Archive | Mai 2014

Glücks-Last

Glücks-Last

 

Es war einmal ein Mensch,

der litt so sehr unter seinen Lasten,

dass es sich anfühlte wie 5 Felsbrocken

auf seinen Schultern.

 

„Was drückt Dich so?“ fragte die kleine Fee.

„Ach, nur das Übliche, meine 5 B,

Bindung, Beruf, Besitz, Befriedigung, Bildung.

 

„Und was drückt Dich so?“

„Ich hab Angst, das alles zu verlieren.“

 

„Und Du willst, dass sie Dich glücklich machen,

Deine 5 B, stimmt`s?

 

„Ja, eins davon oder zwei. Nein, alle 5.

 

„DAS ist es, was Dich drückt!“

 

„Aber sie sollen mich doch glücklich machen,

die, die ich liebe.“

„Dann lass sie los.“

 

„Und mein Beruf, er soll mich doch glücklich machen.“

„Dann lass ihn los.“

 

„Mein Geld und all die schönen Dinge…“

„Lass es los.“

 

„Der Sex, das Essen, all die Genüsse,

sollen mich doch glücklich machen.“

„Lass all das los.“

 

„Und mein ganzes Wissen,

meine mühsam errungenen Überzeugungen?

Ja, ja, ich weiß schon.“

„Lass es los.“

 

Wir wissen nicht,

was der Mensch getan hat,

mit den Tips der kleinen Fee,

was er ganz losgelassen hat, was er verändert hat

und was er bewahrt hat.

 

Zumindest eine seiner ganz festen Überzeugungen

hat er ganz losgelassen:

Die Überzeugung,

dass seine 5 B ihn glücklich machen sollen.

 

 

Das, was er bewahrt hat,

hat er nun so betrachtet, als hätte er es nicht.

 

Und da wurde er ein klein wenig dankbar, der Mensch.

Ihm war, als würden ihm 5 Felsbrocken

von den Schultern fallen.

 

Es war ihm, als küsste ihn die Fee ganz sanft.

Sie brauchte gar nicht mehr zu zaubern

und ihm das Gewähren von Wünschen anzubieten.

 

Da war das Glück ihm in den Schoß gefallen.

 

Auf einmal ging sein Herz so langsam,

wie sein Atem kam und ging.

 

Da bekam der Mensch ganz große Lust,

sich Gedanken zu machen,

welchen drei Menschen

er welche Wünsche wie erfüllen würde,

um sie glücklich zu machen.

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sowohl als auch

Sowohl als auch

 

Irgendwie sehnen wir uns doch alle

nach der Balance aus unserer inneren Mitte.

In tiefer, ruhiger und friedlicher Gelassenheit.

 

Es kann doch wohl nicht sein,

dass wir aussteigen und auswandern

oder zweimal im Jahr ins Kloster müssen,

um von den meditierenden Mönchen

das achtsame Atmen zu lernen.

 

Wir fleißigen Menschen

arbeiten manchmal bis zur Erschöpfung,

um dann im Urlaub durchatmen zu können.

Dann wieder 49 Wochen…

 

Wir spüren uns besser in den Extremen,

im Entweder/Oder.

 

Aber wenn wir genau und achtsam hinschauen,

stellen wir ohne Aussteigen und Klosteraufenthalt fest:

alle Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge,

die Gelassenheit ausstrahlen,

existieren aus der Mitte von Zwischenräumen

zwischen den Extremen.

 

Es ist das Atmen in den Zwischenräumen.

 

Der große Fluss gleitet atmend

zwischen dem sprudelnden Bach

und der ruhig daliegenden See.

 

Befriedigende Arbeit erfüllt sich atmend

zwischen Stress und Trägheit.

 

Genussvoll atmend erleben wir leckeres Essen

zwischen Hunger und Völlerei.

 

Der Gemüseeintopf atmet köchelnd

zwischen Rohzustand und Verbranntsein.

 

Säuselnd flüstert der Wind seine Botschaften

zwischen Sturm und Flaute.

 

Wir atmen gleich-gültige Zufriedenheit

zwischen Gier und Askese.

 

Eine erfüllte Beziehung atmet

zwischen Ich und Du.

 

Und das Herz atmet Glück

zwischen Kopf und Bauch.

 

Manchmal sehnen wir uns nach den Extremen,

um uns besser zu spüren.

 

Aber das lebensspendende Atmen

geschieht in den Zwischenräumen.

 

Es gibt nicht nur Entweder oder Oder.

Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Es gibt nicht nur Nächstenliebe oder Selbstliebe.

Es gibt nicht nur Du oder Ich.

 

Alles ist in Allem enthalten.

In allem Weiß ist auch das Schwarz.

