Archive | Februar 2016

Heute oder morgen

Heute oder morgen

 

Der Eine redet davon,

dass der Sinn im Augenblick liegt,

der Andere davon,

dass gelebte Nachhaltigkeit

gelingendem Leben dient.

 

Der Kuckuck und der Esel,

die hatten einen Streit,

wer wohl am besten sänge,

zur schönen Maienzeit.

 

Zwei Herzen schlagen,

welch ein Frust,

auch in meiner unentschiedenen Brust.

 

Selbstverständlich macht es guten Sinn,

ganz präsent zu sein,

um mir und anderen ein Präsent zu sein.

 

Einerseits ist es gut,

immer wieder inne zu halten,

auf meinen Atem zu achten,

aus der Stille zu handeln,

mir Zeit für mich zu nehmen,

um mir meiner Selbstfreundschaft

bewusst zu sein,

mir meines Mitgefühls gewahr zu sein,

Gutes Tun jetzt zu tun,

Liebe zu sein

und Achtsamkeit zu haben,

für ungeplant hereinschwebendes Lachen.

 

Andererseits

muss ich ja wohl auch

Ent-Scheidungen treffen

für meine Träume, Ziele und Visionen.

Was ist mir für die Zukunft wirklich wichtig ?

Welche sinnvollen Werte, Vorhaben und Vorsätze

will ich realisieren ?

Welche Wurzeln will ich düngen,

damit meine Blüten gedeihen ?

Welche Gewohnheiten will ich ändern,

damit meine Selbstverwirklichung

und die meines nahen und fernen Nächsten

nachhaltig realisiert werden ?

Wie finde ich die Selbsterkenntnis,

die mich so weise werden lässt,

dass ich Leben in Frieden gestalte ?

 

An einem der wenigen kalten Wintertage diesen Jahres

(ich muss wohl angesichts des Klimawandels

meine Nachhaltigkeit vernachlässigt haben

und war noch ganz in Gedanken

beim Kuckuck und dem Esel),

habe ich zwei fallende Schneeflocken

beobachtet und belauscht:

 

Sie stritten darüber,

wohin sie gerne fliegen würden,

ob sie zum Schneemann geformt werden,

ihren Beitrag zu einer Buckelpiste leisten

oder ein Matschhaufen werden wollten,

der ein Auto zum Schlingern bringt.

Und inwiefern sie beide sich dafür

zusammenreißen, fortbilden

oder loslassend hingeben müssten.

 

Kurze Zeit später

landeten beide direkt vor meinen Augen

im Frieden eines schneebedeckten Waldweges.

Da dämmerte mir:

 

Auch ich schwebe oder lande im Frieden,

unterbrochen von der Hetze meiner

Träume, Ziele und Visionen.

Ich treffe Entscheidungen

sofort, später oder halb.

Fleißig oder träge

sammle ich Erfolge und Scheitern.

Ich sehne mich nach Freiheit von Dingen

ohne zu wissen, zu welcher Freiheit

ich mich befreien will.

Immer besser lerne ich mich kennen.

Als Heiliger oder Böser

hasse ich manches Mal das Gute

und genieße das Böse.

Oft schwelge ich in

Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft.

 

Es scheint für jeden Flug und für jede Landung

einen richtigen oder falschen Zeitpunkt zu geben,

den ich vielleicht befördern oder behindern kann.

Ohne ihn zu kennen.

 

Das rechte Maß nicht zu kennen,

scheint das rechte Maß zu sein.

 

Bereits jetzt und trotz allem

werde ich in Frieden ruhen.

Ein wenig kommt es mir vor,

als sei ich ein Mensch.

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Mehr oder weniger

Mehr oder weniger

 

Manchmal

– besonders in den kleinen Depri-episoden –

sehne ich mich danach

genau zu wissen,

wie gutes Leben gelingt.

 

Dann träume ich davon,

den einen wahren Glauben zu haben,

der gültig (im Leben)

und letztgültig (im Sterben) trägt.

 

Dann träume ich davon,

von der einen tiefen Hoffnung getragen zu sein,

die alles versöhnt.

 

Ich träume davon,

die eine vollkommene Liebe zu leben,

die bedingungslos akzeptiert.

 

Ich wäre so gerne

glücklich, weise und erleuchtet

und wüsste genau, wie gutes Leben gelingt.

 

Zum Glück

erwache ich schnell aus solchen Träumen

und realisiere:

von 10000 Watt erleuchtet zu sein,

da würde ich erblinden, bevor ich verbrenne.

