sind.

Vielleicht diese:

Angst, Wut, Traurigkeit, Scham und Schuld.

 

Oh, wie peinlich, dachte ich.

Freude, Frieden, Dankbarkeit, Glück und Zugehörigkeit

waren gar nicht dabei.

 

Und Liebe.

Wo ist eigentlich die Liebe ?

 

Ich schäme mich.

Sollte ich mich schämen?

 

Da drängt sich wieder ein „negatives“ Gefühl in den Vordergrund.

Ist es denn tatsächlich so,

dass sich negative Gefühle in den Vordergrund drängen ?

 

Muss ich mich schämen ?

Ich glaube nicht.

 

Ich glaube, es ist eine Frage von Haben oder Sein.

Oder vielleicht eine von Tun oder Lassen.

 

Tatsächlich HABE ich manchmal Gefühle von

Angst, Wut, Traurigkeit, Scham und Schuld.

Aber ich BIN das nicht.

 

Tatsächlich HABE ich manchmal Gefühle von

Freude, Frieden, Dankbarkeit, Glück und Zugehörigkeit.

Aber ich BIN das nicht.

 

Und ja, tatsächlich:

Ich mache mir und anderen Angst.

Ich mache mich und andere traurig und wütend.

Ich gebe mir und anderen die Schuld.

Ich bringe mir und anderen Freude, Frieden und Glück.

 

Aber:

Muss ich Liebe machen ?

Muss ich Liebe geben, bringen oder fordern ?

 

Nein ! Wie das ?

 

Die Liebe

ist die einzige unter den vielen,

die wir unbedingt direkt mit Gefühlen verbinden wollen.

 

Aber die Liebe ist die einzige,

die KEIN Gefühl ist.

Die Liebe ist eine Seinsweise.

Die einzige menschliche Seinsweise.

 

Da bleibt nur dies:

Ich, der Mensch, ich BIN die Liebe.

 

Jeder Mensch hat das schon erlebt:

Ich bin die Liebe.

 

Manchmal komme ich nicht dran,

weil sie ein wenig verdeckt ist,

von all den vielen Ich habe und Ich tue

(Angst, Wut, Glück und Freude).

Dann wird das Ich bin zugedeckt vom Ich habe und Ich tue.

 

Wenn Liebe

etwas zu tun hat mit Tun oder Haben,

dann hat sie mit Angst zu tun

(ein unmöglicher Widerspruch),

weil wir glauben, sie nicht zu haben oder zu wenig davon.

 

Dann müssen wir uns um sie bemühen,

viel Gutes tun, um sie zu finden

oder uns anstrengen, um sie zu behalten.

 

Dann suchen wir die Liebe

bei Eltern, Kindern oder Partnern,

in sozialen Berufen, Ehrenämtern oder Religionen.

Oder wir werden

Pädagogen, Politiker, Therapeuten, Islamisten, Karikaturisten

oder Gutmenschen.

 

Wir strengen uns an bis zur Erschöpfung,

bringen die Liebe, fordern sie

oder lassen für sie unser Leben.

 

All das nur,

weil wir die Liebe unbedingt

mit einem guten Gefühl verbinden wollen,

im Tun oder Bekommen oder Haben.

Und all das kommt von der Angst.

Die Angst, die ich manchmal HABE, aber nicht BIN.

 

Ich BIN die Liebe.

Je suis l`amour.

 

Wenn ich die Liebe, die ich bin

hin und wieder ein wenig durchstrahlen lasse,

spüren wir beide gemeinsam unsere Verbundenheit.

(und das darf sich ruhig auch ein wenig schön anfühlen).

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weil immer beides stimmt

weil immer beides stimmt

 

oder

die unerträgliche Leichtigkeit der Gleichzeitigkeit.

 

Ich bin in ganzer Ich-Vergessenheit und ganz bei mir.

Oder ganz bei Dir.

Ich bin in ganzer Du-Vergessenheit und ganz bei Dir.

Oder ganz bei mir.

 

Das heißt:

Ich will weder Dich glücklich machen (Du-Vergessenheit)

noch mich (Ich-Vergessenheit)

noch uns (Sinn- und Zweck-Vergessenheit).

 

Was bleibt?

Dies:

Gutes tun geschehen lassen.

 

Ich will Dir, mir und uns dienen

und Gutes tun geschehen lassen,

indem ich Dir, mir und uns

nicht mehr dienen will

um Gutes zu tun, zu bewirken, zu erzielen.

Ich will das Gute tun geschehen lassen.

 

Geschehen lassen geschieht,

wenn ich nichts mehr will,

weil ich alles will.

 

Im Geschehen lassen

wird mir die Balance geschenkt

von Tun und Lassen.

Und das

weder im wechselnden Nacheinander

noch im Entweder – Oder.

 

Balance heißt:

Im Tun ist das Lassen.

Im Lassen ist das Tun.

 

Dieses gleichzeitige Tun und Lassen

dient sowohl der Liebe,

als auch der Arbeit.

Arbeit und Muße sind in Balance,

schwingen ineinander,

ohne sich zu vermischen.

 

Arbeit, die sinnvoll ist,

weil sie weder Belastung, Erschöpfung noch Maloche ist,

beinhaltet Muße.

Und Muße, die sinnvoll ist,

weil sie weder Trägheit, Wellness, noch Ablenkung ist,

beinhaltet Arbeit.

 

Wenn ich in Sorge um mich bin,

drehe ich mich zu sehr

um meine Liebe und meine Arbeit.

Wenn ich in Sorge um Dich bin,

drehe ich mich zu sehr

um Deine Liebe und Deine Arbeit.

