Carpe Diem

Carpe Diem

Es gibt ja so Tage,

an denen Du morgens aufwachst.

Erfrischt oder erschöpft oder irgendwie.

Eventuell freust Du Dich über das Aufwachen

oder auch nicht.

Wenn Du ein weiser und mitfühlender Mensch bist

(und Dir leere Kindermägen, volle Hundeblasen

und dringende Pflichten

nicht die Bettdecke wegziehen),

bleibst Du noch einen Augenblick liegen

und schaust Dich um:

Das Haus gegenüber steht noch da.

Der Schrank steht noch da.

Der Partner liegt noch da.

(Eventuell bist Du froh,

dass er immer noch da ist. Oder auch nicht.)

Vielleicht liegt er nicht da

und ist trotzdem noch da.

Eventuell liegen da auch noch einige Ex-Partner…

Ein neuer Tag jedenfalls.

Kein Blitzeinschlag,

kein Raketeneinschlag,

kein Hitzschlag,

kein Erdbeben.

Nur ein kleiner Hunger und Kaffeedurst.

Kein Grund zur Flucht.

Eventuell hast Du vor dem Kaffee

noch einen Augenblick Zeit zum Nachdenken.

Über das, was gestern schön war und was nicht.

Oder über das, was morgen schön sein wird

und was nicht.

Und während Du so

grübelst, hörst und spürst, entdeckst Du dies:

Die Wirklichkeit, die Du gerade erlebst,

ist gar nicht die wahre Wirklichkeit.

Es ist DEINE Wirklichkeit.

Innerhalb weniger Sekunden

hast Du Dir eine Wirklichkeit geschaffen,

die zu tun hat mit

Liebe, Familie, Haustieren und Nachbarn.

Mit Hoffnungen, Befürchtungen, Ängsten,

Not, Elend und Kaffee.

Mit der Frage, ob Du gehst oder bleibst.

Mit der Frage,

ob die Vergangenheit sich in der Zukunft

wiederholen soll oder lieber nicht.

Deine Wirklichkeit ist die Wirklichkeit

Deiner Bewertungen und Beurteilungen.

Vielleicht bist Du auch deswegen morgens

ein wenig erschöpft.

Nehmen wir einmal an,

der Sinn des Lebens

liegt tatsächlich im Augenblick

(ohne die Vergangenheit, die es nicht mehr gibt

und ohne die Zukunft, die es noch nicht gibt),

dann bleibt eventuell dies:

In der Nachbarschaft weint ein Kind.

Ich schicke ihm meinen Segen,

damit jemand kommt, der es tröstet.

Die Wespe fliegt immer wieder gegen die Scheibe,

ich öffne ihr das Fenster und wünsche ihr

einen Platz himmlischen Friedens.

Ich schaue auf Dein Foto

und schicke Dir meine Liebe.

In diesem Augenblick erlebe ich

ein Stück der wahren Wirklichkeit:

Mitgefühl, Frieden und Liebe.

Carpe Diem heißt nämlich gar nicht

„Nutze den Tag“

(da ist schon wieder so viel Leistung drin…)

Carpe Diem heißt wörtlich

„Pflücke den Tag“ !!!

Ich pflücke, teile und genieße.

Ich bin da aufgewacht, wo ich sein soll,

mit all denen, die da sein sollen.

Ich koche Kaffee,

mir, Dir oder uns.

Mal sehen, was passiert.

Ich warte nicht mehr auf Erleuchtung.

Ich bin ein aufgeweckter, erwachter Erleuchteter.

Vielleicht ist morgen ein Tag,

an dem wir morgens wieder aufwachen.

Komm, lass uns diesen Tag pflücken

und zusammen leuchten.

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