Das ist auch nicht so schön.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gerne öfter

den Sinn im Augenblick finden,

aber ich will gerne auch die letzte Krise erinnern

und die Stärkung spüren für die nächste.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gern ohne Sorgen und Ängste

ruhig und tief durchschlafen,

aber ich will gerne auch wach liegen

und mein Herz öffnen

für mögliche Entknotungen und Entspannungen.

 

Ja, ich gebe zu,

ich hätte gern in allem das rechte Maß,

aber ich will gerne auch authentisch sein

in all meinem Zuviel und Zuwenig.

 

Ja, ich gebe zu,

ich würde gern auf Rechthaben

und Besserwissen verzichten, und darauf

Machtkämpfe zu gewinnen,

aber manchmal brauche ich kleine Umwege,

um mir meines Selbstbewusstseins bewusst zu sein.

 

Ja, ich gebe zu,

ich hätte gern mehr Mitgefühl

(ohne mich dabei aufzuopfern),

aber manchmal brauche ich meine ganze Kraft

für hinreichend gute Selbstfürsorge.

 

Ja, ich gebe zu,

ich wäre gern von allem unabhängig,

aber manchmal bin ich froh,

wenigstens in schlechten Gewohnheiten

Sicherheit zu finden.

 

Ja, ich gebe zu,

ich wäre gern versöhnt

mit der Angst vor Sterben und Tod,

aber manchmal bin ich sogar dankbar,

wenn mir die Bodenlosigkeit

in die Glieder fährt.

 

Manchmal bin ich hin- und hergerissen.

So bin ich eben auch.

 

Wenn sich meine geliebte kleine Hummel

zu mir setzt,

erfüllt mich manchmal

die Weichheit ihres Pelzchens.

Und manchmal nervt mich ihr Gebrumme.

 

Wovon will ich mehr oder weniger?

 

Ich will nicht in Erleuchtung

erblinden und verbrennen.

 

Ein klein wenig erleuchtet

genügt VOLLKOMMEN.

 

Manchmal wird ein ganzer dunkler Raum

bereits von einem kleinen Teelicht erleuchtet.

 

Das ist mir lieber als 10000 Watt.

 

Und wenn die Metzgersfrau mich fragt:

„Darf`s ein bisschen mehr sein?“,

dann sage ich:

„Ja, gern, aber gern auch ein bisschen weniger“.

Rosen für mich

Rosen für mich

 

Das ist einer dieser Tage

an dem ich ganz besonders spüre,

wie dankbar ich bin, dass wir leben

und dafür,

dass wir beide

Teil des Lebens des anderen sind.

 

In Gedanken lege ich einen Strauß Rosen

in meinen Schoß.

Er erinnert mich

an das Leuchten in unseren Augen

und an die Düfte

mit denen wir unsere Herzen und Räume erfüllen.

 

Eine Rose schenke ich mir,

indem ich mich mit der Erlaubnis beschenke,

so sein zu dürfen, wie ich bin.

Das öffnet mir den Raum zu genießen,

dass Du so bist, wie Du bist.

 

Eine Rose schenke ich mir,

indem ich es genieße,

Dir zuzuhören.

Da erfahre ich von Dir

Heiliges, Geheimnisvolles, Intimes,

all das, was Dich im Tiefsten berührt und bewegt.

Auch Angst, Scham und Schuldgefühl.

Dabei erfahre ich ganz besonders,

was Dich berührt und bewegt.

 

Das öffnet mir den Raum,

mich selbst

mit einer der schönsten Rosen

zu beschenken:

mich Dir zu öffnen.

 

Eine Rose schenke ich mir,

indem ich mit Dir teile,

was Dir wichtig ist:

Deine Stärken und Schwächen,

Deine Hoffnungen und Befürchtungen,

Deine Freunde und Feinde.

 

Das öffnet mir diesen wunderbaren

Raum der Freiheit,

in dem ich mit Dir teilen möchte,

was mir wichtig ist,

meine Stärken und Schwächen,

meine Hoffnungen und Befürchtungen,

meine Freunde und Feinde.

Ich liebe es,

mir diese leuchtende und duftende Rose

zu schenken.

 

Eine Rose schenke ich mir,

indem ich mir

die Verbundenheit bewusst mache,

die mich mit Dir verbindet.

Das öffnet mir den Raum

staunender Dankbarkeit dafür,

dass Du mit mir verbunden bist.

 

Eine Rose schenke ich mir

mit jeder zärtlichen Berührung,

die ich Dir schenke.

Das öffnet mein Herz,

zärtliche Berührung

so empfangen zu können,

dass meine Seele zittert.

