Archive | April 2014

Alles erlaubt

Alles erlaubt

 

Wusstest Du schon,

das ALLES erlaubt ist ?

 

Du sitzt gerade da und liest.

Das ist erlaubt.

 

Stattdessen könntest Du die Küche aufräumen,

die Freundin anrufen, an (in) die Luft gehen,

ins Bett kuscheln, Dich betrinken

oder Deinen Feind töten.

Das ist erlaubt.

 

Du kannst all das aber auch sein lassen.

Das ist auch erlaubt.

ALLES ist erlaubt.

 

Und es hat Konsequenzen.

Das ist halt so.

 

Wenn Du die Küche aufräumst,

um kochen zu können,

ist danach die Küche wieder unaufgeräumt.

Wenn Du an die Luft gehst oder ins Bett,

kannst Du die Küche nicht aufräumen.

Draußen könntest Du Dich erkälten.

Wenn Du mittags ins Bett gehst,

liegt meistens direkt neben Dir

der innere Schweinehund.

Und wenn Du Deinen Feind tötest,

kriegst Du abends wahrscheinlich

den Tatort nicht mit,

in dem jemand seinen Feind tötet.

 

Und trotzdem ist ALLES erlaubt.

Alles hat allerdings jeweils

eine Konsequenz. Oder mehrere.

 

Du darfst z.B.

Dir oder einem anderen Schaden zufügen.

Oder es sein lassen.

Das ist erlaubt.

Du darfst für Dein oder jemandes Wohlergehen sorgen.

Oder es sein lassen.

Auch erlaubt.

 

Wahrscheinlich wird es Dir am besten gehen,

wenn Du zu 100% akzeptierst,

was jetzt gerade ist:

Du sitzt da und liest.

 

Wenn Du Dich jetzt an vorhin erinnerst

oder an gestern,

oder Du jetzt ein wenig planst

für nachher oder morgen,

wird Dich das ein wenig

aus der Gegenwart herausholen,

hinein in Deinen Verstand,

mit dem Du Dich erinnerst oder etwas planst.

Das wär`ein bisschen schade.

Aber das ist auch erlaubt.

 

Vielleicht spürst Du jetzt beim Lesen dies:

Wenn Du Dir keine Vorwürfe machen musst

(obwohl es erlaubt ist, Dir welche zu machen),

wirst Du auch anderen keine Vorwürfe mehr machen

(obwohl das auch erlaubt ist).

 

Deine Vorwürfe an Dich oder andere

haben ja meist mit Deinen Überzeugungen zu tun.

Mehr als mit der Realität.

Und mehr mit Deinen schlechten Erfahrungen

aus der Vergangenheit

und Deinen Befürchtungen für die Zukunft.

 

Und selbstverständlich darfst Du

von Deinen Überzeugungen überzeugt sein.

Das ist erlaubt.

Musst Du aber nicht.

Das ist auch erlaubt.

 

Vielleicht gibt es auf der ganzen weiten Welt

nur eine einzige wahre Wahrheit,

die wahrhaft wahr ist:

 

Du sitzt da und liest.

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Ostern

Ostern

 

So stelle ich mir Dein und mein bisheriges Leben vor:

ein weißes Blatt Papier,

mit unzähligen kleinen schwarzen Flecken.

 

Unzählige kleine schwarze Flecken für all die

Fehler, Urteile, Trennungen, Ängste, Versagen,

Schuldzuweisungen, Zurückweisungen

und schlechten Angewohnheiten.

 

Manchmal denken wir,

dass diese schwarzen Flecken aus der Vergangenheit,

unsere Gegenwart und unsere Zukunft

bestimmen, beeinflussen und behindern.

Das macht ganz unschöne Gefühle.

Und dann versuchen wir,

nicht an die schwarzen Flecken zu denken,

versuchen uns abzulenken oder davonzulaufen.

Oder wir tun irgendetwas,

das uns ein schönes Gefühl macht.

Aber das hält meist nicht lange,

dann erinnern wir uns wieder an die schwarzen Flecken.

 

Manchmal ist unser kluger Kopf

ganz besonders trickreich und denkt:

Moment mal:

Da war doch noch was mit Ostern,

mit Versöhnung und Vergebung,

da sind sie doch dann alle weg, die schwarzen Flecken.

Das könnte man die Oster-Illusion nennen.

Und Desillusionierung tut weh.

