Freude

Freude

Wir Menschen sehnen uns so sehr nach Freude.

Stattdessen quälen wir uns mit Sorgen.

Und um den Schmerz der Sorgen erträglicher zu machen,

suchen wir das Vergnügen,

hoffen auf Freude im Vergnügen.

Dann wollen wir die Freude suchen, finden, einfordern,

erzwingen, vereinnahmen, gefangen nehmen

und festhalten.

Und dann versteckt sie sich wieder.

Das ist wie mit der Liebe und der Verbundenheit.

Die lassen sich auch nicht erzwingen und festhalten.

Auch die Freude

will einfach nur wahrgenommen werden.

Manchmal stecken wir sehr viel Energie

in das Vergnügen.

Alles soll Spaß machen,

der Beruf, die Beziehung, die Erziehung, die Wohnung,

der Urlaub, das Hobby, die Freizeit.

All das, um für Augenblicke Freude zu erleben

und die Sorgen nicht zu spüren.

Oftmals ist es so, dass die Gestaltung des Vergnügens

der Freude keinen Platz mehr lässt

oder sie sogar vertreibt.

Und dennoch:

wir können die Freude erleben und erfahren,

auch in der Sorge

und sogar im Vergnügen.

Wir können stundenlang vergnüglich telefonieren

und dann ist es dieses eine Wort,

das unsere Seele ganz tief berührt.

Wir können stundenlang vergnüglich arbeiten

und dann ist es diese eine Begegnung,

die unsere Seele ganz tief berührt.

Wir können stundenlang vergnüglich zärtlich sein

und dann ist es diese eine Berührung,

die unsere Seele ganz tief berührt.

Es sind diese stillen Augenblicke des Erschauderns,

wenn unsere Seele erzittert

von der Erschütterung der zarten Berührung.

Diese Augenblicke der Verbundenheit,

wenn die Zeit stehen bleibt

und uns vollkommene Gegenwart schenkt.

So etwas können wir nicht planen und gestalten

oder mit möglichst viel Vergnügen erzwingen.

Freude durch Vergnügen erzwingen zu wollen,

führt eher zu Vergnügungssucht.

Und dann wird es mit der Wahrnehmung der Freude

immer schwieriger.

Was tun?

Es gibt nichts zu tun oder zu lassen.

Es genügt eine ganz kleine Bereitschaft:

Ich bin jetzt da.

Bin bereit inne zu halten, zu hören und zu spüren.

Und dann fühlt es sich an, als würde die Freude

still und glückselig, flüsternd antworten:

Ich bin doch schon da.

Du musst mich nicht einladen,

weder zum Empfangen, noch zum Verschenken.

Du darfst in Dein offenes Herz

hineinhören und hineinspüren.

Du hast mich längst schon

zum Verschenken empfangen.

Ich bin die Liebe und die Verbundenheit.

Ich bin das Wort, die Begegnung, die Berührung.

Aber die Freude bleibt stille, antwortet nicht, sagt nichts.

Denn der Mensch,

der diese ganz kleine Bereitschaft hat,

Freude zu empfangen und zu verschenken,

der ist so sehr selbst diese Freude,

dass er keine Antwort braucht,

weil es die Frage „Wo bist Du Freude“ gar nicht gibt.

Beim Innehalten findet der Mensch

in dem gespürten, scheinbar geflüsterten „Da bin ich“

in der Mitte seines Herzens

sich selbst.

Der Mensch der erkennt, dass er die Freude

weder empfangen noch verschenken muss,

erfährt sich selbst in Liebe und Verbundenheit.

Der Mensch, der sich durch Innehalten,

Hören und Spüren

der Liebe und Verbundenheit bewusst ist,

erkennt, dass er die Freude ist.

Und verschenkt sich.

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