Mehr oder weniger

Mehr oder weniger

 

Manchmal

– besonders in den kleinen Depri-episoden –

sehne ich mich danach

genau zu wissen,

wie gutes Leben gelingt.

 

Dann träume ich davon,

den einen wahren Glauben zu haben,

der gültig (im Leben)

und letztgültig (im Sterben) trägt.

 

Dann träume ich davon,

von der einen tiefen Hoffnung getragen zu sein,

die alles versöhnt.

 

Ich träume davon,

die eine vollkommene Liebe zu leben,

die bedingungslos akzeptiert.

 

Ich wäre so gerne

glücklich, weise und erleuchtet

und wüsste genau, wie gutes Leben gelingt.

 

Zum Glück

erwache ich schnell aus solchen Träumen

und realisiere:

von 10000 Watt erleuchtet zu sein,

da würde ich erblinden, bevor ich verbrenne.

Das ist auch nicht so schön.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gerne öfter

den Sinn im Augenblick finden,

aber ich will gerne auch die letzte Krise erinnern

und die Stärkung spüren für die nächste.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gern ohne Sorgen und Ängste

ruhig und tief durchschlafen,

aber ich will gerne auch wach liegen

und mein Herz öffnen

für mögliche Entknotungen und Entspannungen.

 

Ja, ich gebe zu,

ich hätte gern in allem das rechte Maß,

aber ich will gerne auch authentisch sein

in all meinem Zuviel und Zuwenig.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gern auf Rechthaben

und Besserwissen verzichten, und darauf

Machtkämpfe zu gewinnen,

aber manchmal brauche ich kleine Umwege,

um mir meines Selbstbewusstseins bewusst zu sein.

 

Ja, ich gebe zu,

ich hätte gern mehr Mitgefühl

(ohne mich dabei aufzuopfern),

aber manchmal brauche ich meine ganze Kraft

für hinreichend gute Selbstfürsorge.

 

Ja, ich gebe zu,

ich wäre gern von allem unabhängig,

aber manchmal bin ich froh,

wenigstens in schlechten Gewohnheiten

Sicherheit zu finden.

 

Ja, ich gebe zu,

ich wäre gern versöhnt

mit der Angst vor Sterben und Tod,

aber manchmal bin ich sogar dankbar,

wenn mir die Bodenlosigkeit

in die Glieder fährt.

 

Manchmal bin ich hin- und hergerissen.

So bin ich eben auch.

 

Wenn sich meine geliebte kleine Hummel

zu mir setzt,

erfüllt mich manchmal

die Weichheit ihres Pelzchens.

Und manchmal nervt mich ihr Gebrumme.

 

Wovon will ich mehr oder weniger?

 

Ich will nicht in Erleuchtung

erblinden und verbrennen.

 

Ein klein wenig erleuchtet

genügt VOLLKOMMEN.

 

Manchmal wird ein ganzer dunkler Raum

bereits von einem kleinen Teelicht erleuchtet.

 

Das ist mir lieber als 10000 Watt.

 

Und wenn die Metzgersfrau mich fragt:

„Darf`s ein bisschen mehr sein?“,

dann sage ich:

„Ja, gern, aber gern auch ein bisschen weniger“.

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