Wieder ein unschönes Gefühl.

 

Wir denken also manchmal,

Leugnen, Ablenken und Weglaufen wäre klug.

Aber, wir müssen ja nicht alles glauben, was wir denken.

Und müssen uns von uns selbst nicht alles gefallen lassen.

 

Und auf einmal fällt uns auf:

viele Menschen (und Gott sowieso)

waren und sind sehr gütig

mit all unseren schwarzen Flecken.

 

Ist das nicht Grund genug, dass wir selbst,

endlich gütig mit uns selber sind?

 

DAS könnte die Osterbotschaft sein:

Ich darf jetzt endlich

auch mit mir selbst gütig sein.

 

All meine vielen schwarzen Flecken

waren und sind meine wichtigsten Lehrer

(womöglich sogar meine größten Geschenke).

 

 

Alle meine schwarzen Flecken

(und nur wenn ich hinschaue, kann ich es sehen),

sind vom Osterlicht der Verwandlung angestrahlt.

Sie strahlen sogar heller,

als das ganze weiße Blatt Papier

meines grundsätzlichen Gutseins.

 

ALLES auf dieser Welt,

der nahe Nächste und der ferne Nächste,

die gesamte Schöpfung und ich,

wir sind alle weiße Blätter Papier

des grundsätzlichen Gutseins,

mit hell strahlenden Flecken darauf.

 

Strahlende Flecken,

die uns haben gütig werden lassen.

 

Immer dann,

wenn ich mir meine schwarzen Flecken anschaue,

ganz ohne Selbstvorwurf, Selbstverurteilung und Schuldgefühl,

fangen sie an zu strahlen.

Dann ergreift mich

geheimnisvoll und überwältigend,

eine Güte und eine Sanftheit,

mit denen ich mir die schwarzen Flecken anderer anschaue.

 

Und dann geschieht,

dass andere ihre schwarzen Flecken mit Liebe anschauen

und zum Strahlen bringen.

 

Nein, wir müssen das Versöhntsein der ganzen Schöpfung

(an das uns Ostern erinnert), nicht verstehen.

 

Aber wenn wir hin und wieder

ein wenig innehalten und hinschauen

auf die eigenen schwarzen Flecken und die des anderen,

können wir erleben,

dass all diese Flecken verwandelt sind

und heller strahlen,

als die unschuldig weißen Blätter

unseres grundsätzlichen Gutseins.

 

Und da ist Ostern.

Verzicht

Verzicht

 

Viele Menschen mussten am Sonntag

auf die Sonntagsgedanken verzichten.

(durften, konnten, sollten, wollten)

 

Aber Verzicht passt gut in die Karwoche.

Viele Menschen verordnen sich in der Karwoche

eine ganz bestimmte Abstinenz.

Manche sogar 40 Tage lang,

von Aschermittwoch bis Ostern.

 

Manche verzichten für eine festgelegte Zeit

auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch.

Andere auf Streit, Stress oder Fernsehen.

Wieder andere verzichten auf

Rechthaben, Durchsetzen oder Verurteilen.

Oder auf „Eindruck machen“,

„Rat-schlagend einmischen“ und „es allen recht machen“.

Manche verzichten für einen Zeitraum darauf,

andere eines Fehlverhaltens zu bezichtigen.

Und wieder andere verzichten darauf,

sich einen Verzicht aufzuerlegen.

 

Dabei ahnen wir

(oder wissen aus eigener Erfahrung),

dass Verzicht

eine der persönlichkeitsbildensten Maßnahmen ist

für die Erziehung und die Selbsterziehung.

 

Nicht nur Kinder

werden durch Verzicht

zu einem hohen Maß

zum Teilen animiert.

 

Und wir dürfen unterstellen,

dass der Frieden

in unserer nahen und fernen Welt

in zunehmendem Maß

durch Verzicht und Teilen

erhalten werden kann.

 

Wir dürfen aber auch unterstellen,

dass Verzicht nicht durch Vergewaltigung

erzwungen werden darf.

Und dass es ein Grundrecht

auf die Befriedigung

von Bedürfnis und Lustgewinn gibt.

 

Bleibt vielleicht dies:

Verzicht kommt ursprünglich von Verzeihen.

Ich versöhne mich mit meiner Unsicherheit

beim Umgang mit Verzicht und Verzeihen.