Und in allem Schwarz ist auch das Weiß.

 

Schwarz und Weiß darf sein,

ohne zu grau werden zu müssen.

Beide leben von ihrem Zwischenraum.

Dort, wo sie atmen können.

Sowohl als auch.

 

Manchmal dürfen wir sprudeln wie der Bach

und manchmal ruhen wie die ruhige See.

Dazwischen gleiten wir atmend wie der große Fluss,

im Heute zwischen gestern und morgen,

im sowohl als auch.

Muttertag

Muttertag

 

Warst Du schon oder gehst Du noch?

Musst Du oder willst Du?

 

Eventuell lohnt ein Blick zurück nach vorn.

 

Zunächst zurück:

Der Muttertag hat mehrere Vergangenheiten,

eine, die mit der Frauenbewegung zu tun hat,

eine andere, die mit dem Reichsmütterdienst

und der germanischen Herrenrasse zu tun hat,

eine, die mit dem Verband der Blumengeschäftsinhaber

zu tun hat und eine,

die mit Deiner ganz persönlichen Geschichte

an diesem Tag zu tun hat.

 

Vielleicht erinnerst Du Dich mehr oder weniger gern

an Dein Elternhaus und Deine Erziehung.

 

Du musstest als einzige immer um 21.00 Uhr zuhause sein

und fühltest Dich gegängelt und bevormundet.

Später dachtest Du,

dass andere Menschen weit schlimmere

autoritäre Diktaturen überstanden haben.

 

Oder Du gehörtest zu denen,

die immer alles durften

und alle Bedürfnisse erfüllt bekamen.

Später dachtest Du,

dass andere Menschen weite schlimmere

lieblose Grenzlosigkeiten überstanden haben.

 

Manche Therapeuten glauben bis heute,

dass die meisten unserer Neurosen mit Mutter zu tun hätten.

So können wir uns durch Schuldzuweisung entlasten.

Als könnten wir unsere süßen Neu-Röschen

nicht längst selbst pflegen und bewahren,

in freier Selbstverantwortung.

 

Stattdessen fahren wir mit heimlichen

oder unheimlichen Forderungen und Vorwürfen

im Sturmgepäck zum Muttertag.

Oder mit der Verpflichtung

zu bedingungsloser Dankbarkeit.

 

Gleichzeitig ahnst oder weißt Du es längst:

Deine Mutter ist nicht verantwortlich

für das Gelingen oder Misslingen Deines Lebens.

Und war es nie.

 

Mutter hat Dich mehr oder weniger liebevoll begleitet,

bis Du so weit warst,

Verantwortung für Dein Leben zu übernehmen.

Das hat sie getan.

Und damit hat sie ihre Pflicht erfüllt.

Hätte sie das nicht,

säßest Du nicht da und würdest lesen.

Du kannst jetzt also damit aufhören,

Vorwürfe zu machen,

um Anerkennung und Liebe zu betteln,

Forderungen zu erheben

oder Dankbarkeitspflichten zu erfüllen.

 

Deine Mutter ist vielleicht nicht so, wie Du sie gern hättest,

war sie nie, wird sie nie sein.

Sie hat ihre Pflicht erfüllt.

Du darfst jetzt selbst Verantwortung

für das Gelingen Deines Lebens übernehmen.

Nur dann kann es gelingen, Dein Leben.

 

So gerüstet

wirst Du Kinder begleiten (eigene und fremde)

bis sie Verantwortung für ihr Leben

wahrnehmen können.

Dann wird ihr Leben gelingen.

 

Du wirst dabei vielleicht nie so sein, wie sie sich das wünschen.

Und sie werden nie so werden,

wie Du sie Dir wünschst.

Und vermutlich werden sie oftmals genau das nicht tun,

was Du ihnen rätst.

 

Und wenn sie sowieso tun, was sie wollen,

kannst Du sie auch liebevoll akzeptieren,

bei dem, was sie tun. Egal, was sie tun.

 

Was also könntest Du tun, am Muttertag?

Du könntest Vergangenheit und Zukunft weglassen.

Und Deiner Mutter im Hier und Jetzt ganz neu begegnen.

 

Wenn es Dir gut tut, freust Du Dich.

Wenn es ihr gut tut, freust Du Dich.

Wenn es Dir nicht gut tut, gehst Du wieder.

Oder Du tust etwas, das Dir und ihr gut tut.

 

Dein Leben ist Dein Leben. Und ihr Leben ist ihr Leben.

 

Wenn beide die Verantwortung

für die eigene Zufriedenheit wahrnehmen,

habt ihr eine schöne Zeit.

