Archive | September 2014

Du darfst

Du darfst

 

verspricht Dir eine bestimmte Margarine.

Weil sie nur 50% Fett hat.

Erleichtert, dankbar und mit gutem Gewissen

streichst Du Dir die doppelte Menge auf`s Brot

und hast den Schweinehund besiegt.

Weil Du dann aber gerne mal dick aufträgst,

hast Du sie wieder, die hundert Prozent.

 

Es gibt ja jede Menge Bücher

zum Inneren Schweinehund mit Tips,

wie er zu überwinden sei.

 

Allein ein Buch auf dem Markt behauptet,

dass der Schweinehund

nicht zu überwinden sei

(weil dann alles nur schlimmer wird),

sondern nur zu versöhnen.

Erst dann, wenn ich dem Schweinehund

Recht gebe, auf ihn höre

und ihn zu meinem besten Freund werden lasse,

wird er mich nicht mehr quälen,

wird meine innere Zerrissenheit

zwischen „Du darfst“

und „Du darfst nicht“ beendet sein.

 

Dieses eine Buch

beschreibt in 24 Kapiteln

die großen Themen innerer Zerrissenheit,

so wie Aufschieberitis, Rechthaberei

Undankbarkeit oder Unzufriedenheit.

 

Angedeutet sind dabei auch immer wieder

die unzähligen, vermeintlich kleinen Plagegeister

des inneren Kampfes.

 

Wenn das wahr ist,

dass das Ende des inneren Kampfes

fast ausschließlich

in der eigenen inneren Versöhnung erfolgen kann

und Du tatsächlich ALLES

fühlen und denken und tun darfst

– DU darfst -,

dann gilt auch all dies

(auch wenn Du es Dein Leben lang anders gelernt hast):

 

Du darfst Forderungen erheben.

Du darfst Vorwürfe machen.

Du darfst schlecht gelaunt sein.

Du darfst um Liebe betteln.

Du darfst Vorurteile haben.

Du darfst rassistisch sein.

Du darfst unbeherrscht sein.

Du darfst Sahnetorte essen.

Du darfst Plastiktüten benutzen.

Du darfst Dir noch ein Paar Schuhe kaufen.

Du darfst politikverdrossen sein.

Du darfst fluchen.

Du darfst weg laufen.

Du darfst Dich trennen.

Du darfst rumnörgeln.

Du darfst Dich im Selbstmitleid suhlen.

Du darfst scheitern.

Du darfst es besser wissen.

Du darfst keinen Bock mehr haben.

Du darfst den Stinkefinger zeigen.

Und vieles andere mehr.

 

Und warum sollst Du all das dürfen?

Du trägst es doch sowieso in Dir!

All das Aufgezählte und noch viel mehr

hast Du oder bist Du doch sowieso.

 

Und dann willst Du es bekämpfen

und es wird immer nur noch schlimmer.

Bis Dein innerer Schweinehund

Dir unentwegt in die Wade beißt

und Deine innere Zerrissenheit

Dich zerreißt.

 

Sei doch einfach wie Du bist.

Liebe Dich so, wie Du bist.

Versöhne Dich

mit all Deinen Schattenseiten.

Und hör auf zu kämpfen.

Selbst wenn Du mal eine Schlacht gewinnst,

am Ende wirst Du den Krieg verlieren.

 

Sei, wie Du bist.

Mit ALLEM.

Du darfst.

 

Kann sein,

dass dann dieses unglaubliche Wunder geschieht:

Du musst nicht mehr, was Du darfst.

 

Kann sein,

dass Dir der Stinkefinger

(den Du nicht mehr zeigen musst, weil Du es darfst),

doch noch mal rausrutscht.

Dann kannst Du ab heute drüber lächeln.

Du darfst.

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Eigentlich glücklich

Eigentlich glücklich

 

Wie geht eigentlich glücklich?

Also so erkennbar, für mich und andere?

Seit Jahrzehnten haben sie mich gelehrt,

das Wort „eigentlich“ zu vermeiden,

bis ich es endlich internalisiert (gefressen) hatte.

Eigentlich…

Also ich sammle mal, wie eigentlich glücklich geht.

Und ahne schon:

Diese Liste wird so unsystematisch lückenhaft,

dass ich sagen können werde:

eigentlich vollkommen komplett, mit all ihren Lücken.

Was ich also alles habe, kann und bin:

Ich habe ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt,

einen Baum gepflanzt und brauche keine Rolex.

Eigentlich habe ich harmonische Beziehungen,

fühle mich sogar gebraucht.

Hin und wieder gelingt es mir,

auf mein Rechthaben zu verzichten.

Manchmal versöhne ich mich nach dem Streiten.

Eigentlich kann ich sogar vergeben.

So habe ich eigentlich wenig Feinde.

Kann sogar lieben und geliebt werden,

pflege Freundschaft und Selbstfreundschaft.

Eigentlich bin ich sogar ein Lebenskünstler.

Und ich habe eigentlich viel Freude in mir,

lache gern und bringe andere zum Lachen.

Eigentlich habe ich große Lust

niemanden zum Weinen zu bringen.

