Sinnvoll wünschen

Sinnvoll wünschen

Übermorgen ist schon wieder ein halbes Jahr vorbei.

Zeit, mal wieder Bilanz zu ziehen.

Ging es bergauf und geht es nun bergab?

Noch scheint die Sonne,

aber schon bald gibt es wieder Lebkuchen.

Haben sich Wünsche erfüllt?

Welche sind noch offen?

Wahrscheinlich ist es gut,

Wünsche, Träume, Ziele und Visionen zu haben.

Es könnte allerdings auch sein,

dass das Wünschen glücklicher macht,

als dessen Erfüllung.

Weltweit nehmen sich in einem Jahr

eine Million Menschen das Leben.

Dabei ist die Suizidrate in den reichen Ländern

dreimal so hoch wie die in den armen Ländern.

(Ganz nebenbei: die Sterblichkeitsrate

liegt auch bei den Lottogewinnern bei 100%).

Da könnte es hilfreich sein,

unsere Wünsche, Träume, Ziele und Visionen

zu überprüfen,

ihre Relativität zu erkennen

und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Die einen träumen davon

Familie, Beruf, Haus und Reichtum zu haben.

Und wenn ihre Träume erfüllt sind stellen sie fest:

Alles, was ich habe, will etwas von mir.

Deswegen träumen die anderen davon,

keine Familie, keinen Beruf,

kein Haus und keinen Reichtum zu haben.

Der eine läuft zwei Tage durch die Wüste

und sehnt sich nach nichts mehr, als nach Wasser.

Der andere fällt im Sturm über die Reling

und sehnt sich nach nichts weniger, als nach Wasser.

Der eine schreibt dreihundert Bewerbungen,

der andere quält sich zur unerfüllten Existenzsicherung.

Der eine erlebt in Beziehung die Hölle der Einsamkeit,

der einsame Single ersehnt den Himmel der Zweisamkeit.

Es hilft nichts,

Wünsche sind relativ.

Das Glas ist halbvoll oder halbleer.

Wenn es zu heiß wird

(im Haus, im Beruf oder in der Beziehung)

brauchen wir Abkühlung

(ein Fenster, eine Klärung oder eine Selbstbesinnung).

Wenn es zu kalt wird

(im Haus, im Beruf oder in der Beziehung)

brauchen wir Wärme

(eine Wolldecke, einen Sinn oder eine Berührung).

Bleibt wohl dies:

Himmel und Hölle

sind weder Qualitäten für die Zeit nach dem Verbleichen,

noch Verordnungen für die Zeit davor.

Himmel und Hölle

sind Zustände,

die wir in Freiheit selbst verantworten dürfen.

Wir selbst haben die Schlüssel zu den beiden Türen.

Falsch verstanden

klingt dies wie die Verordnung,

schon wieder alles alleine regeln zu müssen.

Haben wir es nicht endlich mal verdient,

dass uns jemand das Fenster öffnet

oder uns mit der warmen Wolldecke zudeckt?

Haben wir nicht das gute Recht,

nach so vielen Zeiten des Mangels endlich

das Leben und volle Genüge geschenkt zu bekommen?

In der Hölle sitzen die Menschen bei Tisch

einander gegenüber

und haben Löffel, die einen Meter lang sind.

Und verhungern.

Oder sie warten,

dass der, der gegenüber sitzt, sie füttert.

Und verhungern.

Im Himmel sitzen die,

die ihr Gegenüber füttern,

mit den Löffeln, die einen Meter lang sind.

Diese Gefütterten

sind im selben Augenblick

so voller Liebe, Glück und Dankbarkeit,

dass sie ihre Gegenüber füttern.

Das wünsche ich mir für das zweite halbe Jahr:

Durch Füttern satt sein.

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