Unschuldig

Unschuldig

Es ist die sogenannte Schuldfrage

die unsagbar großes Leid bringt,

in unser Leben, in unsere Beziehungen, in die ganze Welt.

Wir machen mit Selbstvorwürfen unser eigenes Leben zur Hölle

und mit Vorwürfen das Leben unserer Mitmenschen.

Wir brauchen nicht auf die Hölle zu warten,

die schaffen wir uns selbst.

Gleichzeitig sehnen wir uns so sehr

nach dem Himmel auf Erden.

Wir sehnen uns so sehr nach der Liebe und dem Glück,

die beiden, die sich gegenseitig bedingen.

Stattdessen stellen wir unentwegt die Schuldfrage.

Dabei ist der Ausweg aus diesem Dilemma

ganz einfach und ganz naheliegend:

Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen

Schuldigsein und Schuldigbleiben,

das sind zwei vollkommen unterschiedliche Phänomene.

Wenn wir irgendwelche Texte lesen,

Romane, Gedichte, Ratgeber, Zeitungen oder Heilige Schriften,

finden wir klare Definitionen für Schuld.

Dadurch wissen wir ziemlich genau,

was gut ist und was böse, was falsch ist und was richtig.

Da ist es manchmal vernünftig, bei klarem Verstand zu sein.

Wir können solche Texte aber auch mit dem Herzen lesen,

da wäre es ziemlich unvernünftig, bei klarem Verstand zu sein.

Wir würden dann entdecken,

dass Menschen unentwegt irgendetwas schuldig bleiben,

Mitgefühl, Verbundenheit, Güte, Sanftmut, oder Liebe.

Dadurch aber grundsätzlich nicht schuldig sind.

Wenn wir mit dem Herzen lesen,

denken, fühlen, handeln und leben würden,

würden wir realisieren,

dass wir Menschen grundsätzlich etwas schuldig bleiben

und dabei grundsätzlich unschuldig sind.

Das wäre das grundsätzliche Ende

von Selbstverurteilung und Verurteilung anderer.

Wir könnten mit dieser Erkenntnis innerhalb einer Sekunde

erleichtert und befreit aufatmen.

Wir könnten, endlich befreit von der Schuldfrage,

die Verantwortung übernehmen

für unser Lesen, Denken, Fühlen, Handeln und Leben.

Und endlich erleichtert und befreit die Konsequenzen tragen

für unser Lesen, Denken, Fühlen, Handeln und Leben.

Wir könnten sagen:

Besser konnte ich es nicht, besser konnte er/sie es nicht.

Wir haben es mit dem Verstand versucht.

Jetzt wollen wir es mit dem Herzen tun.

Ohne Vorwurf und Selbstvorwurf wäre auf einmal alles anders:

Die Regierungschefin, die Waffen verkauft

und in den Krieg zieht…

Sie muss mit Verstand regieren,

genauso, wie diese Welt eben funktioniert.

Sie muss dadurch sich und anderen etwas schuldig bleiben.

Ohne schuldig zu sein.

Du und Ich:

von morgens bis abends bleiben wir Liebe schuldig,

den Kindern, den Eltern, den Partnern, den Kollegen, den Nachbarn,

den Hungernden, den Flüchtlingen, den Armen und den Kranken.

Wir können nicht anders.

Wir müssen unentwegt irgendetwas schuldig bleiben.

Ohne schuldig zu sein.

Und hier ist das Geheimnis von Saint-Exupery:

Man sieht nur mit dem Herzen gut.

In dem Augenblick,

in dem ich alle Dinge und alle Menschen mit dem Herzen anschaue

und die grundsätzliche Unschuld von Menschen annehme,

fällt mir wie ein Zu-Fall irgendeine kleine Aufgabe zu,

durch die ich irgendeinem Menschen

mit irgendeinem ganz kleinen Liebesdienst,

irgendetwas ein klein wenig weniger schuldig bleibe.

Ohne dabei schuldig zu sein.

Und da ist dann der Himmel auf Erden.

Auch den „schaffen“ wir uns selbst.

Indem wir unser Herz öffnen,

in dem er ein für alle Mal aufbewahrt ist.

Als unschuldige und freie Menschen,

die nicht mehr gefangen sind von Vorwurf und Selbstvorwurf,

haben wir die freie Wahl zwischen Himmel und Hölle.

Nur in dem einen bleibt uns keine freie Wahl:

nachdem wir gewählt haben,

müssen wir die Konsequenzen tragen.

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