Manchmal kann ich anderen Menschen deren Leben

ein wenig schöner, leichter und heiterer machen.

Also eigentlich liebe ich

das Schöne, Wahre und Gute.

Und bin eigentlich so etwas wie ein freier Mensch.

Ich kann manchmal loslassen.

Bin hin und wieder unabhängig

von anderen Meinungen,

klebe eigentlich nicht an meinem Besitz.

Manchmal kann ich sogar bei Widrigkeiten

und Widersprüchen recht gelassen sein.

Eigentlich liebe ich sogar meine Gegensätze,

vor allem bei dem Anspruch zwischen

Wunsch und Wirklichkeit.

Die Akzeptanz meiner Widersprüche

versöhnt mich eigentlich sogar

für die nächste Krise.

Ich liebe Tag und Nacht,

Sommer und Winter,

Melancholie und Ausgelassenheit.

Eigentlich liebe ich sogar die ganze Welt,

so, wie sie ist.

Dann bin ich eigentlich sogar dankbar.

Und dann lebe ich im Augenblick,

eigentlich so irgendwie aus meiner Mitte,

bin manchmal achtsam mit kleinen Dingen.

Ich kann eigentlich sogar

ganz gut unterscheiden

zwischen Tod und Leben und Überleben.

Ich weiß sogar meine Bestimmung.

Die einzige Bestimmung ist eigentlich die,

glücklich zu sein und glücklich zu machen.

Ich weiß nämlich, dass ich eigentlich

unschuldig bin.

Ich fühle mich geschützt, getragen und geborgen.

Lustvoll pflege und genieße ich meinen Körper

als Tempel eines wachen Geistes,

eines warmen Herzens

und eines gierigen Sammlers.

Ich genieße meine sieben Sinne

(eigentlich lieber nacheinander)

und erfülle manchmal

eigentlich auch recht gern

meine Aufgaben und Pflichten.

Und ich wohne eigentlich gern bei mir,

lebe gern mit mir,

spüre mich gern in mir

und in Dir.

Und eigentlich muss fast niemand bei mir

die Schuhe sauber machen,

bevor er bei mir rein darf.

Augenzwinkernd genieße ich es,

nach der Wahrheit zu suchen,

obwohl ich eigentlich weiß,

dass sie mich erfüllt und umgibt.

Also eigentlich ruhe ich in Frieden,

jetzt schon.

So oder ähnlich ist wohl der ewige Himmel.

So oder ähnlich hab ich all das ja schon fast immer.

Und er ist mir nicht auf den Kopf gefallen, der Himmel.

Und das Glück hat mich nicht zerrissen.

Wahres Glück ist eigentlich dies:

Das ich all das nicht gleichzeitig erleben muss.

Zuviel würde mir Magen und Herz verderben.

Jemand füttert mich häppchenweise.

Wenn ich zu schnell kaue,

bilde ich mir ein, ich sei noch hungrig.

Dieser Hunger aber zeigt mir eigentlich:

Ich hab genug zu verschenken.

Und zwar nicht häppchenweise.

Dem, dem ich fast alles gebe,

der hat dann genug zum Teilen.

Freiheit

Freiheit

 

Selbstverständlich,

wir wollen ja nicht undankbar sein,

es gibt sie immer wieder,

diese kleinen Augenblicke von Glück und Freude.

 

Und dennoch:

manchmal ist das Leben

unerträglich anstrengend.

Die vielen  Aufgaben, Pflichten, Vereinbarungen.

Wenn der Kopf voll ist von alldem

„Du könntest“, „Du solltest“, „Du müsstest“,

„Du kannst“, „Du sollst“, „Du musst“.

 

Zusätzlich

leiden wir unter der anstrengenden Wahlfreiheit

bei der Einteilung der To-do-Liste

in „Wichtig“ und „Dringend“,

müssen unentwegt Dinge entscheiden,

Partner beglücken,

Kinder begleiten,

Freundschaften pflegen

Angehörige besuchen,

die Küche aufräumen,

die Zeitung lesen,

Sport treiben,

jung bleiben,

uns gesund ernähren,

Geld verdienen

und die Blumen gießen.

 

Kein Wunder,

dass wir dick werden,

Migräne entwickeln

und morgens lieber liegen bleiben.

 

Aber im Liegen wird es auch nicht besser,

da ist es entweder zu warm oder zu kalt.

Und dann fängt das Grübeln an,

das noch anstrengender ist als all

die Aufgaben, Pflichten und Vereinbarungen:

 

Woher komme ich?

Was soll ich hier?

Wohin gehe ich?

 

Da lande ich schnell bei der Frage

nach meiner Bestimmung:

 

Wohin soll ich gehen?

Was soll ich tun?

Was soll ich sagen und zu wem?

 

Aber bevor ich den Verstand verliere,

stehe ich lieber auf

und rette mich in all meine Gewohnheiten,

meine Aufgaben, Pflichten und Vereinbarungen.

 

Dabei könnte genau das die Erlösung sein:

Den Verstand zu verlieren !