 

Und wenn Du ganz allein die Verantwortung

für Dein eigenes Wohlbefinden übernimmst,

wird das ein Lächeln auf Dein Gesicht zaubern.

 

Dieses Lächeln wird Mutter

(ganz ohne Vergangenheit und Zukunft)

in ihre Gegenwärtigkeit hineinzaubern.

Da wird dann die Liebe sein, die ihr ohnehin beide habt.

 

Und das wird wahrscheinlich morgen auch noch gelten.

Loslassen verbindet

Loslassen verbindet

 

Das haben wir oft genug von klugen Menschen gehört,

auf Postkarten gelesen

und tief im Herzen wissen wir es:

 

Die höchste Form der Liebe ist das Loslassen.

 

Wenn Du Deinen Kindern Wurzel und Flügel gegeben hast,

kannst Du sie in Frieden ziehen lassen.

Sie haben dann alles was sie brauchen,

um ihr eigenes Leben zu leben.

Und mit ihrem selbstbestimmten Leben

können sie zu Deinem besten Freund werden.

 

Wenn Du Dein bester Freund bist

und Dein Kind ist sein eigener bester Freund,

könnt Ihr beste Freunde werden.

 

Das Kind braucht auf seinem Weg zur Selbständigkeit

Anleitung, Fürsorge und Hilfe.

Und mit jedem Tag seiner zunehmenden Selbständigkeit

braucht es weniger Anleitung, Fürsorge und Hilfe.

 

Manchmal sind Eltern sind stolz darauf,

dass das Kind sie immer weniger braucht.

Manchmal sind Eltern ein wenig traurig,

dass das Kind sie immer weniger braucht.

Und manchmal genießen Eltern das Gebrauchtwerden so sehr,

dass sie eine Profession oder ein Hobby daraus machen:

Ärzte, Therapeuten, Pfleger, Sozialarbeiter, Erzieher oder

sozial engagierte Ehrenamtler.

 

Der Liebe, der es so schwer fällt loszulassen,

ist die Liebe, die so gern anleitet, fürsorgt und hilft.

Es kann aber vorkommen, dass diese Liebe

keine wahre Liebe ist, sondern ein legitimer Umweg

zu eigennützlicher Selbstfreundschaft.

 

Immer dann, wenn wir etwas geben,

um dafür etwas zu bekommen, ist es keine wahre Liebe.

 

Was aber tun, damit aus hilfreich notwendiger

Anleitung, Fürsorge und Hilfe

kein andauernder Egoismus wird,

der im Deckmantel der Liebe daherkommt?

 

Vielleicht dies:

Wir dürfen auf dem Weg ein guter Freund zu werden

einen guten Teil unserer Liebe dafür verwenden,

uns selbst ein eigener guter Freund zu werden.

 

Wir dürfen uns selbst

anleiten, fürsorgen und helfen,

indem wir lernen, uns selbst zu lieben,

mit allem, was uns ausmacht.

 

Ich liebe mich

mit allen meinen Unzulänglichkeiten und Schattenseiten,

mit meinen Unzuverlässigkeiten und Abhängigkeiten,

mit meinen Bewertungen und Urteilen,

mit meinen Empfindlichkeiten und Ängsten,

mit all meinen Egoismen und Lieblosigkeiten.

Und ich liebe mich auch damit,

dass mein Anleiten, Fürsorgen und Helfen

manchmal keine wahre Liebe ist.

 

Ich liebe mich mit allem.

Gerade so, wie ich bin.

Ich höre auf,

meine Unzulänglichkeiten und Lieblosigkeiten

zu bekämpfen, da ich weiß,

dass alles, was ich bekämpfe, nur schlimmer wird.

 

Indem ich meine Unzulänglichkeiten

und Lieblosigkeiten liebe,

versöhne ich mich mit ihnen.

So lasse ich sie los.

Die höchste Form der Selbstliebe.

 

Indem ich Anleitung, Fürsorge und Hilfe

mir selbst in Liebe widme

und mich mit meinen Lieblosigkeiten versöhne,

bin ich so zu meinem besten Freund geworden.

 

Und so kann ich nun sogar mich selbst

als meinen besten Freund in Liebe loslassen.

 

Solcherart in Liebe befreit

von meiner eigenen Bedeutsamkeit

und meiner Sehnsucht nach Liebe,

bin ich dem anderen ein bester Freund

und lasse dessen Unzulänglichkeiten

in Liebe los.

 

Dieser Freund wird sich

durch mein liebevoll loslassendes Versöhntsein

mit mir und ihm

anstecken lassen,

zu einem liebevoll loslassenden Versöhntsein

mit sich und mir.

 

So sind wir

in wechselseitigem Loslassen

in wahrer Liebe verbunden.