Und teile mein Versöhntsein.

Erfahrung

Erfahrung

 

Was ist das?

Ich glaube, wir verwechseln manchmal, gemachte Erfahrung

mit der neuen, im Jetzt erlebbaren Erfahrung.

Wenn wir uns die erlebbare Erfahrung

zu wenig gönnen,

beeinflusst die gemachte Erfahrung unser Leben so sehr,

dass es zu wenig Raum gibt

für die erlebbare Erfahrung.

 

Die gemachte Erfahrung ist Geschichte:

Ist Dein Geburtstrauma bewältigt?

Sind alle Zurückweisungen und Vernachlässigungen verarbeitet?

Sind alle Enttäuschungen

aus Deinen Erziehungen und Beziehungen durchtherapiert?

Ist all das, was Du bekamst und wurdest

zu ausbalancierter Identität gereift?

 

Alle Deine gemachten Erfahrungen

haben Dich zu dem werden lassen, der Du bist,

mit all den Überzeugungen, die Du jetzt hast.

Deswegen hältst Du Deine Geschichte für so sehr bedeutsam.

 

Je nachdem, wie lange Du gestillt wurdest,

sehnst Du Dich nach fürsorglichen Brüsten

oder empfindest Wohlbefinden,

wenn Du um fürsorgliche Brüste gebeten wirst.

 

Wozu brauchst Du die Bedeutsamkeit Deiner Geschichte?

Weil Du Dich dann im Recht fühlst,

dass es so kommen musste,

dass Du gar nicht anders werden konntest,

dass Du deswegen jetzt so oder so bist oder handelst.

Und weil Du Dich besser fühlst,

wenn Du damit im Recht bist

und andere ins Unrecht setzt.

 

All diese gemachten Erfahrungen

bestimmen den Stellenwert,

den Du erlebbaren Erfahrungen im Hier und Jetzt gibst.

 

Und doch bist Du mehr.

Viel mehr.

Unvergleichbar viel mehr,

als nur das Produkt gesammelter Erfahrungen.

 

Recht behalten wollen

und ins Unrecht setzen,

macht Dich zum Mittelpunkt DEINER Welt.

Das kann recht anstrengend sein.

 

In Wahrheit bist Du der Mittelpunkt DER Welt.

Das kann sehr entspannend und befriedigend sein.

 

Es könnte arrogant wirken,

wenn Du auf die Frage nach dem Mittelpunkt der Welt

ganz selbstverständlich antwortest:

ICH, wer denn sonst?

 

Im Mittelpunkt der Welt befindet sich Gott.

Und all die anderen Menschen,

die nahen, die fernen und die unbekannten.

Und alle Tiere und Pflanzen.

Und Du und Ich.

Verbunden mit allen und allem.

 

So gerinnt die vermeintliche Arroganz

zu Demut und Dankbarkeit.

 

Und so,

im Mittelpunkt der Welt,

hast Du die freie Verantwortung,

für den Einfluss all Deiner gesammelten Erfahrungen

auf Dein Leben im Hier und Jetzt.

 

Natürlich werden immer wieder Bilder auftauchen

von den gesammelten Erfahrungen.

Und natürlich werden diese Bilder

Gefühle auslösen.

 

Ein Gefühl aber

dauert in der Regel 30 Sekunden.

Und das gilt für alle Gefühle:

Zorn, Traurigkeit, Eifersucht, Rache, Angst,

Heiterkeit, Freude, Frieden oder Glück.

30 Sekunden.

 

DANN beschließt Dein Verstand,

das Gefühl zu bewahren

oder loszuwerden.

 

Mancher bewahrt sein unschönes Gefühl 25 Jahre…

 

Stattdessen könntest Du das aufkommende Gefühl

von Deinem Verstand abkoppeln

und es für 30 Sekunden

wahrnehmen, erlauben, annehmen, akzeptieren

und am Ende sogar lieben.

 

30 Sekunden lang.

Dann gleitest Du entspannt, dankbar und zufrieden

hinüber in das nächste Gefühl.

30 Sekunden lang.

 

Das ist gelebte Verantwortung

für das Loslassen gesammelter Erfahrungen

und das Öffnen für erlebbare Erfahrungen.

 

Diese Wahrnehmung von Verantwortung für Dein Leben

macht Dich so stark und selbstbewusst und zufrieden,

dass Du alle anderen damit ansteckst.