 

Immer dann,

wenn mein Verstand mich nicht quälend zwingt,

genau zu wissen, was ich glaube, denke und fühle,

mich nicht zwingt,

unentwegt über richtig und falsch,

gut oder böse,

wahr, schön und gut

entscheiden zu müssen –

immer dann,

wenn ich nicht mehr frage nach

Woher, Wozu, Wohin,

immer dann,

wenn ich für einen Augenblick

meinen Verstand verliere,

bin ich in meiner Bestimmung!

 

All mein Leiden,

von dem ich dachte es käme von außen,

von den Umständen oder von jemandem,

kommt aus meinem Verstand.

 

Womöglich ist dies die einzig wahre Bestimmung

menschlicher Existenz:

wir sind zur Freiheit berufen.

Und Freiheit ist da,

wo wir den Verstand verlieren,

da, wo unsere Seele uns zu unserem Herzen führt,

da, wo ALLES erlaubt ist.

 

Unsere einzig wahre Bestimmung könnte die sein:

Das, was ich jetzt in diesem Augenblick

denke, fühle, tue und lasse.

DAS ist mein Weg.

 

Auf einmal spüre ich,

wie mein Atem kommt und geht.

DAS ist das Wahre, Schöne und Gute.

 

Und ich bin ein klein wenig gespannt,

wo und wie sich meine Freiheit

im nächsten Augenblick ausdrücken möchte.

Freude sein

Freude sein

 

Manchmal bin ich

traurig, enttäuscht, verärgert, verletzt, deprimiert, wütend

und viele andere negative Adjektive.

 

Dann fühle ich mich

unverstanden, unzufrieden, unglücklich, ungeliebt

und viele andere negative Adjektive.

 

Und je tiefer ich dem nachspüre,

desto schlimmer wird es:

Ich suhle mich im Leid.

Bin mal wieder das Opfer.

 

Und wenn ich es mir beim Suhlen so recht überlege,

ist das nicht nur der schwarze Schlamm von dem,

was ich gerade erlebe,

es ist auch der schwarze Schlamm von dem,

was ich kürzlich erleiden musste.

Dazu kommt noch der uralte schwarze Schlamm von damals:

das war doch schon immer so,

schon als kleines Kind war ich das Opfer,

in meiner ganzen armen, kleinen Hilflosigkeit.

Ich war und bin das Opfer. Immer schon.

 

Scheint, als bliebe nur dies:

ICH war es nicht. Ich bin nicht schuld.

Ich bin kein Opfer.

 

Rettung naht:

DU BIST SCHULD. DU warst es.

Oder die böse Welt.

Oder das böse Schicksal. Oder der strafende Gott.

 

Also werde ich zum Täter:

Ich weiß es besser und bin im Recht.

DU bist schuld.

 

Oder ich werde zum Retter:

Du und ich,

wir könnten doch unsere Vergangenheit therapieren,

Lebenshilfebücher lesen,

religiös werden,

uns beim Yoga anmelden,

Selbstverteidigungskurse besuchen,

Kommunikationstrainings absolvieren,

oder Gelassenheitsübungen machen.

(also ich meine bei allem: DU vor allem).

 

So weit also kann es kommen,

wenn wir weiterhin beharrlich nachhaltig daran glauben,

Opfer von jemandem oder von Umständen zu sein.

Scheint als bliebe nur Opfer, Täter oder Retter.

 

Wenn Du allerdings einmal nicht so sehr

nachdenkst, selbstreflektierst und Erkenntnisse ersehnst

stellst Du schnell fest:

tatsächlich interessiert sich niemand wirklich

für Deine Opferstories.

Die sind alle ein wenig genervt

von Deinem Gejammer.

Und fast noch mehr von Deinem

Tätersein und Rettersein.

Stimmt`s ?

 

Was könntest Du tun?

Du könntest in Erwägung ziehen,

dass Du Dein Opfer-, Täter- und Rettersein

SELBST verursachst.

Und mit Deinem Selbstmitleid, Deiner Rache

und Deinem Helfersyndrom aufhören.

 

Du könntest in Erwägung ziehen,

dass Du Zufriedenheit, Glück und Freude

weder erzwingen

noch bei jemand anderem einfordern kannst.

 

Warum?

Weil Du es BIST.

Du BIST

Zufriedenheit, Glück und Freude.

Trägst alle drei immer mit Dir und bei Dir.

Du BIST das alles. Immer schon.

Und bist damit vollkommen perfekt.

Inklusive all Deiner kleinen Unvollkommenheiten.

Deine vielen kleinen negativen Adjektive

gehören zu Deiner Vollkommenheit.

Behindern manchmal nur ein klein wenig

Dein Erleben und Ausdrücken von

Zufriedenheit, Glück und Freude.

 

Und weißt Du, was geschieht,

wenn Du aufhörst Dir oder anderen die Schuld zu geben

und Du erlebst,

wie sich Deine perfekte Vollkommenheit

in Freude ausdrückt?

Dann siehst, spürst und erlebst Du wie der,

dem Du eben noch die Schuld gegeben hast

für Dein Gejammer,

seine perfekte Vollkommenheit

(inklusive seiner liebenswerten Unvollkommenheiten)

in Freude ausdrückt.