Sein und Sollen

Sein und Sollen

 

beschreibt sie wohl ganz gut,

diese stressige Quälerei

in der Vorweihnachtszeit,

diese Diskrepanz zwischen dem was ist

und dem, was unbedingt muss.

Advent heißt ja wohl Erwartung von Ankunft.

Was bedeutet eigentlich Weihnachten?

 

Es fehlen mir noch ein paar Geschenke.

Wollte noch Plätzchen backen.

Ich muss vor Weihnachten

noch ein paar Konflikte lösen

und Beziehungen klären, besonders die eine.

Dies und Das am Schreibtisch

wäre noch zu erledigen.

Jetzt wird es endlich dringend Zeit

für die Winterreifen.

Beruflich müssten vor Weihnachten

noch zwei bis drei Projekte

in Angriff genommen werden.

Und zwei bis drei Einladungen.

Und der Hausputz.

Ach ja, die Überweisung an die Kindernothilfe.

Und all das,

was ich bis Dezember aufgeschoben hatte.

Muss auch noch zum Weihnachtsmarkt.

Zu alledem sind noch ein paar

wichtige Entscheidungen zu treffen,

z.B. wer zu den Festtagen besucht

oder ausgeladen wird.

Ein bisschen Bewegung täte mir auch gut.

Sollten wir den Zustrom der Flüchtlinge begrenzen?

Was ist mit den Tornados? Und dem Klima?

Und dann kommt ja noch diese Adventsfeier.

 

All das klingt wie eine Eskalation,

hinein gesteigert bis in die Heilige Zeit:

Die Gans ist zäh, den Zeitpunkt verpennt,

die genervten Gäste nörgeln vehement,

und die Kerzen zerfließen dezent,

weil der Baum brennt.

 

Dies oder Das ist erfolgreich verschoben

und für das nächste Jahr aufgehoben.

Die Waage knirscht vom cremigen Tortenboden.

 

Geschenke dürfen zurück zum Erzeuger

und für Beziehungskonfliktlösungen finden sich

friedensstiftende Suchtstoffbetäuber.

 

Die Tornados machen Festtagspause,

obwohl die Muslime gar keine Christen sind.

Der Klimagipfel plant für 2020,

die Lichterketten an den Festtagen

für 10 Minuten am Tag ausschalten zu lassen.

Joggen ist im Frühling wirklich schöner.

(das könnte ich zeitlich

mit den Sommerreifen verbinden).

Bei den Beziehungskonflikten vertraue ich auf die Zeit,

die die Wunden heilt.

 

Da fällt mir ein:

was war eigentlich mit der geplanten Besinnung

in der Adventszeit?

Da war wohl auch wenig Sein und viel Sollen…

Immerhin,

die Weihnachts – CD lief ein paarmal.

Quälerei. Schlechtes Gewissen.

Mit dieser Geburt sollte doch

der Himmel auf die Erde kommen.

 

Und jetzt?

Versagt.

Gescheitert.

Das haut mich um.

Und während ich so da sitze,

umgehauen von der Wirklichkeit,

und diese Gefühle zulasse,

erkenne ich:

Das alles bin ich nicht,

dieses ganze Wollen, Sollen und Müssen:

Ich kann und will

manche Dinge nicht entscheiden.

Ich kann und will mir und anderen

nicht alles recht machen.

Ich kann meinen Ansprüchen

und denen anderer nicht genügen.

Ich kann und will nicht

auf Knopfdruck funktionieren.

Ich bin nicht perfekt.

Ich will nicht mehr Aufschieben sagen,

wenn ich Dinge verschiebe.

Ich kann nicht immer nur lieben.

Ich bin einer, der immer wieder versagt.

Und scheitert.

Ich bin und ich bin nicht Dies und Das.

Ich tue und lasse Dies und Das.

Genau so bin ich perfekt.

 

Ich habe statt Sollen mein Sein gewonnen,

da ist auf einmal der Himmel gekommen.

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