Süßer Liebeskummer

Süßer Liebeskummer

Menschen erleben und erleiden Abschiede.

Eltern und Kinder verabschieden sich voneinander,

wenn die Zeit des Zusammenlebens vorüber ist.

Menschen in sozialen Berufen verabschieden sich voneinander,

wenn die Zeit der Begleitung vorüber ist.

Liebespartner verabschieden sich voneinander,

wenn die Zeit der Beziehung vorüber ist.

Angehörige und Sterbende verabschieden sich voneinander,

wenn die Zeit des Zusammenseins auf der Erde vorüber ist.

Immer dann gibt es Liebeskummer.

Liebeskummer heißt:

Jetzt ist mein Glück vorüber, weil ich Dich verloren habe

und weil Du mich jetzt nicht mehr beschenken kannst.

Wir nehmen einmal an,

Liebesglück ist so etwas wie

Verstehen, Vertrauen, Versorgen, Vergeben und Verbinden.

Dann wäre Liebeskummer ungefähr dies:

„Das alles hast Du mir geschenkt:

Verstehen, Vertrauen, Versorgen, Vergeben und Verbinden.

Und davon meistens viel zu wenig.

Und jetzt hörst Du ganz damit auf.

Du hattest meinen Mangel von all dem,

so oft und so wunderbar aufgefüllt.

Es war, als hätten sich Deine Geschenke

in meiner Hand so vermehrt, dass

ich Dir immer wieder einen Teil davon zurückgeben konnte.

Nun bist Du gegangen,

Du Vater, Du Mutter, Du Kind, Du Anvertrauter,

Du Liebespartner, Du Verstorbener.

Ich leide sehr unter dem Liebeskummer,

nun von Dir das nicht mehr zu bekommen,

das mich so glücklich gemacht hat:

Dein Verstehen, Dein Vertrauen, Dein Versorgen,

Dein Vergeben und Dein Verbinden.

Es ist ein brennender Schmerz,

als würde mein Herz verbrennen.“

Menschen, die einen solchen Schmerz erlebt haben,

ohne ihn zu leugnen, sich von ihm abzulenken

oder das Verlorene möglichst schnell zu ersetzen,

erfahren manchmal im Schmerz ihrer Einsamkeit

den Segen des Alleinseins (Alle – eins – sein).

Sie fühlen sich auf sich selbst zurückgeführt.

Und beginnen endlich,

Glück und Liebe in sich selbst zu suchen und zu finden,

indem sie beginnen,

sich selbst zu verstehen, sich selbst zu vertrauen,

sich selbst zu versorgen, sich selbst zu vergeben

und sich mit sich selbst und der Liebe in sich, zu verbinden.

Solche Menschen erkennen dann,

dass der Liebeskummer ein Ego-Wahn war.

Und dass der brennende Schmerz

das heilsame Zeichen dafür war,

dass der Ego-Wahn verbrennen wollte, Schritt für Schritt.

Menschen, die bereit sind

(und nur eine kleine Bereitschaft genügt),

sich dem Verbrennen des Ego-Wahns zu stellen

und den Schmerz anzunehmen,

finden so viel Glück und Liebe in sich,

dass sie nicht anders können,

als Glück und Liebe weiter zu verschenken.

Solche Menschen,

Eltern, Kinder, Anvertraute, Liebespartner

und Angehörige von Verstorbenen,

machen manchmal die wundersame Erfahrung,

dass sich in ihnen ein ganz anderer,

ein süßer Liebeskummer einstellt und entwickelt:

Nun, da Du gegangen bist,

kann ich Dich nicht mehr beschenken, mit meinem

Verstehen, Vertrauen, Versorgen, Vergeben und Verbinden.

Das macht mir Kummer und tut sehr weh.

Aber ich bin gewiss, dass für Dich das Gleiche gilt, wie für mich:

Du wirst Liebe und Glück in Dir und Deinem Herzen finden

und nicht mehr außerhalb von Dir suchen.

Du wirst so viel davon in Dir finden,

dass Du es verschenken musst, damit Dein Herz nicht platzt.

Er ist hinreißend, dieser süße Liebeskummer,

Dich nicht mehr hinreichend beschenken zu können,

mit meinem Glück und mit meiner Liebe

(wohl wissend, dass Du hinreichend hinreißend bist,

durch das Glück und die Liebe, die Du in Dir findest,

ohne mich dafür zu brauchen).

Kann sein, dass ich Dich wieder beschenken werde,

Du vermeintlich Verlorene, Du vermeintlich Verlorener.

Ganz sicher aber – neben Dir – auch andere.

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