 

Eine Rose schenke ich mir,

indem ich mir bewusst mache,

dass meine Vorwürfe an Dich,

Selbstvorwürfe sind.

Das schenkt mir jedes Mal

Dein Duften und Dein Leuchten.

 

 

Eine ganz besonders schöne Rose

schenke ich mir,

indem ich Dich entlasse

aus meiner Sehnsucht danach, geliebt zu werden.

Das ist vielleicht

das größte Geschenk,

das ich mir selbst machen kann.

Es öffnet mir den Raum,

Deine Sehnsucht nach Geliebtwerden

zu lieben.

 

Einen ganzen Güterzug voller Rosen

schenke ich mir immer dann,

wenn ich mir bewusst mache,

dass unser So-Sein-Dürfen,

unser Hinhören, Mitfühlen und Berühren,

unser Duften, Leuchten und Lachen,

uns dem Himmel nahe bringt.

 

Und dass es am allerschönsten ist,

den Himmel zu zweit zu betreten.

 

Es ist was es ist

Es ist was es ist

 

„sagt die Liebe“.

 

So steht es in dem Gedicht von Erich Fried:

„Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.

Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.

Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“

 

In Hochachtung vor Erich Fried

und in aller Bescheidenheit,

allein um zusätzliches Nachspüren anzuregen,

sei hier angefügt:

 

Es ist sinnlos und nicht zu ändern,

sagen Verzweiflung und Resignation.

 

Es wird nicht gelingen und wieder schief gehen,

sagen Misstrauen und Pessimismus.

 

Es ist unverzichtbar und nie genug,

sagen Unzufriedenheit und Gier.

 

Es muss so sein und kann nur so gelingen,

sagen Besserwisserei und Verachtung.

 

Es muss Spaß machen und Selbstbefriedigung bringen,

sagen Konsumterror und Vergnügungssucht.

 

Es ist ungerecht und kaum auszuhalten,

sagen Fremdbestimmung und Opferhaltung.

 

Es muss toleriert werden und bleiben wie es ist,

sagen Trägheit und Sicherheitsbedürfnis.

 

Es ist unerträglich,

sagt das Selbstmitleid.

 

Es ist was es ist,

sagt die Liebe.

 

Viele dieser Glaubenssätze

(in der jeweils ersten Zeile),

kommen aus Erfahrungen in der Vergangenheit.

Gedanken, die sich auf der Festplatte unseres Gehirns

eingebrannt haben.

Gedanken, die zu unseren Geschichten geworden sind.

 

Diese Gedanken und Geschichten

rutschen in Sekundenschnelle in den Bauch

und lassen sich dort in der Gegenwart

als unser Gefühl wahrnehmen.

 

Wenn es ein schönes Gefühl ist,

wollen wir das für die Zukunft bewahren oder wiederholen.

Wenn es ein unschönes Gefühl ist,

wollen wir das in der Zukunft vermeiden.

 

Das bedeutet einerseits,

dass wir Verantwortung übernehmen wollen

für unser Glück, unser Leben, unsere Gefühle.

Andererseits fragen wir uns,

warum wir damit immer wieder scheitern.

 

Ein Grund dafür könnte der sein,

dass wir viel zu oft Kopfbauchler sind,

Menschen, die ihre Gedanken und Geschichten,

am Herzen vorbei,

direkt in den Bauch rutschen lassen.

 

Aber: man sieht nur mit dem Herzen gut !

Es ist, was es ist, sagt das Herz, die Liebe.

Die Liebe, die wir immer bei uns haben.

 

Ich suche unter allen Umständen den Sinn

und ich kann mich und Situationen verändern.

 

Ich ruhe im Frieden der Ungewissheit,

dass Dinge gelingen und schief gehen können.

 

Ich finde Kraft im Verzicht,

wissend, dass ich alles habe, was ich brauche.

 

Ich öffne mein Herz für neue Erfahrungen

von Bewahrung und Veränderung.

 

Ich reduziere egoistisches Nehmen

für wahres Empfangen durch Geben.

 

Ich verlasse die selbstmitleidige Opferrolle

(nach einer selbstbestimmten Zeit gegönnten Jammerns)

und tue, was mein Herz mir sagt.

 

Ich verabschiede mich von trotzig-dumpfer Toleranz.

Nein, ich will nicht alles lieben, wie es ist.

Aber ich will die Wirklichkeit nicht mehr bekämpfen.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

 

Und das sagt mein Herz mir immer dann,

wenn ich es wahrnehme, zwischen Kopf und Bauch:

Es ist, was es ist, es ist die Liebe,

in jedem Menschen, in jedem Ding und in jeder Situation.