Gutes tun

Gutes tun

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Was mag sie wohl bedeuten,

diese edle Volksweisheit?

Geht es dabei um Ethik, um ein Lebenskonzept,

um Weltverbesserung, um Moral,

um das Realisieren von Werten und Normen,

um das Praktizieren von Grundbedürfnissen

und Grundbefindlichkeiten?

Um Frieden in der Welt?

Oder um Liebe?

Ich denke an Mütter

im Umgang mit ihren Kindern:

Ich kenne keine Mutter,

die gesagt, gedacht oder gefühlt haben würde:

Ich muss unbedingt mal etwas Gutes tun,

muss mal die Kinder füttern, trösten

und in den Schlaf wiegen.

Ich kenne keine Erzieherin,

die gesagt, gedacht oder gefühlt haben würde:

Ich muss unbedingt mal etwas Gutes tun,

muss mal singen, spielen, Freude machen,

begleiten und erziehen.

Als mein Enkel neulich minutenlang

auf mir herum getrampelt ist

und wir gequietscht haben vor Freude,

habe ich keine Sekunde lang gedacht:

ich muss mal etwas Gutes tun

und ihn glücklich machen.

Die Mütter vor allem, die Erzieherinnen und ich,

wenn wir einfach nur die Liebe sind, die wir sind

und ganz präsent im Augenblick

der fließenden Liebe,

dann haben wir keine Pläne, keine Konzepte,

keine Ethik, keine Moral

und wir wollen nicht Gutes tun, um Gutes zu tun.

In solchen Augenblicken

denken wir nicht an eigene Vorerfahrungen,

eigene Zurückweisungen, eigene Ängste.

Dann wollen wir es nicht besser machen,

als wir selbst es oft erlebt haben.

Wir wollen nicht Gutes tun,

um Gutes zu tun.

Die, die den Fluss der Liebe planen und machen wollen,

sind oft die, die Liebe bekommen wollen,

die sich danach sehnen, geliebt zu werden,

weil sie denken, sie hätten da ein Defizit,

das ausgeglichen werden müsste.

Im Extremfall denken Menschen,

sie könnten Liebe gar nicht mehr geben und empfangen,

weil sie irrtümlich glauben, Liebe nicht verdient zu haben.

Solche Menschen kleben dann an ihrem Schmerz.

Aber wir müssen davon ausgehen,

dass irgendetwas,

das mit Beziehung oder Beruf zu tun hat,

und weh tut,

mit Liebe nichts zu tun hat.

Es sind unsere Gedanken

über uns selbst oder den anderen

in Beziehung oder Beruf, die wehtun.

Das ist nicht die Liebe.

Die Liebe tut nicht weh.

Immer wenn wir denken,

dass unsere Partner, unsere Eltern oder unsere Kinder

anders sein sollten, als sie sind,

immer dann, wenn wir das denken,

ist es nicht Liebe.

Die Liebe,

die wir unter unseren Gedanken sind,

ist die Liebe,

die den anderen genauso liebt, wie er ist.

Unser wahres Wesen,

das, das wir unter unseren Gedanken, Gefühlen,

Erfahrungen, Hoffnungen und Befürchtungen sind,

das ist die Liebe.

Immer wenn wir denken,

jemand sollte uns Gutes tun und uns lieben,

immer dann tut es weh.

Und immer dann, wenn wir realisieren,

dass wir die Liebe sind,

die sich überall hin ausdehnen will,

werden Tausende Schlange stehen,

um in unserer Nähe zu sein.

Mit einem aber fühlst Du Dich nie mehr allein:

Du hörst auf Gutes zu tun, um Liebe zu sein.

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