Es ist was es ist

Es ist was es ist

 

„sagt die Liebe“.

 

So steht es in dem Gedicht von Erich Fried:

„Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.

Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.

Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“

 

In Hochachtung vor Erich Fried

und in aller Bescheidenheit,

allein um zusätzliches Nachspüren anzuregen,

sei hier angefügt:

 

Es ist sinnlos und nicht zu ändern,

sagen Verzweiflung und Resignation.

 

Es wird nicht gelingen und wieder schief gehen,

sagen Misstrauen und Pessimismus.

 

Es ist unverzichtbar und nie genug,

sagen Unzufriedenheit und Gier.

 

Es muss so sein und kann nur so gelingen,

sagen Besserwisserei und Verachtung.

 

Es muss Spaß machen und Selbstbefriedigung bringen,

sagen Konsumterror und Vergnügungssucht.

 

Es ist ungerecht und kaum auszuhalten,

sagen Fremdbestimmung und Opferhaltung.

 

Es muss toleriert werden und bleiben wie es ist,

sagen Trägheit und Sicherheitsbedürfnis.

 

Es ist unerträglich,

sagt das Selbstmitleid.

 

Es ist was es ist,

sagt die Liebe.

 

Viele dieser Glaubenssätze

(in der jeweils ersten Zeile),

kommen aus Erfahrungen in der Vergangenheit.

Gedanken, die sich auf der Festplatte unseres Gehirns

eingebrannt haben.

Gedanken, die zu unseren Geschichten geworden sind.

 

Diese Gedanken und Geschichten

rutschen in Sekundenschnelle in den Bauch

und lassen sich dort in der Gegenwart

als unser Gefühl wahrnehmen.

 

Wenn es ein schönes Gefühl ist,

wollen wir das für die Zukunft bewahren oder wiederholen.

Wenn es ein unschönes Gefühl ist,

wollen wir das in der Zukunft vermeiden.

 

Das bedeutet einerseits,

dass wir Verantwortung übernehmen wollen

für unser Glück, unser Leben, unsere Gefühle.

Andererseits fragen wir uns,

warum wir damit immer wieder scheitern.

 

Ein Grund dafür könnte der sein,

dass wir viel zu oft Kopfbauchler sind,

Menschen, die ihre Gedanken und Geschichten,

am Herzen vorbei,

direkt in den Bauch rutschen lassen.

 

Aber: man sieht nur mit dem Herzen gut !

Es ist, was es ist, sagt das Herz, die Liebe.

Die Liebe, die wir immer bei uns haben.

 

Ich suche unter allen Umständen den Sinn

und ich kann mich und Situationen verändern.

 

Ich ruhe im Frieden der Ungewissheit,

dass Dinge gelingen und schief gehen können.

 

Ich finde Kraft im Verzicht,

wissend, dass ich alles habe, was ich brauche.

 

Ich öffne mein Herz für neue Erfahrungen

von Bewahrung und Veränderung.

 

Ich reduziere egoistisches Nehmen

für wahres Empfangen durch Geben.

 

Ich verlasse die selbstmitleidige Opferrolle

(nach einer selbstbestimmten Zeit gegönnten Jammerns)

und tue, was mein Herz mir sagt.

 

Ich verabschiede mich von trotzig-dumpfer Toleranz.

Nein, ich will nicht alles lieben, wie es ist.

Aber ich will die Wirklichkeit nicht mehr bekämpfen.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

 

Und das sagt mein Herz mir immer dann,

wenn ich es wahrnehme, zwischen Kopf und Bauch:

Es ist, was es ist, es ist die Liebe,

in jedem Menschen, in jedem Ding und in jeder Situation.

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