Resilienz

Resilienz

 

Manchmal sind wir

träge, lustlos, kraftlos, müde und ausgebrannt.

Körperliche Symptome stellen sich ein.

Es ergreift uns ein Gefühl von Sinnlosigkeit.

 

Es ist,

als säßen wir vor einer unüberwindbaren Mauer.

Wir haben es doch oft genug probiert,

die Mauer ist zu hoch, die Herausforderung zu groß,

wir schaffen es nicht.

 

Bei unserem andauernden, erfolglosen Versuch,

die Mauer zu überwinden,

haben wir uns blutende Wunden zugezogen.

 

Und während wir vor der Mauer sitzen,

um die Wunden ausheilen zu lassen,

spüren wir intuitiv,

dass das Anstrengendste in unserem Leben

die Anstrengungsvermeidung ist,

die Angst vor dem nächsten Versuch.

 

In den stillen Stunden des Leidens und des Heilens

beginnen wir zu träumen.

Wehmütig und verzweifelt träumen wir von

Resilienz.

Jener wunderbaren Eigenschaft,

die wir unseren Kindern mitgegeben haben

und auf die wir nun nicht zurückgreifen können.

 

Wir betrachten unsere Kinder,

mit ihrem Optimismus, ihrer Spielfreude, ihrer Lebenslust.

Wir sehen ihre tragenden Beziehungen,

ihre hinreißenden Kompetenzen,

ihre ermutigenden Werte,

ihre Verantwortlichkeit für sich und andere

ihre Träume und Visionen von einer besseren Welt.

 

Und wir selbst

können auf all diese wunderbaren Eigenschaften

von Resilienz,

von Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit,

nicht zurückgreifen,

weil die Mauer zu hoch ist.

 

Wir warten darauf,

dass die Resilienz,

die ganz offensichtlich nicht angeboren ist,

vom Himmel fällt.

Auf einmal,

während wir vor der Mauer sitzen

und verzweifelt resignieren,

geschieht das Wunder:

 

Es ist dieses Gefühl von Sinnlosigkeit,

das vom Himmel gefallen ist.

 

Ich muss Verzweiflung nicht bekämpfen

und Resilienz nicht erzwingen.

Es ist mir in tiefster Sinnhaftigkeit erlaubt,

träge, lustlos, kraftlos, müde und ausgebrannt zu sein.

 

Genau das ist mein größtes Geschenk:

Das akzeptierte Sinnlosigkeitsgefühl

ist die Wende

zur Sinnfindung.

 

Und ich erkenne:

die wörtliche Übersetzung von Resilienz

ist Abprallen,

zurück geworfen werden.

 

Das heißt:

Die Mauer ist mein Segen.

 

Ich werde von der Mauer zurück geworfen,

zurück zu meiner ursprünglichen Ausgeglichenheit,

in der ich Kraft sammle,

die Mauer zu erklimmen,

zu umgehen,

einzureißen

oder zu überspringen.

Hin zu einer

noch ausgewogeneren Ausgeglichenheit.

Welch ein Geschenk.

 

In dieser Wende, meiner Hinwendung

zu meiner ursprünglichen und meiner neu gewonnenen

Ausgeglichenheit,

erkenne ich die Liebe,

die auszudrücken

ich auf diese Welt gekommen bin.

 

Mit dieser Liebe

will ich gütig und freundlich

Menschen begleiten,

die vor ihren Mauern sitzen.

Ich will ihren Garten nicht mit meinem Mist düngen.

Aber ich will meinen Schoß hinhalten,

damit sie ihren Kopf hinein legen können.

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