 

Aber in Ich-Vergessenheit und Du-Vergessenheit

geschieht es als ein Geschenk,

dass ich ganz bei mir und ganz bei Dir bin.

 

Das tiefe, versöhnte, verbundene Sein in Frieden

(ohne Haben, Tun und Bewirken)

geschieht meditativ nach innen hin zu mir

und verantwortlich nach außen hin zu Dir.

Es ist himmlisch ganz über mich hinaus

und irdisch ganz auf meinem und Deinem festen Boden.

 

Wenn ich nicht mehr glücklich werden,

und Dich nicht mehr glücklich machen will,

wird uns Glücklichsein geschenkt (Dir, mir und uns).

 

Kannst Du Dich nicht ganz vergessen,

kannst Du all Dein Gutes tun und lassen

ganz vergessen.

 

Und kannst Du den anderen nicht ganz vergessen,

kannst Du all Dein Gutes tun und lassen

ganz vergessen.

 

Bist Du in ganzer Ich- und Du-Vergessenheit,

dann bist Du in ganzer Ich- und Du-Zuwendung,

in beider allerhöchstem Interesse.

 

So bist Du ganz im Sein.

Und da wird Freude sein,

tiefe, weite, umfassende, tragende Freude.

Und die ist immer Geschenk.

Freude kannst Du weder machen, noch fordern.

Freude kommt vom Geschehenlassen.

 

Willst Du tief erfüllende Freude,

eine die gültig zählt

und die letztgültig zählt,

dann lass sie als Geschenk geschehen.

 

Und dann geschieht,

dass immer beides stimmt.

Charlie

Charlie

 

Das waren große Gefühle.

Viele Millionen Menschen

in Paris, anderen Großstädten und an den Bildschirmen

verbunden und vereint in Trauer

über die Opfer der Attentate vom 7. Januar

und im gemeinsamen Kampf

für den Erhalt von Presse- und Meinungsfreiheit.

 

Ich finde in mir

keinen einzigen Grund des Verständnisses

für solche abscheuliche Taten der Terroristen,

stattdessen finde ich in mir Gefühle von Hass, Rache und Angst.

Und erlebe,

wie diese Gefühle meine Seele verstören und aufwühlen.

 

Und so wage ich

ohne jegliches Verständnis

den Zugang über das Verstehen

(und spüre sogleich das hauchdünne Eis, auf dem ich gehe):

 

Vielleicht waren die Täter

geblendet und verblendet von verführerischen Führern,

vielleicht waren sie voller Hass, Rache und Angst.

 

So, wie ich jetzt ihnen gegenüber.

 

Wenn mein Gott, sein Prophet, der Sohn Gottes,

derart verunglimpft würden,

wie der Prophet des Islam in den Karikaturen von Charlie,

wäre ich verletzt und gekränkt.

Woher habe ich die Hemmschwelle,

diese Kränkung nicht mit Gewalt zu rächen ?

Bin ich besser sozialisiert, gebildeter, reflektierter, liebevoller,

sozialer, weniger gläubig oder einfach nur insgesamt besser ?

Oder hatte ich einfach nur mehr Glück ?

 

Gott sei Dank

gibt es hier Presse- und Meinungsfreiheit,

die Grundlage der Demokratie.

 

In dieser Meinungsfreiheit darf ich sagen:

Die Geschichte meiner Religion

ist durchzogen von Mord, Totschlag und Terror.

Und es gehört zu meiner Meinungsfreiheit,

mich vergleichen zu dürfen:

Ich habe unzählige Menschen

verunglimpft, verurteilt, verletzt und gekränkt,

vielleicht sogar ihre Seele getötet.

 

Der Preis der Presse-und Meinungsfreiheit ist hoch:

Die Judenverfolgung in meinem Land

begann mit Karikaturen über Juden.

Ich hätte damals gelacht über die Karikaturen,

hätte Judenwitze erzählt

und mich dann an der weiteren Judenverfolgung beteiligt.

 

Bis heute gibt es in meinem Land Zeitungen,

die Menschen durch Text und Bild

verunglimpfen, verletzen, kränken, verurteilen, isolieren

und in den Selbstmord treiben.

Und mit jeder meiner Zustimmungen

zu solchen Texten und Bildern,

mit jeder meiner Solidaritäten mit Hass, Rache und Angst

bin ich an der Verurteilung und Verfolgung beteiligt

und zerstöre andere Seelen. Und meine.

 

Die Pressefreiheit und meine Meinungsfreiheit

haben mich oftmals geblendet und verblendet.

Manchmal genieße ich sogar Hass und Rachegefühle.

Vielleicht um meine von anderen geschürte Angst

zu kompensieren, zu reduzieren oder zu heilen.

 

Nein, ich bin nicht Charlie.

Und ich bin gleichzeitig zutiefst dankbar

für Presse- und Meinungsfreiheit.

Ich kann diesen Widerspruch nicht auflösen.

 

Aber ich will lernen und üben

meine Verblendungen zu verstehen.

Ich will lernen und üben

niemanden zu verurteilen,

weder verblendete Islammisten,

noch verblendete Karikaturisten,

noch mich selbst.

 

Ich will die Taten verurteilen,

die der Terroristen,

die der Karikaturisten

und meine eigenen.

Damit es nicht wieder geschieht.

Aber nicht die Menschen !!!

Ich will die Menschen nicht verurteilen.

 

Ermordete, Angehörige, Mörder, Karikaturisten und ich,

wir werden gemeinsam in ewigem himmlischen Frieden ruhen.

 

Ich gebe zu:

Das ist ein Skandal.

Ja, die frohe Botschaft der Versöhnung ist ein Skandal.

Erstaunlich,

dass ein Skandal meine Seele ein klein wenig beruhigt.